Durchfallerkrankungen : Angriff auf Magen und Darm

Eine Wärmflasche empfinden viele Menschen bei Magen-Darm-Beschwerden als angenehm und lindernd. Foto: dpa
Eine Wärmflasche empfinden viele Menschen bei Magen-Darm-Beschwerden als angenehm und lindernd. Foto: dpa

Durchfallerkrankungen können viele Ursachen haben. Besondere Vorsicht ist bei älteren Menschen und Kindern geboten - Diagnose und Therapie sollten rasch erfolgen.

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26. April 2012, 10:56 Uhr

Kiel/München | Auch wenn man ungern darüber spricht: Etwa jeder dritte Deutsche leidet ein Mal im Jahr unter Durchfall, berichtet Thomas Löscher, Leiter der Abteilung für Infektions- und Tropenmedizin an der Ludwig-Maximilians-Universität München. "In vielen Regionen der Welt kann Durchfall lebensbedrohend sein, insbesondere für Kleinkinder. Hier in Deutschland ist er aber meist harmlos und gut zu behandeln." Streng genommen sei Durchfall nur ein Symptom, das auf die eigentliche Krankheit wie eine Bakterien- oder Vireninfektion hindeute. Wenn Betroffene mehr als drei Mal täglich zur Toilette stürmen, der Stuhl flüssig ist oder in ungewohnt großen Mengen auftritt, sprechen Mediziner von Durchfall, erläutert Löscher.
Zu den häufigsten Ursachen zähle die Lebensmittelvergiftung. "Bakterien in verunreinigten Lebensmitteln bilden Giftstoffe, die schon wenige Stunden nach der Aufnahme den Magen-Darm-Trakt angreifen und zu den Beschwerden führen." Beim "Reisedurchfall" seien in der Regel Coli-Bakterien, manchmal aber auch andere Bakterien, Viren oder Parasiten für die Infektion verantwortlich. "Während die erwachsenen Einheimischen dagegen über die Jahre einen gewissen Immunschutz aufgebaut haben, sind Touristen ziemlich wehrlos und sollten deshalb besondere Schutzvorkehrungen treffen."
Kalium, Kochsalz und Glucose - notfalls per Infusion
In deutschen Krabbelstuben und Kindergärten ist es das Rotavirus, das sich vor allem zwischen Februar und April regelmäßig durch Schmier- und auch Tröpfcheninfektion verbreitet und bei vielen Kleinen für Brechdurchfall sorgt. Auch das ganz ähnliche Norovirus befällt häufig Insassen von Gemeinschaftseinrichtungen wie Schulen, Pflegeheime oder Kliniken. "Bekannt geworden ist es auch als Kreuzfahrtvirus, weil es eben dort schon häufig aufgetreten ist", berichtet Reisemediziner Löscher. Gefährlich seien diese Viren vor allem deshalb, weil sie sich vor allem unter Menschen in Gruppenunterbringungen verbreiteten. "Kleinkinder, sehr alte oder kranke Menschen, die sich dort aufhalten, sind besonders gefährdet, weil ihre Abwehr geschwächt ist." Für gesunde, vitale Menschen sei eine Durchfallerkrankung harmlos und könne im wahrsten Sinne des Wortes "ausgesessen" werden.
Abwehrgeschwächte Menschen sollten dagegen besonders darauf achten, dass sie den Wasserverlust ausgleichen, rät der Mediziner. Das heißt: "Sie sollten genug Flüssigkeit und Elektrolyte wie Kalium, Kochsalz und Glucose bekommen - notfalls per Infusion". Hohes, anhaltendes Fieber könne wiederum darauf hinweisen, dass Erreger in den Körper dringen. "In diesem Fall besteht die Gefahr einer Sepsis, so dass notfalls Antibiotika gegeben werden müssen."
Durchfallmedikamente möglichst kurz anwenden
Es gebe zwar Impfstoffe gegen Rotaviren, aber noch keine Impfempfehlung von Seiten des Robert-Koch-Instituts. Die Entwicklung eines Impfstoffes gegen Noroviren gestalte sich schwierig, weil sich das Virus ständig verändere und der Impfstoff die veränderten Viren nicht abwehren könnte.
Eine weitere mögliche Ursache von Durchfall sind bestimmte Medikamente, insbesondere Antibiotika. Während einer Behandlung mit Breitbandantibiotika könnten sich einige Darm-Bakterien ungestört vermehren, weil sie resistent seien. Ihre natürlichen Gegenspieler würden dagegen durch das Antibiotikum abgetötet. "Man sollte diese Mittel deshalb möglichst gezielt und kurz einsetzen, und zudem bei allen nach Antibiotikagabe auftretenden Durchfällen eine rasche Diagnose und Therapie durchführen", so der Facharzt.
Auch der unter anderem in Pflaumen enthaltene natürliche Zuckeraustauschstoff Sorbit kann Durchfälle auslösen, ebenso wie Eisenpräparate oder hoch dosierte Nahrungsergänzungsmittel, darauf weist Frank Herfurth, Vorstandsleiter im Verband Unabhängiger Heilpraktiker, hin. Er rät von Nahrungsergänzungsmitteln ab: "Der Körper kann die meisten Nährstoffe in ihrer natürlichen Form besser aufnehmen." Durchfall kann auch dadurch ausgelöst werden, dass man bestimmte Nahrungsmittel nicht verträgt, zum Beispiel Lactose oder Fructose, ergänzt Herfurth. Er rät, sich genau zu merken, welche Lebensmittel man gegessen hatte, bevor der Durchfall kam und den Verdacht einem Arzt zu schildern.

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