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Naturheilverfahren : Alternatives Heilen: Pro und Contra

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Alternative Heilmethoden sind umstritten. Der Grund: Es gibt ein breites Spektrum an seriösen und unseriösen Anbietern. Wir gehen der Sache auf den Grund.

shz.de von
erstellt am 07.Jan.2010 | 11:54 Uhr

In den letzten Jahrzehnten war in Deutschland eine erheblich gestiegene Nachfrage nach sogenannten Naturheilverfahren zu verzeichnen - aber auch nach anderen Formen der Alternativmedizin. Insbesondere Frauen, Menschen mit hohem Bildungsniveau, chronisch Erkrankte und Personen mit einer gesundheitsbewussteren Lebensweise nehmen alternative Medizin in Anspruch - oft nicht als Ersatz, sondern als Ergänzung zur konventionellen Behandlung.
"Der Glaube versetzt Berge", heißt eine alte Redewendung. Tatsächlich scheint der Glaube an die Behandlungsmethode zentral für Erfolg oder Misserfolg alternativer Heilmethoden zu sein. Wer nicht daran glaubt, dass Klänge, Düfte oder Farben sich positiv auf das Wohlgefühl und damit auch auf die Gesundheit des Menschen auswirken können, der wird mit der Alternativmedizin und Naturheilkunde kaum Erfolge erzielen.
Viele alternative Behandlungsmethoden scheinen durchaus wirksam zu sein
Obwohl selbst die Krankenkassen immer mehr Behandlungsmethoden der Alternativmedizin und der Naturheilkunde in ihr Angebot aufnehmen, unterstellen Skeptiker, dass es sich bei den Behandlungserfolgen lediglich um Placeboeffekte handele. Dennoch scheinen viele alternative Behandlungsmethoden durchaus wirksam zu sein, wie verschiedene Studien in den letzten Jahren gezeigt haben. So konnte beispielsweise in einer wissenschaftlichen Studie zwar nicht das Wirkungsprinzip der Akupunktur ergründet werden, wohl aber deren Wirksamkeit: Die Therapieerfolge bei der Behandlung von Kopfschmerzen waren sogar um ein Vielfaches höher als bei entsprechenden Vergleichsreihen mit der konventionellen Behandlung durch Schmerztabletten.
Angeboten werden alternative Heilmethoden von Ärzten und Angehörigen verschiedener Heilberufe. Überwiegend bieten aber Heilpraktiker die Alternativmedizin und die Naturheilkunde an. Desweiteren gibt es unterschiedliche Schulen und Institute, die Methoden wie das Yoga oder andere Entspannungstechniken und Massagetechniken anbieten.
Ein Grund für den zunehmenden Erfolg der Alternativmedizin dürfte darin bestehen, dass viele Patienten hier ein höheres Maß an Zuwendung und Kommunikation erfahren. Die anthropologische und psychosomatische Medizin versucht dieser Nachfrage im Rahmen der wissenschaftlichen Medizin gerecht zu werden.
Geistiges Heilen, Reiki, Pendeln
Während alternative Verfahren wie die Homöopathie und die Chinesische Medizin - auch bei den Krankenkassen - zunehmend Akzeptanz erfahren, stoßen die sogenannten esoterischen Ansätze immer wieder auf Kritik. Dazu gehören das Geistige Heilen, Reiki und das Pendeln. Gerade in diesem Bereich häufen sich Fälle, in denen selbsternannte Wunderheiler mit der Not schwer kranker Menschen spielen und aus Profitgier Dienste anbieten, die keinerlei Wirkung haben.
Tatsächlich gibt es aber auch bei "Geistigen Heilungen" - etwa beim traditionellen Handauflegen - erstaunliche Erfolge. Frank B. aus Melsdorf (Kreis Rendsburg-Eckernförde) etwa litt jahrelang unter immer wiederkehrenden Warzen. Die meist gutartigen Epithel-Geschwülste der oberen Hautschicht werden durch Viren verursacht und entweder chirurgisch, durch Vereisung oder durch Strom entfernt oder medikamentös behandelt. Häufig ist die Behandlung langwierig, der Erfolg häufig nur von kurzer Dauer. Der 43-Jährige wurde immer wieder von den lästigen Hautgeschwülsten heimgesucht. Von einem Bekannten hörte er von einer alten Frau, die seit vielen Jahrzehnten Warzen "bespricht". Obwohl der Melsdorfer bislang keinerlei Erfahrung mit paramedizinischen Verfahren gesammelt hatte, ließ er sich überreden, an einer Sitzung bei der Heilerin teilzunehmen. Nach einem halbstündigen Gespräch und einer fünfminütigen Sitzung legte sie ihm die Hand auf und murmelte ein paar unverständliche Sätze. Frank B. zahlte - freiwillig - 75 Euro für die Sitzung. Nach gerade einmal zwei Tagen waren seine beiden Warzen verschwunden. "Für mich war das unglaublich", sagt Frank B. "Ich stehe jeder Form von Hokuspokus skeptisch gegenüber, aber die alte Dame hatte eine ganz besondere Ausstrahlung, und nach kurzer Zeit fasste ich Vertrauen zu ihr." Das Resultat gab der Behandlung Recht.
Heilen durch Handauflegen
Ein ähnliches Prinzip verfolgt das japanische Reiki: Die therapeutische "Energie arbeit" erfolgt hier entweder direkt durch ein Auflegen der Hände, mit Hilfe symbolischer "mentaler Arbeit" oder mit dem Intonieren von Mantren.
Wie erkenne ich einen "seriösen Heiler"? Nach Auskunft des Dachverbandes Geistiges Heilen (DGH) in Heidelberg zeichnen sich seriöse Heiler zeichnen dadurch aus, dass sie unmissverständliche Absprachen über Behandlungsverlauf und Honorar eingehen, Hilfesuchende niemals unter Druck setzen und nicht mit irreführenden Titeln werben. Der Dachverband Geistiges Heilen (DGH) in Heidelberg zählt 3500 Einzelmitglieder. Mit 19 Mitgliedsvereinen vertritt der Verband 5000 Heilerinnen und Heiler mit verschiedensten Heilweisen und Weltanschauungen. Nach Auskunft des DGH gibt es etwa 10000 Heiler allein im deutschsprachigen Raum, die pro Jahr 90 bis 120 Millionen ,,geistige Heilsitzungen absolvierten. Im Schnitt koste eine Sitzung 40 Euro. Manche Sitzungen kosteten gar nichts.
Geistiges Heilen basiert auf einem ganzheitlichen Welt- und Menschenbild. Die Welt und jedes einzelne Wesen stellt demnach ein beseeltes, komplexes, natürliches, energetisches System dar, welches von einer universellen Schöpferkraft oder einem universellen Bewusstsein beeinflusst wird. Krankheiten werden als eine Störung in einem solchen komplexen Regulationssystem gesehen und nicht als losgelöste, eigenständige Fehlfunktion eines biochemisch-mechanischen Apparates.
Wer darf sich "Heiler" nennen?
2004 sorgte eine Entscheidung des Bundesverfassungsgerichtes für Aufsehen. Heilen durften in Deutschland bis dahin neben Ärzten nur zugelassene Heilpraktiker. Diese Bestimmung hat das Bundesverfassungsgericht mit einer Entscheidung gelockert: Wer die Selbstheilungskräfte des Patienten durch Handauflegen aktiviere und dabei keine Diagnosen stelle, benötige keine Heilpraktikererlaubnis, formulierten die obersten Richter im März 2004. Der Heiler müsse jedoch die Kranken vor Beginn ihres Besuchs darauf hinweisen, dass er eine ärztliche Behandlung nicht ersetzt. Die Folgen des Gerichtsurteils sind dramatisch: Weit über 1000 Anbieter von Kursen unterschiedlichster Qualität tummeln sich in der deutschen Heilerszene, in denen angeblich beinahe jeder heilen lernen kann. Die Ausbildungskosten addieren sich oft zu fünfstelligen Summen.
Um die "Qualität des Geistigen Heilens" zu sichern, wurde die Internationale Vermittlungsstelle für herausragende Heiler (IVH) gegründet. Die IHV vergibt Prädikate an Heiler, die den "Ehrenkodex" der Vermittlungsstelle anerkennen. Dieser besagt: Seriöse Heiler dürfen nicht mit Ärzten konkurrieren, weder Heilungsversprechen abgeben noch Diagnosen stellen. Das IVH-Prädikat wurde bislang nur an 125 Heiler vergeben.
Ob die Alternativmedizin eine gute Alternative zur Schulmedizin darstellt, muss letztlich jeder für sich selbst entscheiden. Als Ergänzung und für leichtere Erkrankungen haben sich aber zumindest Teildisziplinen wie die traditionelle Chinesische Medizin mit Akupunktur sowie die Homöopathie durchaus bewährt.

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