Auszeichnung : Beispielloser Einsatz für die Forschung

Das Bundesverdienstkreuz 1. Klasse wurde Professor Dr. Hartmut Göbel (l.) von Ministerpräsident Torsten Albig verliehen. Foto: Peter
Das Bundesverdienstkreuz 1. Klasse wurde Professor Dr. Hartmut Göbel (l.) von Ministerpräsident Torsten Albig verliehen. Foto: Peter

Ministerpräsident Albig verleiht das Verdienstkreuz an Professor Dr. Hartmut Göbel aus Noer für dessen Engagement in der Erforschung von Kopfschmerzkrankheiten.

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02. März 2013, 12:23 Uhr

Noer/Kiel | Professor Dr. Hartmut Göbel aus Noer (Kreis Rendsburg-Eckernförde) ist vom Bundespräsidenten mit dem Verdienstkreuz 1. Klasse des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland ausgezeichnet worden. Ministerpräsident Torsten Albig überreichte die Auszeichnung am Donnerstagabend in Kiel.

Der Regierungschef würdigte die Verdienste des Ordensträgers: "Sie zeigen seit mehr als 20 Jahren ein für Deutschland beispielloses Engagement im Bereich der Erforschung und Versorgung von Migräne sowie anderer chronischer Kopfschmerzen", sagte Albig. Göbel habe in Deutschland Pionierarbeit geleistet und Grundlagen für die moderne Betrachtung von Kopfschmerz-Erkrankungen gelegt. Dank seines Engagements könnten schwere Erkrankungen durch neu entwickelte Therapien nachhaltig gebessert werden. Damit habe Göbel in den vergangenen Jahren ungezählten Betroffenen geholfen.

Pionier im Gebiet der Schmerzbehandlung

1997 eröffnete der Mediziner die erste neurologisch-verhaltensmedizinische Schmerzklinik in Kiel. Sie ist weltweit als Modell zur Umsetzung wissenschaftlicher Erkenntnisse für die Versorgung von Schmerzpatienten anerkannt. Göbel begann seine medizinische Ausbildung in der Klinik für Neurologie der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel.

Anfang der 90er Jahre startete er die erste bundesweite Studie zur Situation von Migräne und Kopfschmerzen in Deutschland. Gemeinsam mit der AOK Schleswig-Holstein initiierte er ein Projekt zur Versorgungssituation hinsichtlich Migräne und Kopfschmerzen von Beschäftigten der Howaldtswerke-Deutsche Werft in Kiel. Anschließend machte er sich für die erste spezialisierte Migräne- und Kopfschmerzsprechstunde an einer Universitätsklinik stark. Die große Nachfrage ermutigte ihn, ein Konzept für eine eigenständige Institution zur ambulanten und stationären Behandlung von Migräne und Kopfschmerzen zu erarbeiten. Daraus entwickelte sich die Schmerzklinik Kiel.

"Es hätte keinen Würdigeren treffen können"

Göbels Einsatz geht weit über Schleswig-Holstein hinaus: So engagierte er sich in der International Headache Society. Er beteiligte sich zehn Jahre an der internationalen Kopfschmerzklassifikation und pflegt bis heute die Homepage des Gremiums. Außerdem förderte er die Aus- und Weiterbildung von Studenten und Ärzten. An der Kieler Universität konzipierte er die erste fakultätsübergreifende interdisziplinäre Schmerz-Vorlesung. Er publizierte einen Ratgeber und bietet per E-Mail kostenlose Beratungen für Betroffene an.

Ein großes Anliegen ist ihm die Gesundheit von Schülern. Er entwickelte für die Umsetzung an Grundschulen ein pädagogisches Konzept für die zeitgemäße Kopfschmerztherapie. Er war auch Initiator der Migräneliga Deutschland und unterstützt die Selbsthilfegruppen für den Clusterkopfschmerz. Außerdem setzt er sich für den Aufbau eines Netzes für seltene Kopfschmerzen ein. Als Generalsekretär und Vorsitzender baute er die Deutsche Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft zu einer großen wissenschaftlichen Fachgesellschaft auf. Er leitet eine bundesweite Expertengruppe von über 500 hochspezialisierten Ärzten und setzt sich für deren Weiterbildung ein.

Bettina Frank, Moderatorin des von Göbel initiierten Migräne- und Kopfschmerzforums Headbook, gratulierte zu "dieser so besonderen Auszeichnung von Seiten des Staates". "Es hätte keinen Würdigeren treffen können", stellte Frank fest. Für Göbel selbst ist das Verdienstkreuz nicht nur Anerkennung seines jahrelangen Engagements und der Arbeit seines Teams, sondern auch ein Zeichen des Bundespräsidenten wie auch des Ministerpräsidenten, dass ihnen die Gruppe der Menschen, die unter Kopfschmerzen und Migräne leiden - etwa zehn Millionen Menschen nehmen täglich Tabletten gegen Kopfschmerzen -, am Herzen liegt. "Das hat uns alle sehr gefreut", sagte Göbel, der die Verleihung als sehr eindrucksvoll und bewegend empfand.

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