Rund um die Urlaubsregelung : Wie man den Urlaubsanspruch berechnet und welche Regelung Konflikte im Team vermeidet

<p>Nur bei vier Prozent der Arbeitnehmer entsprach 2016 der Jahresurlaub dem Mindesturlaub. Alle anderen hatten mehr Tage, als sie laut dem Gesetz mindestens haben müssten.</p>

Nur bei vier Prozent der Arbeitnehmer entsprach 2016 der Jahresurlaub dem Mindesturlaub. Alle anderen hatten mehr Tage, als sie laut dem Gesetz mindestens haben müssten.

Bevor es endlich in den Urlaub geht, muss dieser erst einmal genommen werden. Obwohl der Arbeitnehmer seinen Urlaub selber terminieren darf, hat dennoch der Arbeitgeber das letzte Wort.

<p>Lisa-Marie Spring</p> von
10. Oktober 2018, 04:23 Uhr

Im Urlaub hat man die Zeit zu verreisen, dem Alltag zu entfliehen und sich Dingen zu widmen, für die sonst die Zeit fehlt. Er dient der Erholung und ist, wie sich in vielen Studien zeigt, gut für die Gesundheit. Laut dem Gesetz stehen dem Arbeitnehmer vier Wochen Mindesturlaub zu. Jemand, der einen Tag pro Woche arbeitet, nimmt sich für vier komplett freie Wochen vier Tage Urlaub und jemand, der sechs Tage pro Woche arbeitet, nimmt sich für die gleiche Länge 24 Tage.
Dem Arbeitnehmer mit der klassischen 5-Tage-Woche stehen demnach 20 Urlaubstage im Jahr zu. Jugendlichen stehen je nach Alter zwischen 25 und 30 Tagen zu und Schwerbehinderten fünf zusätzliche Tage. Entgegen vieler Gerüchte spielt es keine Rolle wie viele Stunden jemand pro Tag arbeitet.

Der Teilurlaubsanspruch und wem er zusteht

Eine Besonderheit ist der Teilurlaubsanspruch. Wie der Name schon sagt, hat der Arbeitnehmer nur auf einen Teil der ihm eigentlich zustehenden Urlaubstage Anspruch. Dies ist zum Beispiel der Fall, wenn er noch keine sechs Monate im Unternehmen ist. In Fällen, wo monatsgenau gerechnet werden muss, greift das Zwölftelungsprinzip: Der reguläre Jahresurlaub wird durch zwölf geteilt und mit der Anzahl der Monate, in denen der Arbeitnehmer im Unternehmen tätig ist, multipliziert. Ist das Ergebnis eine Dezimalzahl, wird, wenn die erste Nachkommastelle kleiner als fünf ist, abgerundet und ab fünf aufgerundet. Anspruch auf den vollen Jahresurlaub haben auch die Arbeitnehmer, die erst ab der zweiten Jahreshälfte aus dem Unternehmen ausscheiden. Sie können sich ihren Urlaub dann sogar auszahlen lassen.

<p>Die Urlaubsregelung sollte möglichst familienfreundlich sein.</p>
Pixabay

Die Urlaubsregelung sollte möglichst familienfreundlich sein.

 

Weshalb der Urlaubsantrag abgelehnt werden kann

Damit der Urlaub seinen Erholungszweck erfüllen kann, ist es gesetzlich vorgeschrieben, dass der Arbeitnehmer sich einmal im Jahr mindestens zwölf Werktage am Stück freinehmen muss und die restlichen Urlaubstage sinnvoll auf das Jahr verteilt. Er darf zwar selber entscheiden, wann er sich seinen Urlaub nimmt, das letzte Wort hat dennoch der Arbeitgeber. Dieser darf den Urlaubsantrag aus betrieblichen Gründen ablehnen, aber nur in einem angemessenen Rahmen – also nicht dauerhaft. Entscheidend sind auch die anderen Urlaubsanträge aus dem Kollegium. Diese sind bekanntlich nicht immer miteinander vereinbar. Das ist aber kein Grund für schlechtes Arbeitsklima, denn wer wann seinen Urlaub erhält, ist (meistens) klar geregelt. Wichtige Faktoren sind:

  • Alter und Gesundheitszustand des Arbeitnehmers
  • Dauer der Betriebszugehörigkeit
  • das Bedürfnis nach Erholung
  • der Familienstand
  • Urlaubsplanung des Partners
  • Alter und Anzahl der Kinder
  • die Urlaubsregelung der letzten Jahre

Demnach wird der Antrag des Familienvaters, dessen Frau als Lehrerin nur in den Schulferien Urlaub hat, für Urlaub während der Sommerferien eher genehmigt als der des ledigen, jüngeren Neulings.

Im Urlaub den Urlaub verlängern

Rechtlich gültig ist ein genehmigter Urlaubsantrag nur unterschrieben in schriftlicher Form. Und dieser sollte unbedingt vorliegen, bevor man als Arbeitnehmer in den Urlaub geht. Ist der Arbeitgeber nämlich nicht offiziell damit einverstanden, ist das Fernbleiben vom Arbeitsplatz ein Kündigungsgrund. Apropos Kündigungsgrund, wer sich kurzfristig zum Ende seines Urlaubs dazu entscheidet, diesen einfach zu verlängern und dies dann ohne offizielle Erlaubnis tut, riskiert ebenfalls, dass der Arbeitgeber einen fristlos in den unbezahlten Urlaub ohne Wiederkehr schickt, also kündigt.

Reise gebucht, Urlaubsantrag abgelehnt

Prekär wird es dann, wenn der Arbeitnehmer eine Reise gebucht hat und der Arbeitgeber den gewünschten Urlaub nicht gewährt. Wurde der Urlaubsantrag aus nachvollziehbaren Gründen abgelehnt, muss der Arbeitnehmer die Reise stornieren. Andernfalls hilft oftmals ein klärendes Gespräch. Wurde der Urlaub aber bereits genehmigt, muss der Arbeitgeber schwerwiegende betriebliche Gründe vorweisen können und außerdem die Stornierung der Reise bezahlen. Bucht der Arbeitnehmer seinen Urlaub um auf einen Zeitpunkt, wo dieser mehr kostet, muss der Arbeitgeber die Differenz erstatten.
 

(Mit ARAG-Presseservice)

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