Wohl dem, der keine Konzerne hat

Je größer die Firma, desto gefährdeter der Job?

Nach Motorola, Sauer und Danfoss ist die bange Frage im Norden: Wo schlägt es das nächste Mal ein?

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01. Juni 2009, 01:02 Uhr

Für Flensburg, seit Jahr und Tag Schleswig-Holsteins Exportstandort Nummer 1, ist es zuletzt ganz dicke gekommen: Das Aus für das Handy-Werk von Motorola, wo zu Boom-Zeiten im Jahr 2000 mehr als 3000 Leute sieben Tage und 24 Stunden Telefone montierten und seit April 2007 fast 1100 Jobs verlorengingen. Das Sterben auf Raten bei Danfoss, wo sich die Beschäftigtenzahl seit 2006 bereits von 1450 halbierte - und jetzt, wenn es gut läuft, 200 Entwickler bleiben sollen. Und kaum noch Hoffnung gibt es auch für das Beiersdorfer Tesa-Werk im Vorort Harrislee: 53 weitere Arbeitsplätze wären weg.
So stieg Flensburg bei den Arbeitslosenzahlen vom Primus unter den kreisfreien Städten – zusammen mit Neumünster – zum Schlusslicht ab. Während die Arbeitslosenquote Kiels seit Mai 2008 von 11,7 auf 10,8 Prozent sank, kletterte sie in Flensburg von 11,4 auf heute fast 13 Prozent. Die Danfoss-Leute natürlich nicht mitgezählt. Von der letzten und vorletzten Job-Abbau-Runde sind noch rund 200 Mitarbeiter in der Transfergesellschaft. Bei Motorola sind es sogar noch 479.
Die bange Frage: Wo trifft es wen in Schleswig-Holstein als nächstes? Der Eckernförder Waffenherstellers Sauer & Sohn strich Anfang April 290 Jobs. Gut möglich, dass eine Werft im Land de nächste ist – diesmal allerdings nicht in Flensburg, wo es bei der FSG noch Aufträge für vier Jahre gibt.
Und was tut Wirtschaftsmininister Jörn Biel? Stellt sich nach einer Kurzinformation im Danfoss-Werk vor die Medien und sagt: "Da ist nicht mehr viel zu machen." Immerhin hat er für Mitte Juni noch einen Termin in der dänischen Konzernzentrale in Nordburg durchgesetzt – gemeinsam mit Danfoss Betriebsrat Bernd Andresen und Flensburgs OB Klaus Tscheuschner. Die Stadt ist auf das Danfoss-Management aber auch nicht mehr so gut zu sprechen. Noch im Januar hatte sich Tscheuschners Wirtschaftsförderer Klaus Matthiesen nach dem vorletzten Jobabbau von Danfoss ins Bild setzen lassen – und Vorab-Information für den Fall einer weiteren Verschlechterung verabredet. Vom Aus für die Kompressoren-Fertigung erfuhr Matthiesen dann zeitgleich mit der Presse. Er schimpft: "Es gab für uns keine Hinweise."

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