Arbeitsrecht : Wenn eine Erkältung kommt - das sollte man als Arbeitnehmer wissen

Attest, Abmeldung, Genesung - wer wegen einer Erkältung nicht zur Arbeit kommen kann, sollte verschiedene Aspekte wissen und abwägen.

shz.de von
31. Dezember 2017, 04:12 Uhr

Husten, Halsweh und Schnupfen sind im Winter omnipräsent. Doch ab wann ist eine Erkältung ein Grund, lieber zu Hause zu bleiben als ins Büro zu gehen? Wie schnell muss die Krankschreibung auf dem Schreibtisch vom Chef liegen? Und was ist, wenn Angestellte sich früher fit fühlen als die Krankmeldung vorschreibt? Diese wichtigen Fragen und Antworten zum Thema Krankenstand:

Sollte man sich bei einer Erkältung krankmelden?

Nicht jede verstopfte Nase muss gleich zu einer Krankschreibung führen. Nicht jedes Kratzen im Hals erfordert strenge Bettruhe. Allerdings raten Ärzte und Arbeitsrechtler, dass man besser ein paar Tage zu Hause bleibt, bevor man den halben Betrieb durch Ansteckung lahmlegt.

Überall lauern die fiesen Erreger und ehe man sichs versieht ist die Erkältung im Anmarsch. Foto: Fotolia
Überall lauern die fiesen Erreger und ehe man sichs versieht ist die Erkältung im Anmarsch. Foto: Fotolia



Wann muss ich dem Chef sagen, dass ich nicht komme?

Damit der Chef ohne den erkrankten Mitarbeiter den Tagesbetrieb planen kann, sollte sich dieser so früh wie möglich in der Firma abmelden. Die genaue Uhrzeit, bis wann das zu passieren hat, ist im Entgeltfortzahlungsgesetz (EntFG) zwar nicht geregelt, wohl aber, dass er es „unverzüglich“ tun und zudem ankündigen muss, für wie lange er wohl ausfallen wird. Dies kann er zunächst telefonisch, per E-Mail, SMS, Messenger-Nachricht oder Fax erledigen. Wer also um acht Uhr Arbeitsbeginn hat, sollte auch bis spätestens dahin die Firma oder den Chef informiert haben.

Ab wann muss ein Attest vorgelegt werden?

Ab dem wievielten Krankheitstag ein ärztliches Attest dem Chef vorliegen muss, ist von Betrieb zu Betrieb unterschiedlich geregelt und meist im jeweiligen Arbeitsvertrag oder der Betriebsvereinbarung nachzulesen. Ist ein Arbeitnehmer arbeitsunfähig erkrankt, muss er meist nach drei Kalendertagen eine ärztliche Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung vorlegen. Der Arbeitgeber ist allerdings berechtigt, die Vorlage ohne besonderen Anlass früher zu verlangen - unter der Voraussetzung, dass es keine anderslautenden Vereinbarungen oder Verträge gibt.

Junge Beschäftigte sind häufiger krankgeschrieben - ältere Arbeitnehmer fehlen wiederum länger.
Foto: Arno Burgi
Junge Beschäftigte sind häufiger krankgeschrieben - ältere Arbeitnehmer fehlen wiederum länger.



Darf man ohne Attest „krankfeiern“?

Besser nicht! Die Attestpflicht sollte unbedingt wahrgenommen werden. Denn Arbeitnehmer, die dies versäumen, müssen mit einer vorübergehenden Einstellung der Entgeltfortzahlung (§ 7 EntFG) rechnen. Das heißt auf gut Deutsch: Keine Arbeit – kein Gehalt. Außerdem droht eine Abmahnung und im Wiederholungsfall sogar die Kündigung.

Was, wenn ich schneller als erwartet gesund werde?

Manchmal tritt die Genesung schneller ein als angenommen. Dann kann und will man eigentlich schon wieder arbeiten, doch das Attest läuft noch drei Tage? Oft ist es empfehlenswert, sich an diesen Tagen vollständig auszukurieren. Will der Arbeitnehmer jedoch unbedingt wieder arbeiten, steht dem im Normalfall nichts im Wege. Entgegen landläufiger Meinungen bedeutet die Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung kein Arbeitsverbot.

Auch der Versicherungsschutz in der gesetzlichen Kranken- und Unfallversicherung besteht grundsätzlich weiter. Ausnahmen sind jedoch denkbar – etwa wenn der Arbeitnehmer in Wahrheit doch noch beeinträchtigt ist und dadurch einen Unfall erleidet, oder wenn es sich um eine besonders gefährliche Tätigkeit handelt. Zu empfehlen ist im Zweifelsfall eine Gesundschreibung durch den Arzt. Wichtig ist auch eine Absprache mit dem Arbeitgeber. Diesem sollte die vorzeitige Arbeitsaufnahme angekündigt werden, damit ein möglicher Unfall auf dem ersten Weg zur Arbeit auch als Wegeunfall versichert ist.

Quelle: ARAG-Presserservice

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