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Beruf & Karriere

23. Oktober 2017 | 10:26 Uhr

Weltmeister suchen Nachfolger

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Das deutsche Bäckerhandwerk hat große Probleme, genügend Jugendliche für den Beruf zu begeistern

shz.de von
erstellt am 14.Dez.2013 | 05:42 Uhr

Er gehört zu den ältesten und wichtigsten Berufen im Bereich Lebensmittel überhaupt. Ein Leben ohne Bäcker und seine Produkte ist kaum vorstellbar. Und trotzdem ist es zunehmend schwierig geworden, genügend Jugendliche für das traditionsreiche Bäckerhandwerk zu begeistern.

Dabei ist Deutschland „das Land des Brotes“, wie Heinz Essel, Geschäftsführer beim Landesinnungsverband des Bäckerhandwerks in Rellingen, betont. Und das zu Recht, meint Essel, denn mit einem Angebot von mehr als 300 Sorten Brot und 1200 Sorten Kleingebäck hat unser Land eine Vielfalt zu bieten, wie es sie sonst nirgends auf der Welt gibt. Deutsche Bäcker sind sozusagen Weltmeister. Diese Angebotsvielfalt ist den rund 15 000 „handwerklichen Bäckereien“ zu verdanken, die – anders als Industriebäckereien – ihre Backwaren nach traditionellen Rezepturen und Verfahren frisch herstellen. Noch 260 Handwerksbäcker backen in Schleswig-Holstein, so Essel. Welcher qualitätsbewusste Verbraucher wollte schon auf sie verzichten?

Doch die Herausforderungen für die kleinen und mittleren Bäckereibetriebe sind groß. Das fängt beim Nachwuchs an und hört bei Konkurrenz durch Discounter-Backstationen mit billiger Ware aus deutschen oder polnischen Fabriken nicht auf. „Die Lehrlingszahlen im Bäckerhandwerk sinken beständig“, bedauert Heinz Essel. Zwar ist es generell für das Handwerk ein Problem, geeignete Lehrlinge einzustellen – im Bäckerhandwerk ist es aber besonders problematisch. „Dieser Beruf ist recht anspruchsvoll und durch eher ungewöhnliche Arbeitszeiten gekennzeichnet. Wir müssen künftig auch die weniger starken Bewerber berücksichtigen und sie ausbildungsreif machen“, meint Essel.

Damit spricht er ein Problem an, das beispielsweise die Betreiber der Stadtbäckerei Hagge in Schleswig, das Ehepaar Horst und Frauke Vorphal, seit acht Jahren umtreibt. Seit dieser Zeit nämlich hat die Bäckerei mit ihren vier Filialen, fünf Bäckern und 21 Fachverkäuferinnen keinen passenden Lehrling gefunden. „Wir sind froh, über eine gut ausgebildete, motivierte Stammbesatzung, darunter einige junge Gesellen, zu verfügen, so dass wir noch gut über die Runden kommen,“ betont Chefin Frauke Vorphal. Trotzdem würde sie einen passenden Auszubildenden „sofort“ einstellen.

Sie ist mit diesem Wunsch nicht allein. „In Schleswig-Holstein werden derzeit mindestens 50 Bäcker-Azubis gesucht“, berichtet Innungsverbands-Geschäftsführer Essel. Keinen Zweifel hat er an der guten Zukunft des Bäcker-Berufs. „Zwar schließen in Deutschland jedes Jahr bis zu 500 kleinere Bäckereien, jedoch wird vieles davon durch traditionelle Betriebe mit Filialgeschäften aufgefangen.“ Zudem sei der Bäcker-Beruf attraktiv, kreativ und durch die Arbeit zu ungünstigen Zeiten mit Nachtzuschlägen relativ gut bezahlt. Interessenten sollten über eine gute Gesundheit verfügen, ein Händchen für’s Handwerk haben, mit Mathematik etwas anfangen können, zuverlässig und pünktlich sein.

Fest an die Zukunft der traditionellen Handwerksbäcker glaubt auch Frauke Vorphal: „Den Betrieb werden wir bald in die Hände unseres Sohnes Tim übergeben.“ Und mit Blick auf die industrielle Konkurrenz fügt sie zwinkernd an: „Wir setzten auch auf das wachsende Qualitätsbewusstsein des Verbrauchers.“

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