zur Navigation springen
Ernährung & Gesundheit

19. August 2017 | 17:43 Uhr

Diäten : Abnehmen leicht gemacht?

vom

Es gibt unzählige Diäten und Abnehmpräparate – da fällt es schwer, den Überblick zu behalten.

Diverse Studien zeigen, dass Menschen in den Wohlstandsländern immer mehr an Gewicht zulegen. Wie aktuelle Zahlen der OECD (Organisation für wirtschaftliche Kooperation und Entwicklung) belegen, lassen sich in Deutschland etwa 60 Prozent der Männer und 45 Prozent der Frauen als übergewichtig einstufen. Um diesem Trend entgegenzuwirken, gibt es inzwischen verschiedene Methoden, überflüssige Pfunde zum Schmelzen zu bringen.
Abnehmpräparate zählen zu den beliebten Verfahren. Doch wie gesund sind derartige Produkte? Und bieten sie eine Alternative zu langwierigen Diäten? Marion Wüst, Apothekerin und Mitglied im Vorstand des Bundesverbands Deutscher Versandapotheken (BVDVA), klärt über Schlankheitsmittel auf.
Bei starkem Übergewicht: Ärztliche Beobachtung und Trainingsplan
"Um einen sichtbaren Erfolg zu erzielen, hilft dauerhaft nur eine Ernährungs- und Lebensumstellung", weiß die Apothekerin. "Bei besonders fettleibigen Menschen bietet sich teilweise eine kurzzeitige Kombination mit sogenannten Abnehmpräparaten an. Denn sie können bei stark Übergewichtigen schnell erste Wirkung zeigen und somit die Motivation fördern."
Es gibt verschiedene Präparate, die eine Gewichtsreduzierung unterstützen. Bei Appetitzüglern nehmen die Wirkstoffe Einfluss auf das Hungergefühl. Jedoch wirken die Substanzen, die Betroffene meist in Form von Tabletten zu sich nehmen nicht im Magen, sondern direkt im Gehirn. Marion Wüst warnt daher besonders vor einem Gewöhnungseffekt des Körpers, der bereits nach kurzer Zeit eintritt. Außerdem halten derartige Produkte häufig nicht, was sie versprechen. In der Regel sind die zuverlässig wirkenden Appetitzügler verschreibungspflichtig und nur in Apotheken erhältlich. Da ihre Einnahme häufig mit starken Nebenwirkungen wie Herzrasen, Bluthochdruck und Kopfschmerzen einhergeht, sollte unbedingt ein Arzt die Dosierung und den Abnehmprozess überwachen.
Andere Produkte auf Basis von Ballaststoffen, Kollagen und Cellulose wirken besonders quellfähig und saugen sich im Magen voll wie ein Schwamm. Vor jeder Mahlzeit wird eine Tablette oder auch gelöstes Pulver mit einer großen Menge Wasser zu sich genommen. So tritt während des Essens schneller ein Sättigungsgefühl ein. Entsprechende Präparate greifen nicht in den Organismus ein, sondern scheiden vollständig wieder aus dem Körper aus. Bei einer Überdosierung kommt es jedoch oftmals zu Magen- und Verdauungsbeschwerden oder sogar zu schlimmen Verstopfungen. "Generell sollten Menschen mit starkem Übergewicht Abnehmpräparate nur unter ärztlicher Beobachtung und immer in Kombination mit einem leichten Sportprogramm und einer Ernährungsumstellung einnehmen", betont Marion Wüst. Bei leichteren Gewichtsproblemen empfehlen sich derartige Mittel nicht, da sie aufgrund der Risiken und Nebenwirkungen dem Körper eher schaden als nutzen.

DIÄTEN gibt es mittlerweile in zahlreichen Formen und fast jeden Monat tauchen neue auf. Nachfolgend haben wir die bekanntesten zusammengestellt:
Glyx: Wer abnehmen will, isst Lebensmittel mit einem niedrigen glykämischen Index (GI), also Gemüse, Obst und Vollkornprodukte. Auch Milchprodukte, Fisch, Fleisch, Eier sind erlaubt. Gemieden werden dagegen Nahrungsmittel mit hohem GI wie Weißbrot, geschälter Reis, Nudeln und Süßigkeiten. Der glykämische Index gibt an, wie sich ein Lebensmittel auf den Glukosespiegel auswirkt: Ein hoher GI lässt den Blutzucker rasch in die Höhe schnellen – der Körper schüttet das Hormon Insulin aus, das auch den Fettabbau bremst.
FAZIT:
Man isst, was lange satt macht. Man versteht, warum Heißhunger entsteht und Süßes nicht sättigt. Dass aber die Fett- und Energiezufuhr nicht relevant sind, ist wissenschaftlich nicht haltbar.
Weight Watchers: Ein individueller Punkteplan und Gruppentreffen sind Basis dieser Diät. Jedem Lebensmittel werden Punkte zugeordnet. Obst und Gemüse haben kleine, Fast Food hohe Punktzahlen. Für jeden Teilnehmer wird ermittelt, wie viele Punkte er pro Tag zu sich nehmen darf. Bei Bewegung gibt es Pluspunkte. Die Anpassung des Punktebudgets erfolgt wöchentlich.
FAZIT: Wer strikte Vorgaben und Gruppenunterstützung braucht, wird erfolgreich sein. Das Punktesystem ist allerdings aufwendig und es wird keine sinnvolle Mahlzeitenverteilung empfohlen.
Low-Carb / Logi: Das Motto: möglichst wenig Kohlenhydrate. Die LOGI-Methode versteht sich als dauerhafte Ernährungsumstellung. Danach soll man sich wie in der Steinzeit ernähren, als es noch keinen Ackerbau gab. Da wir genetisch noch Steinzeitmenschen seien, könne unser Körper Brot, Kartoffeln, Reis und Nudeln nicht verwerten und deshalb würden wir dick.
FAZIT: Positiv ist der hohe Obst- und Gemüseanteil der Ernährung. Doch Vorsicht bei zu viel tierischem Eiweiß und zu wenig Vollkornlebensmitteln. Als Dauerkost ungeeignet.
Schlank im Schlaf: Bei dieser Diätform des Internisten Dr. Detlef Pape steht das Hormon Insulin im Mittelpunkt. Nach kohlenhydratreichen Mahlzeiten wird es von der Bauchspeicheldrüse ausgeschüttet. Das blockiert, nach Pape, die Fettverbrennung, die vorwiegend nachts stattfinde. Bei seiner Insulin-Trennkost gibt es deshalb abends nur Eiweiß. Energie, die der Körper nachts benötigt, sollen so direkt aus den Fettdepots gezogen werden, die dadurch schmelzen. Morgens sind Kohlenhydrate erlaubt, Mittags gibt es Mischkost und es werden drei Mahlzeiten im Abstand von fünf Stunden empfohlen.
FAZIT: Aufwachen und das Fett ist weg - so schnell funktioniert es leider nicht. Übergewicht abzubauen benötigt Geduld, bei strenger Einhaltung aber auch hier mit Erfolg. Kleine Sünden und Zwischenmahlzeiten sind verboten. Außerdem ist die Theorie von Pape nicht bewiesen.
Quellen: wikipedia/ DAK/BVDVA/mdi


Woran erkennt man eine gute Diät?
Eine gute Diät ist abwechslungsreich, macht satt und schmeckt, kennt keine Verbote, berücksichtigt persönliche Vorlieben und Abneigungen, verringert langsam das Gewicht, gibt geringe Vorgaben zum Gewichtsverlust und vermittelt einen neuen Ess- und Lebensstil, den man dauerhaft halten kann. Vorsicht ist dagegen geboten, wenn die Diät unausgewogen und einseitig in der Lebensmittelauswahl ist (weniger als fünf verschiedene Lebensmittel pro Tag), eine Gewichtsabnahme ohne Änderung der Essgewohnheiten oder hohen Gewichtsverlust in kurzer Zeit verspricht („drei Kilo in drei Tagen“) und mit zusätzlichem Verkauf von Wunder- oder Schlankheitsmitteln verbunden ist. (mdi)

zur Startseite

von
erstellt am 24.Mai.2012 | 01:30 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen