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Ernährung & Gesundheit

18. Dezember 2017 | 15:53 Uhr

Frühgeburten : Das Känguru als Vorbild

vom

Sie wurde aus der Not heraus geboren: Die Känguru-Methode steigert die Überlebensfähigkeit von Frühgeborenen. Wissenschaftliche Studien belegen ihren Erfolg.

shz.de von
erstellt am 06.Mär.2013 | 09:32 Uhr

Lübeck | Sie wurde aus der Not heraus geboren: In der kolumbianischen Hauptstadt Bogota veranlassten 1979 fehlende Inkubatoren zwei Kinderärzte dazu, den Müttern ihre Kinder auf die Brust zu legen, um die Wärme der Mutter zu nutzen. Zusätzlich wurden die Kinder mit Tüchern bedeckt, damit diese vor Wärmeverlust geschützt waren.

Diese Methode entwickelte sich in Anlehnung an die Aufzucht der Känguru-Jungen, die im Beutel der Mutter nach der Geburt heranwachsen. Nachdem man in Kolumbien gute Erfahrungen mit dieser Methode gemacht hatte, wurde sie auch in anderen Ländern bei der Frühgeborenenversorgung angewendet. In Deutschland wird seit den 80er Jahren "Känguruing" angeboten. Wegbereitend für die Einführung der sanften Frühgeborenenpflege ist vor allem die Neonatologin Professor Marina Marcovich, die die Känguru-Methode von den Ärzten aus Kolumbien übernommen und weiterentwickelt hat.

Hautkontakt ist wichtig

Die Kängurumethode wird bei stabilen Frühgeborenen zusätzlich zu der konventionellen Versorgung angewendet. Dabei geht es an erster Stelle um den Hautkontakt zwischen Mutter (und Vater) und dem Frühgeborenen. Weiterhin setzt man auf häufiges und (fast) ausschließliches Stillen sowie eine frühere Entlassung aus dem Krankenhaus. Während des engen Haut-zu-Haut-Kontakts werden verschiedene Sinne des Frühgeborenen stimuliert und gefördert: Der Hörsinn durch die Stimmen der Eltern, der Gleichgewichtssinn durch die Bewegungen der Eltern, der Tastsinn durch den großflächigen Hautkontakt und der Geruchssinn durch den Körpergeruch der Eltern. Zusätzlich wirken der Herzschlag der Mutter beruhigend auf das Kind und es hat die Möglichkeit, sich von dem Stress durch die medizinischen Versorgung und der Umgebung auf der Station zu erholen, auf der es vielen Reizen ausgesetzt ist.

Das nackte Kind wird zwischen die nackten Brüste der Mutter oder auf die nackte Brust des Vaters vertikal gelagert. Über das Kind wird teilweise ein Tragetuch gebunden und es wird mit der Kleidung der Mutter gedeckt. Je nach Bedarf des Kindes kann ein Fell oder ein Handtuch über das Kind gelegt werden, damit das Frühgeborene die Temperatur ausreichend halten kann. Die Verweildauer in der Känguruhaltung beträgt eine halbe Stunde bis eineinhalb Stunden und kann je nach Gesundheitszustand des Kindes mehrmals am Tag wiederholt werden. Bei einer Umfrage unter 323 Frühgeboreneneinrichtungen in Deutschland, an der sich 162 beteiligten, gaben 160 der befragten Einrichtungen an, die Känguru-Methode zu verwenden.

Studien belegen Erfolg

Wissenschaftliche Studien deuten darauf hin, dass Frühgeborene, die mit der Känguru-Methode versorgt werden, eine höhere Überlebenswahrscheinlichkeit haben und weniger anfällig für schwere Krankheiten sind. Verbesserungen sind ebenfalls bei Körpertemperatur, Herzschlag und Atemfrequenz nachweisbar. Weitere Studien deuten auf eine bessere geistige Entwicklung, geringeren Stress, weniger Empfinden sowie positive Auswirkungen auf Wachstum und motorische Entwicklung hin.

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