Tödliche Listerien in Wilke-Wurst : Plötzlich werden auch vegetarische und vegane Produkte zurückgerufen

Listerien in vegetarischen und vegane Produkten? Der Verdacht besteht.
Listerien in vegetarischen und vegane Produkten? Der Verdacht besteht.

Verbraucherschützer sind wegen einer neuen Rückrufliste alarmiert – das Ausmaß der betroffenen Produkte ist unklar.

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08. Oktober 2019, 14:55 Uhr

Twistetal/Berlin | Nach zwei bestätigten Todesfällen durch keimbelastete Fleischwaren des nordhessischen Wurstproduzenten Wilke ist eine Rückruf-Liste mit möglicherweise betroffenen Produkten veröffentlicht worden. Darunter sind derzeit auch 15 vegetarische und vegane Produkte.

Sind auch vegetarische und vegane Produkte belastet?

Nach derzeitigem Stand besteht zumindest der Verdacht. Dario Sarmadi, Sprecher der Verbraucherorganisation Foodwatch, sagte unserer Redaktion am Dienstag: "Aufgrund der jetzt veröffentlichten Produktliste müssen wir davon ausgehen, dass auch diverse vegetarische und vegane Produkte belastet sein können. Offenbar wurden in dem betroffenen Werk auch solche Produkte hergestellt – anders ist nicht zu erklären, dass auch solche Produkte auf der Produktliste genannt sind."

Was hat Wilke Wurst mit fleischfreien Produkten zu tun?

In einigen Betrieben werden vegetarische, vegane und fleischhaltige Produkte hergestellt, offensichtlich auch bei Wilke. Dafür werden zum Teil die gleichen Geräte benutzt. Auch dadurch können Fleischrückstände in fleischfreie Produkte kommen, auch wenn die Geräte vor dem Produktionswechsel gründlich gereinigt werden.

Foto: dpa/Uwe Zucchi
dpa/Uwe Zucchi
Foto: dpa/Uwe Zucchi


Welche vegetarischen und veganen Produkte sind betroffen?

Das ist bisher nicht klar. Die Produkte auf der Rückrufliste tragen Bezeichnungen wie: "3311340500, veganer Paprikaaufstrich, 25g Schale, 50 Schälchen/Karton, Karton foliert, RLZ: 18 Monate ohne Kühlung". Marken oder Produktnamen sind nicht aufgeführt. Aufgelistet sind unter anderem Lebensmittel wie "veganer Mangocurryaufstrich", " Tomaten-Basilikum Creme" oder "vegetarische Bratwurst in Eigenhaut". Sarmadi verwies außerdem darauf, dass eine rein vegetarische oder vegane Ernährung nicht vor Listerien schütze, da solch Erreger in der Vergangenheit bereits auf Obst oder Käse nachgewiesen wurden.


Warum werden die betroffenen Produkte nicht konkret genannt?

Das ist derzeit ein Hauptkritikpunkt von Verbraucherschützern. Das zuständige Verbraucherschutzministerium in Hessen sagt, dass es eine solche Auflistung nicht gibt. Hersteller Wilke sagt, man kenne nur die direkten Kunden – das seien vor allem Großhändler. Mittlerweile ist bekannt, dass unter anderem die Restaurants der Möbelhauskette Ikea mit Wilke-Produkten beliefert worden sind. An welche Einzelhändler welche Waren gegangen sind, sei wegen verschiedenen Vertriebsstufen nicht nachvollziehbar sei. Viele Produkte sind zudem an Theken in Supermärkten verkauft worden, waren also nicht fest verpackt.

Dürfen vegetarische und vegane Produkte mit tierischen Produkten in Berührung kommen?

Ja, sagte Foodwatch-Sprecher Sarmadi, auch Produkte, die als vegetarisch oder vegan gekennzeichnet sind, "können und dürfen in der Produktionskette mit tierischen Erzeugnissen in Berührung gekommen sein." Außerdem ist der Begriff “vegan” nicht rechtlich geschützt. Auch in als vegan gekennzeichneten Produkten können zum Beispiel tierische Farbstoffe enthalten sein. Für Verbraucher ist das oft nicht nachvollziehbar, da solche Zutaten oft als Buchtstaben und Zahlenfolge aufgeführt sind.

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