"Hochgradig ansteckend" : Ärzte-Appell für Masern-Impfung

Masern sind hochgradig ansteckend, daher fordern Ärzte und Politiker eine flächendeckende Impfung. Foto: dpa
Masern sind hochgradig ansteckend, daher fordern Ärzte und Politiker eine flächendeckende Impfung. Foto: dpa

Die Masern sind zurück: 2013 wurden bereits 905 Fälle registriert. Ärzte und des Kieler Gesundheitsministerium fordern, auf einen ausreichenden Impfschutz zu achten.

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03. Juli 2013, 11:14 Uhr

Kiel | Das Ziel wurde schon mehrfach verfehlt: Erst sollte Europa 2006 masernfrei sein. Dann 2010. Doch in vielen Regionen - vor allem in Westdeutschland - steigt derzeit die Zahl der Infizierten wieder rapide an. "Wir betrachten diese Entwicklung schon als sehr ernst, vor allem vor dem Hintergrund, dass wir jetzt das gesundheitspolitische Ziel haben, bis 2015 die Masern in Europa zu eliminieren", erklärt der Mediziner Ole Wichmann, Leiter des Fachreferats Impfprävention des Robert Koch-Instituts in Berlin.
Da die allermeisten Erkrankten 20 Jahre oder älter sind und ungeimpft, appelliert auch das Kieler Gesundheitsministerium, auf einen ausreichenden Impfschutz zu achten - nicht nur bei Kindern, sondern auch bei jungen Erwachsenen. "Leider sind junge Erwachsene auch sehr mobil - und so können sich die Masern in kurzer Zeit auch über größere Entfernungen verbreiten", sagt Martin Terhardt vom Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ). Gerade sie sind sehr mobil - und so können sich die Masern in kurzer Zeit auch über größere Entfernungen verbreiten."

Aufruf an "alle nach 1970 Geborenen"

"Alle nach 1970 Geborenen mit unklarem Impfstatus sollten sich unbedingt gegen Masern impfen lassen, und in Orten, in denen die Masern grassieren, sollten die Eltern mit ihren Säuglingen am besten zu Hause bleiben", lautet die Empfehlung von Experten. Das Gefährliche: Masern sind hochgradig ansteckend. Es reicht schon, sich im gleichen Zimmer wie ein Infizierter zu befinden, um zu erkranken. Für einen lebenslangen Schutz gegen den Masernvirus, der auch gefährlich Hirnhaut- und Lungenentzündungen hervorrufen kann sind zwei Impfungen notwendig.
Damit erst gar keine Impflücken entstehen, hat Schleswig-Holstein eine verpflichtende ärztliche Bescheinigung bei Aufnahme in eine Kindertagesstätte als ein Instrument etabliert, das die Überprüfung des Impfstatus und die Vervollständigung des Impfschutzes fördert, erklärt Gesundheitsministerin Kristin Alheid (SPD).
Schwierig wird es, wenn zum Beispiel bei Migrantenkindern oder Kindern mit unklarem Aufenthaltsstatus nicht abschließend geklärt werden kann, ob sie bereits geimpft sind, berichtet der Flensburger Kinderarzt Henning Hake. "Weil die Betroffenen meistens nicht wissen oder nicht sagen wollen, wo sie bisher in Behandlung waren und oft schon eine Odyssee durch mehrere Städte und Arztpraxen hinter sich haben, helfen auch Anrufe bei Kollegen nicht weiter", berichtet der Flensburger, der sich "als liberaler Mensch" gegen einen Impfzwang wehrt. Eltern, die ihr Kinder partout nicht impfen lassen, würden immer Mittel und Wege finden, sich zu entziehen. "Die gehen dann zu einem anderen Arzt und ich weine ihnen nicht nach."
Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr (FDP), der jetzt den Impfzwang erneut ins Gespräch bringt, hält die Furcht der Eltern vor Impf-Nebenwirkungen für unbegründet. Die gebe es zwar, - aber sie seien "weitaus seltener als die Komplikationen, die bei der Erkrankung auftreten können".

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