Alkoholismus-Experte : "Auch Freunde tragen Verantwortung"

Joachim Teipel von der Suchtberatung Droge 70.
Joachim Teipel von der Suchtberatung Droge 70.

Joachim Teipel, Leiter der Rendsburger Suchtberatung Droge 70 beantwortet drei Fragen zum Thema Komasaufen.

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19. Februar 2013, 09:13 Uhr

Warum trinken sich Jugendliche ins Koma?
Das kann man erst einmal pauschal für alle nicht sagen. Es gibt unterschiedliche Situationen mit einer Vielfalt an Gründen, man kann die Jugendlichen aber häufig in drei Gruppen einteilen:
1. "Aus Versehen": Im Moment des Angetrunkenseins gehen sie in einen Rauschzustand, ohne oder mit nur wenig Grenzerfahrung. Sie bringen sich in Euphorie und realisieren nicht, dass sie sich selbst schon auf eine Art betäuben. Das wäre dann ohne böse Absicht sozusagen, etwas unglücklich.
2. Gleichgültig: Die zweite Gruppe ist erfahrungsresistent in ihrem Risikoverhalten. Denen ist es einfach egal.
3. Punktueller Exzess: Die dritte Gruppe hat zwar Erfahrung, in dem Moment ignoriert sie es aber trotzdem punktuell und macht weiter.
Findet sich die Tendenz eher in der Stadt oder auf dem Land?
Da gibt es wenig Unterschiede, in einer Stadt ist da natürlich die Rufnähe zum Krankenhaus. Vom (Trink-)Verhalten aber ist es nicht anders.
Wie können Freunde oder Familie sehen: Da braucht ein Jugendlicher Hilfe?
Die Welt des Jugendlichen verändert sich ja stark; er kann nichts mehr angemessen bewältigen, er verliert seine sozialen Kontakte, in Schule und Familie häufen sich die Probleme. Die Folge von alldem ist, dass der Jugendliche mit allem exzessiv ist. Dann ist natürlich wichtig, dass man sich als Elternteil fragt: Wie verhalte ich mich, wenn mein Kind betrunken nach Hause kommt? Wann lasse ich das überhaupt zu? Auch Freunde tragen ein Stück Verantwortung als Mitfeiernde. Zum Beispiel sollten sie denjenigen nicht allein nach Hause gehen lassen, ein Taxi rufen u.s.w. Die Jugendlichen sind in der Regel nicht alkoholsüchtig. Es gibt jugendliche Alkoholiker, aber die Masse liegt eigentlich bei Erwachsenen.

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