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Pflegekräfte aus dem Ausland : Die neuen Gastarbeiter: Pflege rund um die Uhr

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Optimal und legal: Spezielle Berater helfen bei der Suche einer ausländischen Betreuung.

shz.de von
erstellt am 29.Aug.2014 | 16:30 Uhr

Berlin | Viele Pflegebedürftige leben allein in ihrem Haus. Zwar kommt zu vereinbarten Zeiten der ambulante Pflegedienst. Doch irgendwann reicht das nicht mehr. Weil der Wunsch groß ist, auch im hohen Alter in den eigenen vier Wänden zu bleiben, überlegen viele Senioren und deren Familien, eine Pflegerin zu engagieren. Doch das ist kein leichtes Unterfangen. Die Zahl der Pflegebedürftigen wächst rapide, während gleichzeitig immer weniger junge Menschen den Beruf erlernen wollen. Schon jetzt herrscht akuter Personalmangel.

Viele Senioren suchen deshalb eine Pflegekraft aus dem Ausland, dabei sind jedoch einige Besonderheiten zu beachten. Gemeinsam mit einem Pflegeberater sollte man deshalb herausfinden, welche Variante der Betreuung für den Betroffenen und seine Angehörigen optimal und vor allem legal ist. Fachkundigen Rat erhalten gesetzlich Versicherte bei ihrer Pflegekasse oder einem Pflegestützpunkt, privat Versicherte bei der bundesweit agierenden Compass-Pflegeberatung.

Der Pflegebedürftige wird zum Arbeitgeber

Die seit 2011 geltende Arbeitnehmerfreizügigkeit der EU erlaubt es, dass beispielsweise Helfer aus Estland, Lettland, Litauen, Polen, der Slowakei, Tschechien oder Ungarn in Kooperation mit europäischen Arbeitsvermittlungen deutsche Pflegebedürftige beaufsichtigen, ihnen bei der Grundpflege helfen und teilweise auch hauswirtschaftliche Tätigkeiten übernehmen. Falls erwünscht, kann die Hilfskraft auch im Haus des Pflegebedürftigen wohnen.

Eine separate Arbeitserlaubnis ist nicht erforderlich. Der Pflegebedürftige oder ein Angehöriger schließt einen Arbeitsvertrag mit der ausländischen Hilfskraft ab und wird damit zum Arbeitgeber mit allen Rechten und Pflichten.

Zu den Pflichten: Es sind unter anderem Lohnsteuer und Beiträge für die Sozialversicherung abzuführen, die Regeln des Arbeitsschutzes einzuhalten und ein branchenüblicher Lohn zu bezahlen. Arbeitszeit- und Urlaubsregeln sind ebenso einzuhalten.

Zu den Rechten: Der Pflegebedürftige als Arbeitgeber kann mit seinem Pflegepersonal aushandeln, wann welche Aufgaben in welcher Form erledigt werden sollen.
 

Auslandsdienst entsendet Hilfskraft

Es ist auch möglich, einen osteuropäischen Pflegedienst in Anspruch zu nehmen, der eine Mitarbeiterin nach Deutschland entsendet. Sie bleibt Angestellte des ausländischen Pflegedienstes, der Arbeitszeiten, Urlaub und Leistungsumfang festlegt, für Lohn und Sozialabgaben zuständig ist und Weisungsrecht hat. Der deutsche Haushalt muss seine Pflichten hinsichtlich der Arbeitsbedingungen erfüllen. Wer sich für diese Variante entscheidet, sollte sich vom ausländischen Dienst unbedingt bescheinigen lassen, dass für die Pflegekraft eine Sozialversicherung in ihrem Heimatland besteht. Inzwischen gibt es auch Vermittlungsagenturen in Deutschland, die mit Entsendeunternehmen zusammenarbeiten. Da Leistungsumfang und Vermittlungsgebühren unterschiedlich sind, ist es empfehlenswert, die Angebote mehrerer Agenturen miteinander zu vergleichen. Pflegeberater haben unter anderem eine Liste der Agenturen parat.


Grenzüberschreitend Selbstständige

Es gibt auch ausländische Pflege- und Betreuungskräfte, die ihre Dienste als Selbstständige anbieten. Hier vermittelt niemand, und man muss das Risiko der Scheinselbstständigkeit bedenken – wenn die betreffende Person im Haushalt des Pflegebedürftigen lebt und nur ihn betreut. Fliegt so etwas auf, müssen Beiträge und Steuern nachgezahlt, und es kann Bußgeld verhängt werden.

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