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Ernährung & Gesundheit

24. Oktober 2017 | 10:41 Uhr

Albtraum für die Zähne

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Etwa jeder zehnte Deutsche knirscht regelmäßig im Schlaf mit den Zähnen – mit schwerwiegenden Folgen.

shz.de von
erstellt am 04.Feb.2015 | 17:59 Uhr

Knirschen, mahlen, beißen: Jeder zehnte Erwachsene knirscht nach Angaben der Bundesärztekammer im Schlaf derart stark oder dauerhaft mit den Zähnen, dass er zum Arzt muss. Oft ist den Betroffenen das Problem nicht bewusst, doch die Schäden können gravierend sein: Das Mahlen reibt die Kauflächen ab. Zudem können sich feine Linien im Schmelz bilden, sogenannte Schmelzrisse, die Zahnhälse werden überempfindlich. In schweren Fällen sind bleibende Schäden an Zahnsubstanz und Halteapparat die Folge Außerdem sind die Kaumuskulatur und das Kiefergelenk durch das Knirschen permanent überlastet, was zu schmerzhaften Muskelverhärtungen und Verspannungen führen kann. Ein Hinweis auf das Knirschen können Kopf- und Kieferschmerzen am Morgen sein, sagt Dr. Paul Christian Baier, Facharzt für Neurologie am Zentrum für Schlafmedizinn der Kieler Uni-Klinik. „Meist stellt aber erst der Zahnarzt das Problem fest.“

Dass phasenweises geknirscht werde, sei völlig normal, sagt der Mediziner, bei Kindern und Jugendlichen sogar üblich. „Krankhaft ist das Mahlen erst, wenn die Zähne geschädigt werden.“ Mediziner sprechen dann von Bruxismus. Die Ursachen sind laut Baier nicht restlos geklärt. „Das Zähneknirschen tritt gehäuft in Familien auf, es gibt also eine genetische Kopmponente.“ Mitunter sind schlecht sitzende Kronen, Füllungen, Brücken, Prothesen oder kieferorthopädische Fehlstellungen für das unbewusste Mahlen verantwortlich. In erster Linie werden jedoch psychische Ursachen vermutet: Dauerstress, Trauer, Frust oder verdrängte Aggressionen. „Nachgewiesen ist, dass Menschen mit psychatrischen Erkrankungen wie Angstzuständen oder Depressionen häufiger betroffen sind – ebenso wie Patienten, die antriebsteigernde Antidepressiva einnehmen“, sagt Baier.


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Nach Angaben der Bundeszahnärztekammer beobachten 80 Prozent der Zahnärzte eine Zunahme von Knirschen und Pressen mit den Zähnen. Etwa acht bis 15 Prozent der Frauen und drei bis zehn Prozent der Männer knirschen. Besonders häufig ist die Altersgruppe der 35- bis 45-Jährigen von diesem Krankheitsbild betroffen. Viele Mediziner empfehlen Entspannungsverfahren wie autogenes Training oder progressive Muskelrelaxation, bei tiefer sitzenden seelischen Problemen auch Psychotherapie, um das Problem beser in den Griff zu bekommen. Neurologe Baier sieht solche Verfahren allerdings skeptisch. „Studien haben gezeigt, dass Entspannungsübungen keine überzeugenden positiven Effekte haben.“ Die Muskelentspannung nach Jacobson etwa steigere zwar das allgemeine Wohlbefinden und die Lebensqualität von „Knirschern.“ „Weniger geknirscht wird dadurch aber nicht.“

Um Schäden zu vermeiden, helfe nur eine vom Zahnarzt individuell angepasste Aufbissschiene aus Kunststoff. Sie hält die Zahnreihen auf Abstand, bewahrt sie vor weiteren Schäden und entlastet die Kiefermuskulatur. Die Ursachen des Knirschens werden dadurch allerdings nicht behoben. Das Biofeedback-Verfahren, bei dem auf die Wangen geklebte Sensoren Bewegungen des Kaumuskels an einen kleinen Apparat übertragen, der ein Alarmsignal aussendet, könnten in Einzelfällen sinnvoll sein. Grundsätzlich jedoch werde der Schlaf dadurch jedoch zu stark gestört, urteilt Baier.

Der Schlafmediziner rät stattdessen dazu, die Einnahme bestimmter Medikamente zu hinterfragen. „Bei antriebssteigernden Antidepressiva sollte überprüft werden, ob sie nicht abgesetzt beziehungsweise durch ein anderes Medikament ersetzt werden können.“ Nur nach einer Beratung über die Risiken und den Nutzen durch einen erfahrenen Mediziner sollten Patienten in Ausnahmefällen zu Schlafmitteln, Parkinson- oder anderen Medikamenten greifen. „Es gibt zwar Hinweise auf einen möglichen Nutzen einzelner Medikamente, aber bislang wurde für keines überzeugend eine Wirksamkeit gegen das Knirschen nachgewiesen. Unerwünschte Nebenwirkungen sind dagegen häufig.“

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