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Seenotrettung : Auslaufbereit in nur zwölf Minuten

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Raus bei Wind und Wetter: Für die freiwilligen Seenotretter aus Kiel-Schilksee steigt die Zahl der Einsätze. Eine Reportage vom Einsatz der "Walter Rose".

shz.de von
erstellt am 14.Mai.2013 | 01:12 Uhr

Kiel | Mit Tempo 33 rauscht die "Walter Rose" über die Kieler Förde. Das aufspritzende Wasser des Seenotrettungsbootes der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS) glitzert in der Sonne. "Mich reizt es, wenn wir Wellen haben und die Gischt hochpeitscht. Ich mag das gerne, wenn es ein bisschen schaukelt", sagt Seenotretterin Sina Scholz. An Nord- und Ostsee hat die Segel- und Motorboot-Saison begonnen. 2012 waren die rund 1000 deutschen Seenotretter insgesamt 2117 Mal im Einsatz, finanziert ausschließlich durch Spenden.
Sina Scholz ist eine von rund zwei Dutzend freiwilligen Seenotrettern der Kieler Station Schilksee. An 150 Tagen im Jahr starten die 34-Jährige und ihre Kollegen zu Kontrollfahrten. An den übrigen Tagen gibt es eine Alarmbereitschaft. "Im Regelfall sind wir in zwölf Minuten auslaufbereit", sagt Vormann Detlev Sass. Der 68-Jährige ist bereits seit 37 Jahren als Seenotretter aktiv. Die Zahl seiner Einsätze kann er nicht mehr zählen. "An den Wochenenden sind wir meist die ganze Zeit auf dem Wasser", sagt Sass. Gerade bei schlechterem Wetter hörten sie von den Seglern auch ohne konkreten Einsatz Sätze wie "war ein schönes Gefühl, Euch da draußen zu sehen". Trotz Freiwilligkeit könne er sich an keinen Fall erinnern, an dem die Schilkseer Retter bei Wind und Wetter nicht rausgefahren seien.

Ausnahmezustand auf dem Wasser


Ihr Revier reicht von der Kieler Förde bis ran an die Eckernförder Bucht im Nordwesten und Schönberger Strand im Osten. Neben der Rettung aus Seenot leisten sie auch technische Hilfe, wenn Jachten beispielsweise nach Motorschäden wieder sicher in den Hafen geschleppt werden müssen, sie übernehmen Krankentransporte und bergen havarierte Jachten. Im Notfall sind die Seenotretter über UKW-Kanal 16 und 70 sowie im deutschen Mobilfunknetz über 12 41 24 oder über +49 421 53 68 70 zu erreichen.
Hochbetrieb wird wieder Ende Juni herrschen, wenn vor Schilksee mehrere tausend Segler an den Regatten der Kieler Woche teilnehmen. "Da herrscht immer ein wenig Ausnahmezustand auf dem Wasser. Wenn eine Schlechtwetter-Front kommt und die Boote schnell in den Hafen müssen, sind wir zur Stelle", sagt Scholz. Aus akuter Seenot habe sie bislang noch niemanden retten müssen. "Aber ich bin dafür gewappnet." Elementare Dinge wie den Umgang mit Rettungsmitteln, Navigation, Brandbekämpfung auf See oder die Leckabwehr hat sie auf der Station Schilksee und im Neustädter Ausbildungszentrum der DGzRS erlernt. Seit zehn Jahren ist die 34-Jährige Seenotretterin. Alle zwei Wochen ist sie einen Tag lang auf der 9,5 Meter langen "Walter Rose" im Einsatz. "Meine kinderfreien Wochenenden verbringe ich hier alle 14 Tage auf See", sagt die alleinerziehende Mutter von zwei Kindern.
Unter der Woche arbeitet die Wirtschaftsinformatikerin in einer Bank. "Im Einsatz an Bord werden der Stress und die Sorgen des Alltags fortgeweht." Sie schätzt die groß Kameradschaft unter den Seenotrettern. "Da ist von jedem Menschenschlag etwas dabei." Besonders in Erinnerung geblieben ist ihr der Fall eines verletzten, unterkühlten Zwölfjährigen aus Hamburg aus dem vergangenen Sommer: "Das Kind war im Schockzustand und völlig apathisch." Der Junge wurde an Bord versorgt und später dem Rettungsdienst übergeben. Viele Segler unterschätzten die Witterungseinflüsse. Unterkühlungen seien die Folge. "Wenn die viele Stunden draußen sind und noch Wind dazu kommt, geht das schnell."
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