Anzeige : Trotz Pandemie - Die Krebstherapie steht im Vordergrund

Dr. Corinna Petz hilft ihren Patientinnen und Patienten in schweren Zeiten.
Dr. Corinna Petz hilft ihren Patientinnen und Patienten in schweren Zeiten.

Die Diagnose Krebs ist immer ein schwerer Schock, eine zutiefst belastende Situation für die Betroffenen und ihre Angehörigen. Meist folgt eine anstrengende Odyssee an Behandlungen und Krankenhausaufenthalten. Das alles zu meistern verlangt immer viel Kraft und Mut. In Zeiten der Corona Pandemie noch viel mehr.

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01. Mai 2021, 09:00 Uhr

Osnabrück | Der Alltag im Krankenhaus ist geprägt von der Testpflicht vor jeder Sitzung einer lebensnotwendigen Chemotherapie bis hin zum Besuchsverbot. Dr. Corinna Petz ist Chefärztin der Klinik für Onkologie, Hämatologie und Blutstammzelltransplantation am Klinikum Osnabrück. Sie berichtet über die Auswirkungen der Pandemie auf ihrer Station und die Sorgen aber auch die Dankbarkeit ihrer Patientinnen und Patienten.

In der aktuellen Pandemie-Lage herrscht in Krankenhäusern nicht nur auf den Intensivstationen eine Ausnahmesituation. Frau Dr. Petz, wie wirkt sich die Corona-Pandemie bei Ihnen auf die Arbeit im Fachbereich Onkologie aus?

Gerade am Anfang hat bei uns eine sehr große Unsicherheit geherrscht. Wir fragten uns, ob wir überhaupt Chemotherapien wie geplant durchführen können, was das für unsere Patientinnen und Patienten bedeutet und welches Risiko wir eingehen. Wir haben überlegt, wie wir unsere Patientinnen und Patienten am besten schützen können. Corona ist eine noch zusätzliche Belastung im Alltag in der Therapie mit Krebspatienten. Das kommt vor allem auch in den Gesprächen mit den Betroffenen zum Ausdruck. Sehr oft kam die verzweifelte Frage: „Woran werde ich jetzt sterben – Corona oder Krebs?“. Diese Angst konnten wir unseren Patientinnen und Patienten im Verlauf durch exzellente Vorkehrungen nehmen. Unsere Patienten spüren, dass sie sich sicher fühlen können. Seit Beginn der Pandemie konnten wir unsere Patienten adäquat und zeitgerecht behandeln.

Fühlen Sie sich als Ärztin stärker belastet als sonst?

Ja. Unser gesamtes Team ist deutlich mehr belastet. Allein das Tragen einer FFP-Maske von morgens bis abends und die Sorge um das Auftreten von Infektionen auf der eigenen Station. Social distancing ist gerade im Bereich der Onkologie ein Problem, wir therapieren ja nicht nur den Körper, sondern auch die Psyche und die Seele unserer Patientinnen und Patienten mit schweren Erkrankungen. Da ist ein verbotener Händedruck, eine verbotene Berührung doppelt hart. Die Pflegekräfte und Ärztinnen und Ärzte tragen jeden Tag die Sorge, dass einer ihrer Patientinnen oder ihrer Patienten mit dem Corona-Virus infiziert ist oder einer ihrer Mitarbeiter. Hinzu kommt die Sorge um das eigene private Umfeld. Wir können uns sehr glücklich schätzen, dass es durch die Vorsichtsmaßnahmen durch unseren Krisenstab des Klinikums und durch das vorbildliche Verhalten aller zu keinem Ausbruch in meiner Abteilung gekommen ist.

Welche Besonderheiten kommen auf ihre Patienten und Patientinnen zu, wenn Sie auf Ihrer Station behandelt werden?

Um den bestmöglichen Schutz für unsere stationären Patienten zu gewähren, haben wir, noch vor allen anderen Bereichen, sehr früh zu Beginn der Pandemie die Maskenpflicht eingeführt. Und COVID-Testungen laufen strikt vor der Aufnahme, Schnelltests waren sehr frühzeitig etabliert. Menschen mit hämatologischen Krebserkrankungen und massiv supprimiertem Immunsystem liegen in Einzelzimmern, alle drei Tage wird ein erneuter COVID-Test bei unseren stationären Patienten und Patientinnen im Klinikum durchgeführt.

Sie haben viele Maßnahmen getroffen, die auch auf anderen Stationen des Krankenhauses zur Sicherheit eingeführt worden sind. Welche Probleme treten Ihrer Meinung nach vor allem in Ihrem Fachbereich auf?

Durch die Krebstherapien wird das sowieso schon geschwächte Immunsystem unserer Patientinnen und Patienten vorübergehend zusätzlich geschwächt, so dass möglicherweise eine Infektionsgefahr und insbesondere ein schwerer Verlauf für sie zu befürchten wäre.

Sie sind als Ärztin nah am Menschen – was für Feedback geben Ihnen die Menschen auf Ihrer Station?

Dankbarkeit, insbesondere durch die Sicherheit und dass sie trotz der Lage sicher und zuverlässig behandelt werden, nicht abgewiesen werden. Jeder hält sich vorbildlich an die Coronaregeln. Meine Patientinnen und Patienten meistern diese seit über einem Jahr andauernde Belastung mit Bravour. Sie nehmen bereitwillig in Kauf, einen Tag vor geplanter Aufnahme in unseren Bereich zum vorstationären Covid-Test zu erscheinen und die regelmäßigen Abstriche auch im stationären Bereich über sich ergehen zu lassen. Jeder, der schon einmal einen Covid-Abstrich durchführen lassen hat, weiß, wie unangenehm die Prozedur ist.

Auch das Thema Besuche von Angehörigen ist während der Pandemie schwierig. Dabei trägt der persönliche Kontakt doch eigentlich zur Heilung bei.

Das ist der nächste schwerwiegende Aspekt der Pandemie, ich schätze mich sehr glücklich, dass wir ein tolles Team von ärztlicher und pflegerischer Seite haben und versuchen, zumindest für einen gewissen Rahmen uns Zeit für die Nöte und Sorgen der Patientinnen und Patienten zu nehmen. Wir haben zudem ausgewiesenes Personal im Bereich der Psychoonkologie und Seelsorge. Der Gesprächsbedarf hat natürlich deutlich zugenommen. Wenn es Geburtstage oder sonstige Feierlichkeiten wie Ostern oder Weihnachten anstehen, besprechen wir immer lachend, dass wir zumindest auf den Stationen zusammen sind und mit viel mehr Personen, als es sonst im öffentlichen Leben aktuell erlaubt ist. Sie merken auch teilweise, dass sich gerade die Erkrankten, die sonst alleine leben, in der derzeitigen Situation auf meiner Station geborgen fühlen.

Eine persönliche Frage: Können Sie sich von dem Leid und dem Stress, unter denen die Erkrankten bei Ihnen stehen, gut abgrenzen?

Natürlich lassen mich die Schicksale meiner Patienten nicht unberührt, aber gerade ich stehe in der Verantwortung und es ist meine Aufgabe, das Leid zu lindern und die bestmögliche Therapie, auch interdisziplinär, in unserem Krebskompetenz-Zentrum durchzuführen. Wichtig ist es, den Erkrankten den Stress zu nehmen und so gut es geht die Lebensqualität zu erhalten, auch in fortgeschrittenen Stadien einer Erkrankung.

Was würden Sie sich von der Politik wünschen, was sollte sich in Bezug auf Corona und Krebsbehandlungen schnell ändern?

Hier lautet die Devise, wie auf der ganzen Welt: Impfen, impfen, impfen. Patienten mit Krebserkrankungen sind in der 2., also der Kategorie „hohe Priorität“, wir sind über die deutsche Krebsgesellschaft und die Deutsche Gesellschaft für Hämatologie und Onkologie sehr gut aufgestellt. Mein Team und ich haben Anschreiben und Aufklärungsbögen für die Impfungen erstellt, unsere Patienten werden diesbezüglich bereits bei Aufnahme aufgeklärt, und erhalten ein offizielles Attest, damit sie sich zur Impfung anmelden können, so dass wir mittlerweile Fortschritte bei den Impfungen sehen. Natürlich wünscht man sich immer, dass alle Patienten möglichst schnell geimpft sind, aber die Priorisierung hat schon einiges dafür getan.

Was für einen Rat können Sie Ihren Patientinnen und Patienten geben, die Krankheitsphase in der Pandemie gut zu überstehen?

Impfung, Social distancing, sich an die etablierten Hygienekonzepte zu halten, um sich zu schützen und den Fokus auf die Krebstherapie zu legen, denn die Krebstherapie steht absolut im Vordergrund und soll und darf nicht unter Corona leiden.

Wie schaffen Sie es persönlich, gut durch diese Zeit zu kommen? Haben Sie einen Ausgleich?

Seit Beginn der Pandemie habe ich mich privat auf die allerwichtigsten Kontakte beschränkt. Das bin ich meinem Team, meinen Patienten und meiner Familie schuldig. Ich wollte keine Gefahr eingehen, zu erkranken und damit meine Patientinnen und Patienten und meine Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen zu gefährden. Wir gehen viel spazieren, machen Sport, und ich freue mich an den kleinen Dingen des Lebens. Was man übrigens immer tun sollte, nicht nur zu Corona-Zeiten.

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