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Flexibilität ist Trumpf : Wie werde ich Hotelfachmann/-frau?

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Ohne Leidenschaft geht es nicht: Wer Hotelfachmann wird, muss von Herzen Gastgeber sein wollen. Denn die Ausbildung hat oft schwierige Arbeitszeiten und wird nicht übermäßig gut bezahlt. Im Gegenzug gibt es bei der Arbeit «am Gast» jede Menge Abwechslung.

shz.de von
erstellt am 14.Aug.2017 | 04:54 Uhr

Henry Grote hat die Augen überall. Ist die Serviette richtig gefaltet? Liegt das Silberbesteck an der korrekten Stelle? Braucht ein Gast Hilfe? Der 22-Jährige wird Hotelfachmann.

Henry Grote ist in seinem letzten Lehrjahr im Hamburger Traditionshotel «Atlantic», das vom Kempinski-Konzern gemanagt wird. «Mir macht es Spaß, mich um die Gäste zu kümmern», sagt der gebürtige Westfale.

Nach seinem Abitur ging er zunächst ein Jahr nach Florida und arbeitet dort im Disney-Park Epcot. Das war die ideale Vorbereitung auf seinen heutigen Job: «Wir sind immer auf der Suche nach Charakteren für unser Haus, Persönlichkeiten mit Ecken und Kanten», sagt Sophia Funk, die Personalchefin des «Atlantic».

Angehende Hotelfachleute müssten sich nicht zwingend direkt nach der Schule in die Ausbildung stürzen, sagt sie. Wer sich erstmal aufmacht um die Welt zu bereisen, ein soziales Jahr einlegt oder sich woanders engagiert, kann sich danach noch immer bewerben. «Denn so tut man etwas für die Fähigkeiten, mit Menschen umzugehen und für Menschen da zu sein», sagt Funk.

Schichtarbeit, regelmäßiger Dienst am Wochenende und die Pflicht, immer freundlich zu sein: Für die Hotellerie wird es aufgrund solcher Bedingungen immer schwieriger, gute Azubis zu finden. Und bezahlt wird die Ausbildung auch nur mittelmäßig, wie Zahlen des Deutschen Industrie- und Handelskammertages belegen: 672 Euro verdienen Azubis demnach im Westen im ersten Jahr durchschnittlich, 572 Euro im Osten. Im dritten Jahr sind es 862 beziehungsweise 728 Euro. Im «Atlantic» beginnen die Azubis mit 710 Euro, im letzten Lehrjahr gibt es 900 Euro.

Allerdings: Verpflegt werden die Azubis oft in ihrem Hotel, auch gibt es Mitarbeiterunterkünfte. «Sonst wäre es gerade in den großen Städten und den beliebten Urlaubsorten schwierig», so Sandra Warden. Sie ist Geschäftsführerin beim Bundesverband des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes und zuständig für die Ausbildung.

36 Monate dauert der Weg zum fertigen Hotelfachmann im Regelfall. Im Hotel muss jeder Azubi alles machen, sowohl im operativen als auch im administrativen Bereich. Grote arbeitet am liebsten direkt «am Gast», wie das in der Branche heißt. Trotzdem hat er «auf der Etage» auch Betten gemacht und Zimmer geputzt.

Außerdem hat Grote in der Frühstücksküche das Essen zubereitet, in der Warenwirtschaft gearbeitet, bei der Planung von großen Konferenzen geholfen und bei Banketten bedient. Vertrieb, Marketing, Veranstaltungsverkauf, der Empfang und der Gästeservice standen ebenfalls auf seiner Liste. Und einen Monat lang war er in Frankfurt in zwei anderen Kempinski-Hotels.

Das sei ein Vorteil, wenn Azubis bei einem internationalen Unternehmen oder einem Kettenhotel arbeiten, sagt Warden. Dennoch sei die eine Ausbildung nicht zwangsläufig besser als die andere: «Es gibt inhabergeführte Hotels, in denen die Auszubildenden fast schon zur Familie gehören und eine hervorragende Schule durchlaufen.»

Urlaubs- oder Businesshotel, ein Haus, das viele Veranstaltungen ausrichtet oder eines, das sich ganz auf Familien konzentriert: Ausbildungsmöglichkeiten gibt es überall, aber Hotel und Azubi sollten zusammenpassen. Ein bestimmter Schulabschluss ist dabei nicht vorgeschrieben.

Trotzdem sind rund 30 Prozent der 20 000 Auszubildenden im Hotelfach Abiturienten. Dennoch komme es viel mehr auf die Soft Skills an als auf Deutsch- und Mathenoten, sagt Warden. «Aufgeschlossenheit, Zuverlässigkeit, Flexibilität, Organisationstalent, sprachliche Fähigkeiten, Mobilität - das sind alles Dinge, die wichtig sind.»

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