Ausbildungsreform : Altenpflege soll attraktiver werden

Gefragt wie nie: Altenpfleger. Seit Langem fordern Verbände und andere Institutionen bessere Arbeitsbedingungen für sie. Das fängt bei der Ausbildung an. Foto: Picture Alliance
Gefragt wie nie: Altenpfleger. Seit Langem fordern Verbände und andere Institutionen bessere Arbeitsbedingungen für sie. Das fängt bei der Ausbildung an. Foto: Picture Alliance

Die Menschen werden immer älter, die Altenpflege immer wichtiger. Ein Eckpunkte-Papier liegt nun für eine Ausbildungsreform liegt vor.

shz.de von
15. Oktober 2012, 07:32 Uhr

Kiel | Die Not wird immer größer: In Schleswig-Holstein arbeiten derzeit etwa 37.000 Menschen in der Altenpflege, darunter 8000 Altenpflegefachkräfte. Die Landesregierung geht davon aus, dass 2020 insgesamt 48.000 in der Branche tätig sein werden. Deutschlandweit ist der Bedarf weit größer. Um ihn zu decken, werden derzeit auf Bundes- wie auf Landesebene viele Register gezogen. Es wird um ausländische Fachkräfte geworben, Ausbildungs-Reformen umgesetzt oder zumindest diskutiert. Der Berufszweig ist noch recht jung. Er soll attraktiver werden und die Menschen, die darin arbeiten, besser auf die Herausforderungen der Zukunft vorbereitet.
Hintergrund: Es gibt den Beruf des Altenpflegers, den des Altenpflegehelfers und auch viele ungelernte Kräfte. Eine Ausbildung zum Altenpfleger ist jedoch ganz anders strukturiert, als eine klassische duale Ausbildung zum Bankkaufmann oder Tischler. Wer eine dreijährige Ausbildung zum Altenpfleger machen möchte, muss sich bei einer Pflegeeinrichtung bewerben und zusätzlich parallel bei einer Altenpflegeschule. Zwischen der Altenpflegeschule und dem Betrieb wird dann ein Kooperationsvertrag geschlossen. Vom Betrieb erhält der Auszubildende eine Vergütung. Die Höhe ist unterschiedlich. In der Regel sind es jedoch unter 1000 Euro. Für die Schule muss er im Normalfall zahlen. In Schleswig-Holstein sind das 290 Euro im Monat. Die Mindestinhalte der Ausbildung sind bundesweit einheitlich. Das Landesamt für Soziale Dienste ist für die ordnungsgemäße Durchführung verantwortlich. Der Ausbildungsberuf hat eine ganz eigene Geschichte.
Immer mehr Menschen brauchen Pflege
In Sachen Schulgeld ist aber schon viel in Bewegung geraten. 2085 Schulplätze gibt es derzeit in Schleswig-Holstein. Für 1200 trägt das Land bereits jetzt die Kosten. Und es sollen noch einmal 400 zusätzliche gefördert werden. Auch die Agentur für Arbeit und andere Akteure übernehmen inzwischen zum Teil die Schulkosten. "Dies ist keine Dauerlösung", sagt Sozialministerin Kristin Alheit (SPD). "Der Bund ist gefordert, hier endlich eine Neuregelung einzuleiten. Dabei muss auch die Finanzierung auf eine andere Grundlage gestellt werden. Es darf nicht sein, dass Auszubildende dazu Geld mitbringen müssen."
Ein Gruppe mit Vertretern von Bund und Ländern hat bereits ein Eck-Punkte-Papier zur Reform der Pflegeausbildung erarbeitet und Ende März vorgestellt. Die Länder erwarten nun einen Gesetzentwurf durch den Bund. Die Landesregierung hat das Thema auf die Agenda der Arbeits- und Sozialministerkonferenz im November gesetzt. Laut dem Eck-Punkte-Papier sollen die Ausbildungen zum Altenpfleger, zum Krankenpfleger und zum Kinderkrankenpfleger zusammengelegt und einheitlich finanziert werden. Dabei dürfte unter anderem die Finanzierung zum Dreh- und Angelpunkt werden und noch für einige Diskussionen sorgen. In dem Papier geht es auch um die sich ändernden Anforderungen an Pflegekräfte. Immer mehr Menschen brauchen Pflege. Und diese wird immer komplexer. Chronische Krankheiten nehmen zu, verschiedene Krankheiten überlagern sich, der medizinische Fortschritt steigt, um ein paar Faktoren zu nennen.
"Das Image des Berufes ist entscheidend"
Im Gegensatz zur Ausbildung zum Altenpfleger ist die um Altenpflegehelfer Ländersache. Erst im Frühjahr hat die Regierung in Kiel dafür eine neue Verordnung auf den Weg gebracht. Dadurch ist es ungelernten Kräften in der Altenpflege im nördlichsten Bundesland möglich, eine so genannte Externenprüfung zu machen. Das ist die Abschlussprüfung in einem anerkannten Ausbildungsberuf – in diesem Fall des Altenpflegehelfers –, ohne dass die Teilnehmer vorab eine Berufsausbildung gemacht haben.
Die Agentur für Arbeit sieht mit Blick auf den enormen Fachkräftebedarf in der Branche auch die Betriebe mit in der Pflicht. "Wir wissen, dass für junge Menschen das Image eines Berufes, Gehaltstarife, Karriereperspektiven und Arbeitsplatzsicherheit bei der Berufswahl entscheidend sind. Bei der Schaffung der entsprechenden Rahmenbedingungen sind insbesondere die Arbeitgeber gefordert", sagt Margit Haupt-Koopmann, die Chefin der Regionaldirektion Nord.
"Die Arbeitsagenturen und Jobcenter leisten ihren Beitrag, indem allein in diesem Jahr bisher 300 Arbeitslose die Möglichkeit erhalten haben, eine Weiterbildung in der Altenpflege zu beginnen", so Haupt-Koopmann.
"Den Beruf attraktiver zu machen, ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, für die sich alle an einen Tisch setzen müssen", sagt Roland Weißwange, Leiter der Landesgeschäftsstelle des Bundesverbandes privater Anbieter sozialer Dienste. Schon jetzt werden Hunderte Fachkräfte gesucht: Im September zählte die Agentur für Arbeit 433 Jobs für Altenpfleger.

Die Pflege hilfsbedürftiger älterer Menschen war lange Familiensache. Später arbeiteten Krankenpfleger und – aufgrund des steigenden Bedarfs – auch Mitarbeiter ohne Ausbildung in Alten- und Pflegeheimen. Bei den Hilfskräften handelte es sich häufig um Frauen, die man aufgrund ihrer Erfahrung als Hausfrau und Mutter für geeignet hielt. Langsam setzte sich jedoch die Erkenntnis durch, dass es einer Ausbildung bedarf. Im Jahr 2000 gab es in 16 Bundesländern 17 verschiedene Ausbildungsregelungen. Erst seit 2003 werden Altenpfleger in Deutschland einheitlich ausgebildet. sh:z

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