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Achterbahn-Wetter : Erkältungen und Grippewelle: Vorsicht, wenn es warm wird

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Wenn das Wetter verrückt spielt und die Temperaturen zwischen großer Kälte und frühlingshafter Wärme schwanken, ist das Stress für Körper und Geist. Was macht das Achterbahnwetter mit uns?

shz.de von
erstellt am 24.Jan.2016 | 07:00 Uhr

Flensburg | Dieser Winter ist ein unzuverlässiger Gesell: Erst bescheren uns die milden Temperaturen im Dezember herbstliche Weihnacht, dann zieht große Kälte mit Temperaturen von bis zu minus zehn Grad übers Land und an diesem Wochenende klettert das Thermometer wieder auf Plusgrade, die als Frühlingsvorboten gedeutet werden könnten.

Fährt das Wetter Achterbahn, sind Körper und Geist gestresst. „Mit den Temperaturschwankungen steigen die Anforderungen an den Organismus“, weiß Angelika Grätz, Medizin-Meteorologin beim Deutschen Wetterdienst. Wenn es draußen kalt ist, passt sich der Körper an: „Die äußeren Blutgefäße werden eng gestellt, das Blut verlagert sich ins Körperinnere und der Blutdruck steigt.“ Eine lebensnotwendige Reaktion, muss die Temperatur im Körperkern um die 37 Grad Celsius liegen.

Steigen die Temperaturen, kehrt sich dieser Prozess um: das Blut wird wieder in die Peripherie transportiert und der Blutdruck senkt sich. Die Folge: „Man wird schlapp und schneller müde“, erklärt Grätz. „Das ist derselbe Effekt, wie wenn man vom Kalten ins Warme kommt: Der Organismus schlafft erst einmal ab.“ Abgeschlagenheit, Müdigkeit, Kreislaufbeschwerden oder Kopfschmerzen können kurzfristige Folgen eines solchen Wetterumschwungs sein. Der niedrige Blutdruck müsse ausgeglichen werden. „Das dauert eine Weile“, sagt Grätz. Was den Körper stresst, geht auch an der Seele nicht spurlos vorbei. „Der Körper zieht die Psyche mit“, erklärt Grätz. Lustlosigkeit oder eine leichte Melancholie können Folgen sein.

Mit den wärmeren Temperaturen steigt zudem das Risiko für Atemwegserkrankungen. Der Grund: Meist wird es nicht nur warm, sondern auch feucht. Ideale Bedingungen für Krankheitserreger. „Außerdem ist der Körper vorbelastet, weil er zuvor kalter Luft ausgesetzt war“, sagt Angelika Grätz. Atemwege und Immunsystem sind strapaziert, die Immunabwehr ist eingeschränkt und der Körper geschwächt. Leichtes Spiel für Husten, Schnupfen, Heiserkeit.

Die trockene Heizungsluft in vielen Räumen schüre diese Anfälligkeit zusätzlich, sagt der Flensburger Hals-Nasen-Ohren-Arzt Dr. Sönke Asmuss. Die Schleimhäute sind ausgetrocknet und deshalb anfälliger. Aus diesem Grund kann sich der Facharzt bei diesen kühlen Temperaturen auch nicht über einen mangelnden Patientenzulauf beschweren. „Insbesondere die schweren Infektionen nehmen zu“, berichtet Asmuss und meint damit Lungen- und Nasennebenhöhlenentzündungen oder Keuchhusten.

Die Zahl der Atemwegsinfektionen ist in dieser Woche nach Angaben des Robert-Koch-Instituts (RKI) zwar gesunken, die Erkrankungen sind immer öfter aber auf Grippeviren zurückzuführen, berichtet die Arbeitsgemeinschaft Influenza (AGI) am RKI. Eine Grippewelle scheint demnach im Anmarsch. Laut RKI hat sie in den vergangenen Jahren meist im Januar begonnen und bis in den März und April hinein angedauert.

Unabhängig davon seien Temperaturschwankungen zwar immer ein immunologischer Reiz, bestätigt auch Sönke Asmuss. Dennoch: Der HNO-Arzt rechnet damit, dass es in der kommenden Woche in seinem Wartezimmer wieder leerer wird. Ein Anstieg von 15 Grad wie er dem Land in diesen Tagen widerfahren soll, hält er für zu moderat.

Was aber tun, wenn das Wetter Achterbahn fährt? „Wechselwarme Aktivitäten wie Sauna, Winterspaziergänge oder moderater Ausdauersport – auch während der Kaltphase“, empfiehlt Angelika Grätz. Abhärtung ist das Zauberwort. Soll heißen: „Sich aktiv den Wetterreizen aussetzen, um einen gewissen Trainingseffekt zu erzielen.“ Das fördere die Durchblutung.

Nach der Bewegung sollte sich jedoch wieder geschont werden. Vor zu großer Motivation warnt Grätz: „Man sollte sich nicht überanstrengen.“ Dies gelte gerade für ältere Menschen, deren Immunabwehr ohnehin geschwächt sei. „Ihr Organismus ist nicht mehr so anpassungsfähig wie er es bei Wetterumschwüngen aber sein sollte.“

Was tun, wenn das Wetter Achterbahn fährt

Wechselwarme Aktivitäten

Allgemeine Hygiene-Tipps

  • – Sauna
  • – Kneippsche Anwendungen
  • – Fußbäder
  • – Winterspaziergänge
  • – Moderater Ausdauersport
  • – Händewaschen
  • – Hygienisch Husten - in die Armbeuge, nicht in die Hände
  • – Bei Krankheit zuhause bleiben
  • – Krankheit erkennen, gesund werden, Familienmitglieder schützen
  • – Regelmäßig lüften
  • – Viel Trinken, um die Schleimhäute zu befeuchten
  • – Ausgewogene und vitaminreiche Ernährung
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