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Warum Belastungsmanagement Führungsaufgabe ist

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

shz.de von
erstellt am 20.Sep.2014 | 04:37 Uhr

Seit geraumer Zeit liest man von steigenden Zahlen bei psychischen Erkrankungen und damit verbundenen langen Ausfallzeiten betroffener Mitarbeiter sowie erhöhten Kosten in den Unternehmen. Doch wie reagieren die Unternehmen hierauf? Zu wenig spezifisch offenbar. Denn die Kompetenz, psychische Belastungen und Überlastung von Mitarbeitern rechtzeitig wahrzunehmen und durch einen professionellen, präventiven Umgang abzumildern, wird in kaum einer Fortbildung für Führungskräfte vermittelt.

Führungskräfte steuern ihre Mitarbeiter und tragen dadurch auch Verantwortung für gesundheitliche Aspekte im Arbeitsalltag. In vielen Fällen stehen die Führungskräfte in Unternehmen hilflos vor ihren überlasteten Mitarbeitern und wissen nicht, wie sie mit der Situation und den Betroffenen umgehen sollen, um sie wieder vollumfänglich in den Arbeitsprozess zu integrieren. Es fehlt vor allem an der nötigen Sensibilisierung für Stressreaktionen. Dadurch werden erste Anhaltspunkte, wie plötzlich auftretende Nervosität, Gereiztheit, Konzentrationsschwierigkeiten oder Insichgekehrtheit, nicht als akutes Stresssyndrom, sondern als Mitarbeitercharakteristik eingeschätzt. Eine Fehleinschätzung, die im Umgang mit dem belasteten Mitarbeiter zu weiteren schwerwiegenden Problemen führen kann.

Wird nicht erkannt, welcher Stress der Auslöser ist, kann wahrgenommene Unfreundlichkeit oder auch sozialer Rückzug zu höherem Druck der Führungskraft auf den Mitarbeiter führen, um dessen Arbeitsleistung und seinen beruflichen Umgang den Zielvorgaben anzupassen.

Um Zugang zu den Betroffenen zu finden, kommt es vor allem auf die Haltung der Vorgesetzten an. Statt Vorwürfe zu machen, sollten sie sich vielmehr die Zeit nehmen, ein ruhiges und vertrauensvolles Gespräch zu führen. Hierbei sollten sie zuhören und ernsthaft versuchen, die Ursachen für die Belastungen herauszufinden, an denen der Mitarbeiter besonders leidet. Eine derart qualifizierte Gesprächsführung ist erlernbar und beweist einen verantwortungsvollen Umgang mit den Mitarbeitern.

Erste Stressbewältigungsmethoden können im Laufe des Gesprächs von Vorgesetzten empfohlen werden, allerdings ohne sie gleichzeitig negativ zu bewerten. So können Stressmanagement, Sport und Entspannungsübungen einen wirksamen Beitrag dazu leisten, Entlastung zu schaffen. Im Verhältnis zu den entstehenden Kosten langer Krankheit und sich einschleichender Fehler ist z.B. die Kostenübernahme von Seminaren zum Stress- und Zeitmanagement oder auch eines Coachings sinnvoll.

Doch wie ist es um die Gesundheit der Führungskräfte selbst gestellt? Kann eine Führungs-person, die dauerhaft über ihre gesundheitlichen Ressourcen hinausgeht, die entsprechenden Belange ihrer Belegschaft ausreichend im Blick haben? Auch Führungskräfte sind steigenden Belastungen unterworfen. Gerade im mittleren Management kommt es immer häufiger zum „Präsentismus“, der Angewohnheit, trotz Krankheit zur Arbeit zu kommen. Ein Umgang mit sich selbst, der nicht selten zu schweren psychischen Problemen führt. Gestresste und dadurch gereizte Vorgesetzte wiederum wirken sich sehr negativ auf das Arbeitsklima und ihre Mitarbeiter aus.

Doch Selbstwirksamkeit, also zu wissen, was einem in stressbehafteten Situationen gut tut und die Achtsamkeit für sich selbst, also auf Anzeichen der Überlastung zu reagieren und vorzusorgen, sollte Thema der Führungskräfteentwicklung werden. Nur wer selber in einem psychisch gesunden Zustand ist, kann mit klarem Kopf führen und für seine Mitarbeiter sorgen.

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