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Ernährung & Gesundheit

18. Dezember 2017 | 15:32 Uhr

Auch Händewaschen will gelernt sein

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Einfache Hygiene-Regeln schützen Kinder vor ansteckenden Krankheiten / Mediziner beklagen mangelndes Wissen der Eltern

shz.de von
erstellt am 18.Mär.2015 | 15:00 Uhr

Verschnupfte Nasen, heisere Stimmen und hartnäckiger Husten: Vor allem Kleinkinder leiden vom Herbst bis ins Frühjahr hinein unter Erkältungen. Ihr Immunsystem ist noch nicht ausgereift, die Ansteckungsgefahr in der Kita oder bei der Tagesmutter zudem besonders groß. Aber auch Madenwürmer oder Durchfallerreger haben leichtes Spiel, wo viele Kinder zusammenkommen. Dabei wäre die Übertragung oft vermeidbar – würde mehr auf Hygiene geachtet. „Vielen Eltern sind einfachste Verhaltensregeln nicht bekannt, und dementsprechend geben sie sie auch nicht an ihre Kinder weiter“, stellt Dr. Michael Dördelmann, Leiter der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin am Flensburger Diakonissenkrankenhaus, immer wieder fest.

Banal, aber trotzdem vernachlässigt: das regelmäßige, gründliche Händewaschen (siehe Info-Kasten). Erkältungsviren, die durch Tröpfcheninfektion übertragen werden, überleben auf Türklinken oder Tischplatten mehrere Stunden. „Händewaschen ist die effektivste Maßnahme, um sich vor einer Ansteckung zu schützen“, betont Dördelmann. Darum sollte es Kindern so früh wie möglich vermittelt werden – am besten durch Ritualisierung. „Waschen Eltern und Kinder ihre Hände gemeinsam, wird es irgendwann zur Gewohnheit.“ Das gleiche gilt für das „richtige“ Niesen und Husten: Eltern sollten selbst daran denken, sich dabei von anderen abzuwenden und in ein Papiertaschentuch oder in die Ellenbeuge oder den Oberarm zu husten.

Erreger der Magen-Darm-Grippe werden meistens durch Schmierinfektion übertragen: Aus Stuhl oder Erbrochenem geraten sie auf Gegenstände und Oberflächen – wo sie sich mehrere Tage halten können –, von dort über die Finger in den Mund. Kranke Kinder können noch ein bis zwei Wochen nach Abklingen der Symptome ansteckend sein; so lange sollte darum noch besonders auf gründliches Händewaschen geachtet werden.

Kritisch können schmutzige Kinderfinger dann vor allem bei Aktionen wie dem in vielen Kitas etablierten „Schnippel-Frühstück“ oder „Mitbring-Buffet“ werden – wenn Krankheitserreger auf Lebensmittel gelangen, die von allen gegessen werden. Dr. Petra Schulze-Lohmann von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung plädiert trotzdem für solche Aktionen. „Für viele Kinder ist die Kita heute der einzige Ort, an dem sie überhaupt noch mit frischen Lebensmitteln und ihrer Zubereitung in Kontakt kommen.“

Mangelnde Hygiene kann aber noch weitere Folgen haben: „Wenn Mädchen unter immer wiederkehrenden Harnwegs-Infekten leiden, sind oft Fäkalbakterien die Ursache, die durch falsches Saubermachen beim Toilettengang aus dem Stuhl in die Harnwege gelangen“, sagt Michael Dördelmann. Der Grund: Weil die Arme noch kurz sind, wischen sich kleine Kinder automatisch „von hinten nach vorn“ ab. Eltern sollten die „richtige Technik“ vermitteln, „aber oft sind ihnen solche Zusammenhänge überhaupt nicht bewusst“.

Dass viele, auch größere Kinder elementare Hygiene-Regeln wie das Händewaschen nicht im Elternhaus vermittelt bekommen, bestätigt auch die Leitung der städtischen Kitas in Flensburg. „Entsprechend viel zu tun haben die Erzieher“, sagt Rathaus-Sprecher Clemens Teschendorf. Es gehöre zum Bildungs- und Erziehungsauftrag, den Mädchen und Jungen die entsprechenden Verhaltensweisen nahezubringen. Inwieweit dies jedoch tatsächlich im Alltag umgesetzt werde, sei individuell von der jeweiligen Kita-Leitung und der Initiative der Erzieher abhängig.

Um Ansteckungsrisiken zu minimieren, sind die Kitas nach dem Infektionsschutzgesetz verpflichtet, „betriebsinterne Hygienepläne“ festzulegen. Sie geben Richtlinien etwa für die Küchen- und Lebensmittelhygiene sowie das gemeinschaftliche Essen vor; zuständig für die Kontrolle der Einhaltung sind die Gesundheitsämter. Verbindliche Richtlinien für eine Hygiene-Pädagogik in den Kitas gibt es dagegen nicht.

„Bedauerlicherweise“, findet Dehtleff Banthien, Vorsitzender des Landesverbands der Kinder- und Jugendärzte in Schleswig-Holstein. Er plädiert dafür, auch die Vermittlung von Hygienemaßnahmen im Kindergarten- und Schulalltag verbindlich einzuführen. „Das Risikobewusstsein hinsichtlich der Gefahren von übertragbaren Krankheiten ist in Deutschland immer noch gering. Darum sollte die Aufklärung möglichst früh beginnen.“

Ausführliche Informationen zur Hygiene und zum Schutz vor Ansteckungen gibt das Institut für Hygiene und Öffentliche Gesundheit der Uni-Klinik Bonn auf der Internetseite http://www.ihph.de/ („Hygiene-Tipps für Kids“).

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