Ursachen, Symptome & Co. : 80.000 Betroffene in Schleswig-Holstein: Volkskrankheit Schuppenflechte

Eine Schuppenflechte, die „Psoriasis“, schränkt nicht nur die Lebensqualität stark ein, sondern geht meist mit einer anderen Erkrankung einher. Alles über die Krankheit, ihre Gesichter und unterschiedliche Auslöser.

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15. April 2018, 05:12 Uhr

Unwohl in der eigenen Haut: Wer an Schuppenflechte (Psoriasis) erkrankt ist, leidet nicht nur unter dem Juckreiz und der gesellschaftlichen Stigmatisierung der Krankheit, sondern ist in der Regel noch von mindestens einer weiteren Erkrankung betroffen. 80.000 Menschen aus Schleswig-Holstein leiden laut der Krankenkasse Barmer an einer Schuppenflechte. Früher galt die Schuppenflechte einfach nur als Hautkrankheit, mittlerweile weiß man mehr. Dr. Utta Petzold, Dermatologin bei der Barmer, sagt: „Die Psoriasis gilt heute als chronisch-entzündliche Erkrankung, bei der die Hautveränderungen nur ein Aspekt sind.“ Eingestuft als systemische Krankheit, erhöht Psoriasis durch die Fehlsteuerung des Immunsystems auch das Risiko für Stoffwechsel-, Gefäß- und psychische Erkrankungen.

In den letzten Jahren haben Studien gezeigt, dass die Betroffenen häufig auch unter Adipositas, Diabetes, Gelenkerkrankungen, Bluthochdruck oder Depressionen leiden. Dadurch hat sich das Krankheitsverständnis grundlegend verändert. Dr. Petzold kennt die Fakten:

  • Das Risiko eines Patienten mit Schuppenflechte für Typ-2-Diabetes ist im Vergleich zur Allgemeinbevölkerung etwa doppelt so hoch.
  • Auch Depressionen treten bei Psoriasis-Betroffenen etwa doppelt so häufig auf, chronisch-entzündliche Darmerkrankungen wie Colitis ulcerosa und Morbus Crohn sogar 3,5-mal so oft.
  • Mehr als doppelt so häufig kommt es außerdem zu Komplikationen wie beispielsweise einem Herzinfarkt.
  • Etwa 20 Prozent der Patienten sind von der Psoriasis-Arthritis betroffen, bei einigen steht die Arthritis sogar ganz im Vordergrund und Hautprobleme sind eher zu vernachlässigen.
Rote Flecken auf der Haut, die sich mit der Zeit verdicken, und darauf helle Schuppen - das sind die wichtigsten Symptome bei Schuppenflechte.
Arno Burgi
Rote Flecken auf der Haut, die sich mit der Zeit verdicken, und darauf helle Schuppen - das sind die wichtigsten Symptome bei Schuppenflechte.


Einfluss von Pubertät, Hormonen und Stress

In Deutschland sind rund zwei Millionen Menschen von Schuppenflechte betroffen, laut Statistik ist der Männer- und Frauenanteil gleich hoch. Der erste Krankheitsschub kommt oft in der Pubertät. Die Krankheit ist nicht ansteckend, jedoch kann man die genetische Veranlagung dazu in sich tragen. Durch Faktoren wie starker Stress, hormonelle Schwankungen oder eine Infektion wird die Erkrankung sichtbar ausgelöst. Die häufigsten Symptome sind rote, etwas verdickte Flecken auf der trockenen Haut, die einen starken Juckzeiz hervorrufen und schnell einreißen können.

Was gegen das unangenehme Jucken hilft

Eine äußerliche Behandlung mit hornlösenden und antientzündlichen Cremes, Salben oder medizinischen Ölbädern verschafft Abhilfe, so die Barmer. Auch eine Lichttherapie und Tabletten oder Spritzen gehören mittlerweile zu gängigen Behandlungsmethoden. „Wichtig für alle Patienten mit Schuppenflechte ist eine regelmäßige und konsequente Hautbehandlung mit rückfettenden Produkten, die der Austrocknung der Haut vorbeugen. Wer duscht, sollte dies nur kurz und lauwarm tun und sich danach nur abtupfen, nicht abrubbeln“, rät Petzold.

Die Hautärztin empfiehlt Betroffenen, ein Tagebuch zu führen, in dem der Hautzustand protokolliert wird. Wann tritt der Juckreiz auf? Was wurde dagegen getan? Und wie ist das seelische Befinden? All diese Faktoren werden im Tagebuch notiert. Generell gilt: Stress vermeiden! Entpannungs-Sportarten wie Yoga und autogenes Training können den Stressabbau unterstützen.

(Mit Material von Barmer)

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