Zahnarzt-Besuch : Bücher und Musik gegen die Angst

Lustiges Motiv der Galerie Bild & Rahmen aus Harrislee: die 'Zahnbaustelle' fürs Prophylaxe-Zimmer.

Lustiges Motiv der Galerie Bild & Rahmen aus Harrislee: die "Zahnbaustelle" fürs Prophylaxe-Zimmer.

Wer kennt das nicht: Mit einem mulmigen Gefühl betritt man die Zahnarztpraxis, die Hände sind feucht, das Herz rast. Die Angst vor dem Zahnarzt lässt sich bekämpfen.

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24. Mai 2012, 12:13 Uhr

Neumünster | Manchmal ist es sogar mehr als Angst: Zehn Prozent aller Zahnarztgänger haben laut Experten eine regelrechte Phobie vor dem Gang in die Praxis. Doch vieles kann getan werden, um die Patienten zu entspannen, vor Schmerzen zu bewahren und ihnen die notwendige Überwachung der Zahngesundheit leichter zu machen. "Man muss die Ängste der Patienten individuell ergründen, man kann nicht alle über einen Kamm scheren. Es gibt viele Gründe, warum Menschen Angst vor dem Zahnarzt haben", sagt Dr. Eike Snoyek, Vorsitzender des Kreisvereins Neumünster der Zahnärzte.
Das kann das Gefühl sein, sich ausgeliefert zu fühlen, die Umgebung als unangenehm zu empfinden oder schlechte Erfahrungen in der Kindheit. "Man soll Kinder nicht in Watte packen, am besten ist es, ehrlich zu ihnen zu sein. Das Wichtigste ist Vertrauen", sagt Dr. Joachim Hüttmann, Pressereferent der Schleswig-Holsteinischen Zahnärztekammer. Das gilt auch für Erwachsene: "Wichtig ist, eine Langzeit-Beziehung zum Patienten aufzubauen. Den Arzt häufig zu wechseln, ist dabei sicher nicht hilfreich", sagt Hüttmann.
Handzeichen vereinbaren, Kontrolle behalten
Es gibt viele Ansätze, die helfen, die Angst bei der Behandlung abzubauen wie der Einsatz eines Lasers statt des "Bohrers". Bisher kommt man aber in der Regel um den Einsatz rotierender Instrumente nicht herum.
Angst entsteht im Kopf - und kann dort auch bekämpft werden. Experten empfehlen, die Angst ernst zu nehmen, sie zu akzeptieren, mit dem Zahnarzt darüber zu sprechen und beispielsweise ein Handzeichen zu vereinbaren, bei dem der Zahnarzt die Behandlung stoppt, um die Kontrolle zu behalten.
Deckenbilder und angenehme Klänge beruhigen
Selbstsuggestion und "Kopfkino ausschalten": Hilfreich für eine möglichst angstfreie Situation sind auch das Ambiente und Methoden, wie man den Kopf frei bekommt, sagen Snoyek und Hüttmann. Häufiger Tipp: Durch Lesen und Musikhören kann der Patient schon ruhig werden, bevor es ins Behandlungszimmer geht – oder durch das Anschauen eines kleinen Films, auch während der Prozedur.
Zunehmend beliebt sind Deckenbilder, auf die der Patient im Liegen guckt, während der Arzt seine Arbeit tut. Motive wie eine Unterwasserwelt, eine blühende Wiese oder eine "Zahnbaustelle" bieten Auge und Geist viele positive und schöne Details. Durch Konzentration auf die Bilder lenkt sich der Betrachter ab. Falls das Geräusch des Bohrers Gänsehaut verursacht, haben manche Zahnärzte Kopfhörer parat, damit statt des nervenzerrenden Sirrens angenehme Klänge ins Ohr wandern und die Seele beruhigen.
Wenn allerdings die Angst so stark ausgeprägt ist, dass Panikattacken drohen, können Medikamente wie beispielsweise ein Beruhigungsmittel eingesetzt werden - in enger Absprache mit dem Arzt. In krassen Fällen erspart der Arzt dem Patienten die Situation: "Wenn ziemlich viel kaputt ist und die Lage kritisch ist, werden die Patienten unter Vollnarkose behandelt, beispielsweise an der Uniklinik Kiel", sagt Snoyek. Die Pflicht, die Patienten umfassend über alles aufzuklären, hat jeder Arzt. Snoyek hat aber auch schon andere Erfahrungen gemacht: "Manche Patienten wollen gar nicht alles wissen, sondern das einfach überstehen."

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