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Schulen : Brooklyns Vorzeigeprojekt: Die «Volkshochschule 2.0»

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Ein Samstagmorgen in einer ehemaligen Fabrik im New Yorker Szene-Viertel Williamsburg. Fünf junge Menschen und eine ältere Dame stehen um eine automatische Schleifmaschine herum.

shz.de von
erstellt am 10.Sep.2013 | 15:37 Uhr

Sie lauschen Chris Han, der erklärt, wie damit Holz bearbeitet und kleine Werkzeuge hergestellt werden können. «Woodcarving» (Holzschnitzerei) heißt der Kurs, für den sich auch zwei junge Männer aus Köln angemeldet haben. «Wir haben die Sehenswürdigkeiten New Yorks schon bei früheren Besuchen gesehen und wollen diesmal versuchen, uns ein bisschen in den Alltag der Stadt einzuleben. Da gehört für uns auch ein solcher Kurs mit anderen New Yorkern dazu.»

Neben Holzschnitzerei stehen in dem jetzt «3rd Ward» genannten ehemaligen Fabrikgebäude in Brooklyn unter anderem Schuhmacherei, das Züchten von Hühnern, das Erstellen von Lebensläufen und Businessplänen, das Programmieren von Webseiten, das Anrühren von Feta-Käse, Parfümdesign und Fahrradreparatur auf dem Programm.

Das von der «New York Times» zur «Heimwerker-Utopie» gekürte «3rd Ward» ist einerseits eine Volkshochschule, es können dort aber auch voll ausgestattete Arbeitsplätze gemietet und Kontakte geknüpft werden. Und das Konzept ist erfolgreich: Mehr als 5000 Mitglieder gibt es, zwei Filialen haben die Gründer Jason Goodman und Jeremy Lovitt, beide Anfang 30, schon aufgemacht und nach eigenen Angaben Erlöse in Millionenhöhe eingefahren. Die «Volkshochschule 2.0» gilt inzwischen auch als eines der Vorzeigeprojekte des neuen Brooklyns - einem «kulturellen Bezugspunkt», wie die «New York Times» jüngst schrieb. «Von Paris über Schweden bis zum Nahen Osten wird "Brooklyn" gleichbedeutend mit cool verwendet.»

Mit Partys und Kunstausstellungen in den alten Fabrikhallen habe bei «3rd Ward» alles angefangen, erzählt Mitarbeiter Cody Updegrave beim alljährlichen Tag der offenen Tür, der als «Piggie Roast» mit einem Spanferkel-Essen gefeiert wird. «Irgendwann kam dann das Metallstudio und von da an wurde die das Ganze immer größer und die Kurse wurden eingeführt. Es ist eine Schule ohne Noten - alle sind gleich gut oder gleich schlecht. Jeder lernt, was er lernen will, und kann dann selbst etwas daraus machen.»

Holzkurs-Leiter Han, eigentlich studierter Verpackungsingenieur, hat sich das Schreinern selbst beigebracht und arbeitet und lehrt nun gemeinsam mit mehreren Kollegen in der «3rd Ward»-Schreinerei. Seine Schüler kommen aus ganz unterschiedlichen Motiven: Zur Entspannung vom Job am Computer beispielsweise, aber auch um den Grundstein für eine Karriere zu legen. So hat es auch Han selbst gemacht, der sein selbst hergestelltes Holzbesteck mittlerweile hauptberuflich auf Märkten und im Internet vertreibt. «Und einige von meinen Schülern hatten in den Kursen so viel Spaß, dass sie jetzt ihre eigenen Kreationen verkaufen und mir Konkurrenz machen.»

Webseite von «3rd Ward»

Bericht der «New York Times» zum «3rd Ward»

Bericht der «New York Times» zu Brooklyn

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