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Forsa-Studie : Burger statt Bohneneintopf

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Du bist, was du isst - doch für gesunde Ernährung fehlt jedem dritten Bürger im Norden das Geld. Auch am nötigen Wissen hapert es.

Flensburg | Tim Mälzer kann noch so charmant den TV-Kochlöffel schwingen. Jamie Oliver noch so kreative Kombinationen anrühren. Die ansteckende Wirkung auf die zahlreichen Zuschauer bleibt offenbar aus. Lediglich für jeden zweiten Norddeutschen nimmt das Thema Ernährung einen hohen Stellenwert ein, wie eine aktuelle Forsa-Studie im Auftrag der Techniker Krankenkasse zeigt. Besonders dramatisch: Jedem dritten Bürger fehlt das Geld, um sich gesünder zu ernähren. Damit liegt der Norden weit über dem Bundesschnitt, bei dem nur jeder Vierte finanzielle Gründe als Hindernis für einen gesünderen Speiseplan nannte.

Selbst kochen spart Geld

Gleichzeitig landen in Schleswig-Holstein deutlich häufiger als in den anderen Bundesländern Fertiggerichte auf dem Teller: Tiefkühlpizza oder Tütensuppe statt hausgemachter Rouladen heißt es bei 32 Prozent mindestens einmal pro Woche. "Das passt nicht zusammen", meint Renate Nissen von der Kieler Sektion der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE). Fertiggerichte seien oft viel teurer als selbst zubereitete Frischwaren. "Wer selbst kocht, spart also Geld", erklärt sie.
Doch immer weniger Menschen sind stellen sich selbst an den Herd. Nur in der Hälfte der befragten Haushalte kommt täglich Selbstgekochtes auf den Tisch. Die Uhr tickt ständig, selbst im Privatleben herrscht "Freizeitstress". Mangelnde Zeit wird von den meisten Befragten als Grund genannt, warum sie nicht häufiger selbst kochen - und lieber zu Burger & Co. greifen. Doch jeder Siebte hat auch schlichtweg keine Lust, oder sie sind es von Haus aus gar nicht anders gewohnt.

Aromen und Fett

Solche Fast Food-Klassiker und Fertiggerichte enthalten meist viel Fett, Zusatzstoffe und Aromen - schließlich müssen sie lange haltbar sein, gut aussehen und vor allem gut schmecken. "Mit der Zeit entwickeln Konsumenten eine Vorliebe für diese Geschmacksrichtung", warnt die Ernährungsexperin. Besonders bei Kleinkindern könne man dies beobachten: Bekommen sie oft Fertiggerichte vorgesetzt, lehnen sie mit der Zeit Selbstgekochtes ab - weil es ihnen nicht schmeckt. Auf den "natürlichen" Geschmack kommen die Wenigsten wieder.

Wenig Ahnung von Ernährung

Doch was macht gesunde Ernährung eigentlich aus? Auf diese Frage weiß jedes vierte Nordlicht der Studie nach keine Antwort. Ein ausgewogener Speiseplan scheitert hier im Vergleich zum Rest der Republik überdurchschnittlich oft schlicht am Wissen darüber, wie dieser gestaltet sein sollte. Vielleicht auch deshalb landet viel zu viel Fleisch in den Mägen: bei der Hälfte der Bevölkerung jeden Tag. Und je geringer der Bildungsstand und das Einkommen, desto häufiger kommt Wurst auf das Brot, zeigt die Befragung. Doch gerade die ist sehr fettreich.
Zu maximal 300 bis 600 Gramm Fleisch und Wurst pro Woche raten Ernährungswissenschaftler - und stattdessen öfter mal auf Gemüse und Sättigungsbeilagen setzen. Das spare auch Geld, da Fleisch besonders kostenintensiv ist, erklärt DGE-Ernährungsexpertin Petra Schulze-Lohmann. Das Problem: Fleisch nimmt nach wie vor einen sehr hohen Stellenwert in der Gesellschaft ein - und bildet für viele den wichtigsten Bestandteil einer Mahlzeit.

Im Kleinen gegensteuern

"Wenn das Thema Ernährung innerhalb einer Kommune von Kita und Schule, vom Sportverein - wo Pommes Frites für die Kinder und Bier für die Erwachsenen oft Standard sind -, der Kirche, dem Arzt, dem Apotheker und dem örtlichen Anbietern von Lebensmitteln einmal gemeinsam angegangen würde, könnte mit Sicherheit viel erreicht werden", sagt Schulze-Lohmann.

Kinder an den Herd

Statt immer mehr TV-Kochshows fordern die DGE-Expertinnen wieder mehr Kochunterricht an Schulen oder - noch besser - Kleinkinder schon im häuslichen Umfeld so früh wie möglich in die Zubereitung von Mahlzeiten einzubeziehen. Zum Beispiel beim Gemüse schnippeln. Denn während die Fernsehbrutzler mit fix und fertig vorbereiteten Zutaten auf die Sendezeit verkürzt leckere Gerichte zubereiten, sehe die Küchenrealität fernab von Kameras doch ganz anders aus.

Zehn Regeln für gesunde Ernährung (DGE)

1. Vielseitig essen - Der Mix aus nährstoffreich und energiearm machtts

2. Reichlich Getreideprodukte & Kartoffeln (Ballaststoffe) - mindestens 30 Gramm täglich

3. Gemüse & Obst - 5 Portionen am Tag (1 Portion kann durch Saft ersetzt werden)

4. Täglich Milch & Milchprodukte, ein- bis zweimal in der Woche Fisch, Fleisch, Wurstwaren sowie Eier in Maßen

5.Wenig Fett & fettreiche Lebensmittel - 60 bis 80 Gramm Fett pro Tag reichen aus

6. Zucker & Salz in Maßen - Vorsicht vor Zuckerarten wie Glucosesirup, Salz am besten mit Jod und Fluorid

7. Reichlich Flüssigkeit - Mindestens 1,5 Liter Wasser pro Tag - und wenig Alkohol

8. Schmackhaft & schonend zubereiten - Speisen bei möglichst niedrigen Temperaturen, kurz und mit wenig Fett garen

9. Sich Zeit nehmen & genießen - Essen Sie nicht nebenbei

10. Auf das Gewicht achten & in Bewegung bleiben - 30 bis 60 Minuten Sport pro Tag

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erstellt am 14.Jun.2013 | 03:42 Uhr

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