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Warum MINT im Norden nicht gelingt

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Schleswig-Holstein gehört bei den zukunftsweisenden Studienfächern zu den absoluten Schlusslichtern in Deutschland

Es sind Disziplinen mit hoher wirtschaftlicher Verwertbarkeit: Mathematik, Informatik, Natur- und Technikwissenschaften – kurz die MINT-Fächer. Innovative Unternehmen beschäftigen einen überdurchschnittlich hohen Anteil von MINT-Akademikern. Die umsatzstärksten und exportorientierten Industriezweige in Deutschland – Maschinenbau, Elektrotechnik und Fahrzeugbau – benötigen MINT-Fachkräfte, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Und die Digitalisierung der Wirtschaft macht MINT-Kompetenzen in der Zukunft besonders wertvoll.

Umso erschreckender das Ergebnis des jüngst veröffentlichten Länderchecks des Stifterverbandes für die Deutsche Wissenschaft: Trotz des Wissens auch hier im Lande um die Bedeutung der Ingenieurwissenschaften für die Zukunftsfähigkeit des Industriestandortes Deutschland, schnitt Schleswig-Holstein wieder einmal unterdurchschnittlich ab. Die Studie untersucht, wie viele zukünftige akademische MINT-Fachkräfte die Hochschulen in den Bundesländern ausbilden, wie viel Personal sie dafür zur Verfügung stellen und wie gut sie die Diversität der Studierenden voranbringen.

An den Hochschulen der Republik haben die MINT-Fächer in den vergangenen fünf Jahren wieder an Beliebtheit gewonnen. Die Zahl der Absolventen und Absolventinnen in den Ingenieurwissenschaften erhöhte sich beispielsweise um fast die Hälfte. Ein allgemeiner Fachkräftemangel in diesem Bereich, wie er noch vor einigen Jahren befürchtet wurde, droht nicht mehr. Auch die Zahl der Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen in Lehre und Forschung hat zugenommen. Der Großteil der MINT-Fächer wird an den Fachhochschulen angeboten, der Anteil der Studienplätze in Schleswig-Holstein ist allerdings unterrepräsentiert. Im Gegensatz zu anderen Bundesländern wird die Stärkung der Fachhochschulen und der MINT-Fächer hier im Lande zwar postuliert, zusätzliche Ressourcenausstattungen und strukturelle Benachteiligungen werden jedoch nicht nachhaltig aufgelöst. Zukunftsfähigkeit sieht anders aus.

Dabei haben sich die Fachhochschulen von der Ingenieurschule der 1970er Jahre weiterentwickelt zu international anerkannten Hochschulen. Unsere Lehre zeichnet sich durch Praxisnähe und Anwendungsorientierung aus. Seminaristischer Unterricht und Laborpraktika in Kleingruppen stellen wichtige Profilelemente einer FH dar. Unsere Absolventen und Absolventinnen sind in allen Unternehmensebenen, bis zu Vorstandsvorsitzenden von Großunternehmen, vertreten. Wir praktizieren „Aufstieg durch Bildung“ seit Jahrzehnten erfolgreich, so dass sich unsere Studierenden gut auf die berufliche Praxis vorbereitet fühlen – und sie haben tatsächlich sehr gute Jobaussichten.

Gleichwohl verzeichnet der Hochschultyp „Fachhochschule“ eine strukturelle Benachteiligung, die, so scheint es, mehr von Statusfragen und weniger vom Leistungsvermögen bestimmt wird. So hat der Jurist und Wissenschaftspolitiker Georg Turner kürzlich im „Tagesspiegel“ geschrieben: „Große praxisnahe Fachhochschulen wären besser gewesen, als der Ausbau von Massen-Universitäten… . Es ist nun müßig, darüber nachzudenken, ob man vorhandene Kapazitäten von den Universitäten an die Fachhochschulen verlagern kann. Das Beamtenrecht steht dem entgegen.“

Gemeinsam haben die Präsidien der schleswig-holsteinischen Fachhochschulen aus Kiel, Lübeck, Flensburg und Heide die Politik in einem Memorandum aufgefordert, dieses strukturelle Defizit abzubauen, etwa mit Blick auf den Masterabschluss, der an der Uni Regelfall, an der FHs eher die Ausnahme ist: Die Fachhochschulen müssen so mit Ressourcen ausgestattet werden, dass alle leistungsfähigen FH-Studierenden nach dem Regelabschluss Bachelor einen Master erwerben können.

Der Abbau der Benachteiligungen darf jedoch nicht bedeuten, die Fachhochschulen den Universitäten anzugleichen, wie Turner gewarnt hatte. Er verdient Zustimmung, wenn er schreibt: „Der noch bestehende oder vermeintliche Vorzug der Fachhochschulen, dass sie eine praxisorientierte Ausbildung anbieten, ginge verloren.“

http://www.laendercheck-wissenschaft.de/mint/



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erstellt am 18.Apr.2015 | 03:32 Uhr

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