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Prostata-Untersuchung : "111 mutige Männer...

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... zwischen den Meeren" heißt die Aktion, die Männer zur

Prostata-Untersuchung motivieren will. Damit auch "Vorsorgemuffel" rechtzeitig zum Arzt gehen.

shz.de von
erstellt am 28.Mär.2012 | 12:52 Uhr

"Mann" spricht nicht gern darüber: Beschwerden beim Wasserlassen treten mit zunehmendem Alter immer häufiger auf. "Schuld ist oft eine vergrößerte Prostata", erklärt Prof. Tillmann Loch, Chefarzt der Urologie des Flensburger Diakonissenkrankenhauses. "Derartige Beschwerden bedeuten aber nicht, dass eine Krebserkrankung vorliegt." Insbesondere die gutartigen Vergrößerungen oder Entzündungen der Prostata seien häufige Erkrankungen. Eine urologische Untersuchung und Abklärung sei bei derartigen Problemen aber unbedingt erforderlich.
Da Männer nach seiner Erfahrung jedoch überwiegend "Vorsorgemuffel" sind, hat Chefarzt Loch jetzt die Aktion "111 mutige Männer zwischen den Meeren" ins Leben gerufen, die unter der Schirmherrschaft des Ministerpräsidenten Peter Harry Carstensen steht. "Es geht darum, Männer über die Möglichkeiten einer Früherkennung und Heilung von Prostatakrebs aufzuklären", sagt Tillmann Loch. "Ich freue mich darüber, dass in unserem urologischen Netzwerk sämtliche Praxen zwischen Westerland und Flensburg mitmachen."
Jährlich 64.000 Neuerkrankungen
Im Rahmen der Ausstellung "Es betrifft Dich!" liegen am kommenden Mittwoch ab 19 Uhr in der Flensburger Phänomenta Listen aus, in die sich Männer eintragen können, um an der Vorsorge-Aktion teilzunehmen. Aufklärung ist wichtig: Denn Erkrankungen der Prostata gehören nach den Herz-Kreislauf- zu den häufigsten Erkrankungen von Männern über 60. Aber auch jüngere sind davon betroffen. Loch: "Wir wollen mit unserer Aktion besonders Männer im Alter zwischen 40 und 60 Jahren ansprechen, die sich mit diesem Thema vielleicht noch gar nicht auseinandergesetzt haben."
Die Prostata ist eine Drüse von der Größe einer Walnuss, bei einem 20-jährigen Mann wiegt sie um die 15 Gramm. Entwickelt sich ein Krebs, so unterscheidet er sich von anderen bösartigen Tumoren durch sein langsames Wachstum. Harmlos macht ihn das nicht: Jährlich sterben etwa 11.000 Männer in Deutschland an dieser Krebsart. Er belegt bei den Neuerkrankungen mit jährlich 64.000 sogar den ersten Platz, noch vor Lungen- oder Darmkrebs. "Die Heilungschancen der betroffenen Männer sind sehr gut, wenn die Erkrankung frühzeitig erkannt wird", unterstreicht Tillmann Loch. Alle Männer haben schon ab dem Alter von 45 Jahren Anrecht auf eine jährliche Vorsorgeuntersuchung. Diese werde nach Auskunft von Prof. Loch jedoch nur von wenigen in Anspruch genommen: In Schleswig-Holstein nehme nicht einmal jeder siebte Mann daran teil.
Systematische Gewebe-Untersuchungen
"Bei der jährlichen Tastuntersuchung werden allerdings viele, gerade kleinere Prostatakarzinome nicht erkannt", nennt Prof. Loch ein Problem der Vorsorgeuntersuchung. Eine weitere Möglichkeit bestehe darin, im Blut das "Prostata-Spezifische-Antigen" oder "PSA" zu messen. Die Kosten dafür werden von der gesetzlichen Krankenkasse allerdings nur übernommen, wenn schon deutliche Hinweise auf eine Prostatavergrößerung bestehen. Haben die ersten Untersuchungen den Verdacht ergeben, dass eine Krebserkrankung vorliegt, ist die Entnahme von Gewebeproben der nächste Schritt. "Nach den Leitlinien sollten dann zehn bis zwölf sogenannte systematische Gewebeproben entnommen werden", erklärt Tillmann Loch. "Findet man keine Auffälligkeit, und der PSA-Wert bleibt erhöht, werden erneut weitere systematische Gewebeproben entnommen, zum Teil bis zu 140 Proben."
Um mögliche Karzinome präziser und schonender als bislang diagnostizieren zu können, hat Loch ein Ultraschall-Analyseverfahren entwickelt, das bei der gezielten Gewebeentnahme hilft. Hierbei ermöglicht ein computergestütztes Ultraschallsystem (C-TRUS/ANNA) die Darstellung von tumorverdächtigen Arealen, die für das Auge nicht sichtbar sind. "Eine Studie hat belegt: Mit Hilfe des Systems kann man exakter als bisher gut- und bösartige Veränderungen des Gewebes erkennen", hebt Loch hervor. Mittlerweile wird das System zu einem Netzwerk ausgebaut, an dem sich auch niedergelassene Urologen beteiligen. Der Ausbau wurde als Leitprojekt von der Gesundheitsinitiative des Landes Schleswig-Holstein gefördert.
Bei rechtzeitiger Behandlung können fast alle Betroffenen geheilt werden
So erschreckend die Diagnose Prostatakrebs ist, bei rechtzeitiger Behandlung können fast alle Patienten geheilt werden. Deshalb sei Vorsorge so wichtig. Prof. Loch: "Ist der Prostatakrebs zum Zeitpunkt der Diagnose bereits zu weit fortgeschritten, also wenn er über das Organ hinausgewachsen ist oder bereits Lymphknoten- und Knochenmetastasen gesetzt hat, kann nur noch eine verzögernde Behandlung über eine Hormon- oder eine Chemotherapie angeboten werden."
An der Aktion "111 mutige Männer zwischen den Meeren" nehmen neben der Klinik für Urologie der Diako folgende Urologenpraxen teil: Uro Praxis Nord in Flensburg und Husum (Dr. Karl-Henrik Hoffmeyer, Dr. Christian Wegener und Dr. Jörg Fuhrberg), Dr. Sylvio Löhndorf (Flensburg), Heinrich Rodewald (Flensburg), Joachim Wiegel (Flensburg), Annemie Loch (Westerland) und Ingo Tesch (Niebüll).
Im Anschluss an die Veranstaltung kann man sich in den Urologenpraxen und der Urologischen Klinik der DIAKO in die Listen eintragen.

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