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Alzheimer : Auf einmal ist alles vorbei...

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... und kein Mensch kann dir helfen. So empfindet Sport-Manager Rudi Assauer seine Alzheimererkrankung. Wissenschaftler und Pflegende versuchen, der Demenz Herr zu werden.

shz.de von
erstellt am 22.Feb.2012 | 09:04 Uhr

Er habe eine Wut im Bauch, weil er nicht mehr mithalten könne, hat Rudi Assauer gesagt, als er sich vor einigen Tagen als alzheimerkrank outete. Wie kaum ein anderes Leiden verändert die Demenzerkrankung den Charakter und die Fähigkeiten eines Menschen: Wer zuvor über ein nahezu unfehlbares Gedächtnis verfügte oder als gut vernetzter Manager mit Wonne im Mittelpunkt stand, ist plötzlich vergesslich und unsicher – und das sind nur zwei der vielen Symptome.
An Alzheimer leiden die Erdenbürger, denen es ansonsten überdurchschnittlich gut geht: Vor allem Europäer und Amerikaner, die meisten von ihnen über 60 Jahre alt. Dementsprechend intensiv wird auf beiden Kontinenten nach einer Kur für die Demenzerkrankungen gesucht, an denen zur Zeit etwa 42.000 Schleswig-Holsteiner und 1,3 Millionen Deutsche leiden. Etwa zwei Drittel von ihnen haben Alzheimer, also die Form von Demenz, die mit der Ablagerung von fehlerhaften Eiweißen und dem Absterben von Neuronen im Gehirn einhergeht.
Ein Kampf mir grünem Tee und Laserlicht
Beinahe wöchentlich werden neue Forschungsergebnisse bekannt, die diesen Prozess verhindern, aufhalten oder verzögern sollen. Forscher in Sydney wollen einen Impfstoff entwickelt haben, der den Krankheitsverlauf von Alzheimer verlangsamt. Mit einem Extrakt aus grünem Tee und rotem Laserlicht ist es einem Ulmer Wissenschaftler gelungen, die für die Demenzform typischen Protein-Ablagerungen im Gehirn um mehr als 60 Prozent zu verringern. Auch ein Farbstoff der Flechte Roccella tinctoria macht offenbar die giftigen Ablagerungen unschädlich, wie von Forschern der Charité in Berlin entdeckt wurde. Und das ist nur eine kleine Auswahl der Erkenntnisse aus Alzheimer-Forschungen der vergangenen drei Monate. Eine wirksame Therapie gibt es rotzdem noch lange nicht, allenfalls die Symptome können von Medizinern gelindert werden.
Etwa vier Medikamente seien auf dem Markt, die dazu führen sollen, dass sich die Krankheit für ein oder zwei Jahre nicht verschlimmert, sagt Cornelia Prepernau vom Kompetenzzentrum Demenz in Schleswig-Holstein. "Deswegen ist es auch so wichtig, dass die Krankheit so früh wie möglich entdeckt wird." Noch entscheidender ist es jedoch, die Pflege der Betroffenen so optimal wie möglich zu gestalten und dabei eine unausweichliche Regel einzuhalten: "Das Umfeld muss sich ändern, weil sich der Demenzerkrankte nicht mehr ändern kann", erklärt Cornelia Prepernau.
Und plötzlich werden Freunde zu Fremden
Für jemanden, der aufgrund der Krankheit ständig Rückschläge und Frustrationen hinnehmen muss, trägt es erheblich zur Lebensqualität bei, Erfolgserlebnisse zu haben. Es gilt also, den Erkrankten ganz individuell in den Dingen zu fördern, die ihm oder ihr noch gelingen und Spaß machen. Nach Ansicht des Kuratoriums Deutsche Altershilfe kann das für jemanden wie Rudi Assauer auch bedeuten, dass er seiner Zigarre und dem Bier treu bleibt.
Was viele Betroffene gemeinsam haben, ist die Angst, durch ihre Vergesslichkeit in Gesellschaft von Freunden und Bekannten, die sie (eigentlich) kennen sollten, negativ aufzufallen. Umso wichtiger ist es nach Einschätzung des Kompetenzzentrums Demenz in Schleswig-Holstein, dass Alzheimererkrankungen so früh wie möglich festgestellt werden, so dass Betroffene und ihre Angehörige Zeit haben, sich auf die neue Situation einzustellen.

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