zur Navigation springen

Heino Ewald im Interview : Vielseitige Aufgaben für rationale Teamplayer

vom

Wer heute Kaufmann werden will, dem stehen eine Vielzahl von Ausbildungsgängen und Tätigkeiten in praktisch allen Branchen offen. Noch immer lässt sich in diesem Bereich eine solide Basis für viele Karrierewege legen.

shz.de von
erstellt am 25.Jan.2014 | 06:30 Uhr

Das Berufsbild „Kaufmann/-frau“ lässt sich wegen seiner Vielseitigkeit nur schwer fassen. Wie können sich interessierte Schulabgänger am besten einen ersten Überblick über die diversen Möglichkeiten verschaffen?
„In der Tat ist der Beruf des Kaufmanns/der Kauffrau sehr vielschichtig und interessant. Es gibt kaufmännische Tätigkeiten in allen Branchen unserer Gesellschaft. Im Handwerk und Handel genauso wie im Dienstleistungssektor oder auch in Vereinen und Verbänden. Insgesamt gibt es etwa fünfzig unterschiedliche kaufmännische Ausbildungsgänge bundesweit. In unserem IHK-Bezirk wird zur Zeit in 35 kaufmännischen Ausbildungsgängen ausgebildet.

Generell raten wir den Jugendlichen zunächst, sich selber zu fragen, ob Einkauf, Verkauf, Vertrieb das Richtige für sie ist oder doch eher die Arbeit im Backoffice, zum Beispiel in der Buchhaltung oder der Auftragsabwicklung – also ohne Publikumsverkehr. Wenn diese Grundrichtung klar ist, dann bieten nicht nur die Agentur für Arbeit, sondern auch wir als IHK vielfältige Informationsmöglichkeiten auf unserer Homepage zu den einzelnen Schwerpunkten in den kaufmännischen Berufen.“

Wo und wie bekomme sonst noch aktuelle Informationen zu den Ausbildungsgängen?
„Gerne informieren die Ausbildungsberater der IHK zu den unterschiedlichen kaufmännischen Ausbildungsmöglichkeiten. Sie reichen vom klassischen Kaufmann im Groß- oder Einzelhandel über den Gesundheitskaufmann oder dem Kaufmann für Dialogmarketing bis hin zum neuen Beruf ’Kaufmann für Büromanagement’. Für Jugendliche, die sich zunächst digital informieren möchten, halten wir alle Berufsbilder und  Ausbildungsinhalte auf unserer Homepage (www.ihk-schleswig-holstein.de) bereit.“

Welche schulischen Voraussetzungen sollte ein Azubi in einem kaufmännischen Beruf mitbringen?
„Da ein Kaufmann rechnen können muss, ist ein Verständnis für Zahlen natürlich eine unabdingbare Voraussetzung. Bei der Angebots- und Auftragsbearbeitung sollte man in diesen Berufen natürlich auch sicher im Umgang mit Wort und Schrift sein. Die zunehmende Globalisierung erfordert darüber hinaus gute Fremdsprachenkenntnisse. Im Klartext: Ein mindestens mittlerer Bildungsabschluss mit guten Noten in Mathematik, Deutsch und den schulischen Fremdsprachen ist Voraussetzung.“

Macht es da überhaupt Sinn, sich auch mit einer schlechteren Note beispielsweise in Mathe zu bewerben?
„Wissen Sie, zu uns kommen sehr viele Jugendliche, die sich eine kaufmännische Ausbildung wünschen, dann aber vor einer Bewerbung zurückschrecken, weil die Mathe-Note nicht passt. Auch diese Jugendlichen haben durchaus eine Chance in den Wunschberuf zu kommen – etwa über ein Praktikum. Einsatzfreude, Spaß an der Arbeit, Leistungswille sind Tugenden, die so manche schlechte Note aufwiegen.“

Haben sich die Berufbilder der „Kaufleute“ in den letzten Jahren aus Ihrer Sicht eigentlich grundsätzlich geändert?
„Allerdings, eine ganze Reihe von klassischen kaufmännischen Ausbildungsberufen sind in den letzten Jahren modernisiert und aktualisiert worden. Auch neue Berufe sind hinzugekommen. Deutschland ist bekanntlich Reiseweltmeister, und die Tourismusbranche zählt zu den größten Wirtschaftszweigen – passend dazu wurde der  „Tourismuskaufmann/frau“ geschaffen. Ganz aktuell tritt zum 1. August 2014 der neue Beruf „Kaufmann für Büromanagement“ in Kraft und führt die derzeit bestehenden Ausbildungen im Bürobereich zu einem Beruf zusammen. Die neue dreijährige Ausbildung enthält Wahlqualifikationen, mit denen die Betriebe entsprechend ihres Leistungsprofils noch  flexibler ausbilden können. Es wird Deutschlands größter Ausbildungsberuf, der branchenübergreifend in verschiedensten Unternehmensgrößen angeboten werden kann.“

Welche Eigenschaften sollten zukünftige Kaufleute haben, welche Kompetenzen mitbringen?
„In erster Linie muss ein angehender Kaufmann sich natürlich rational und verantwortungsbewusst  mit den Geschäftspartnern auseinandersetzen und verständigen, offen auf Menschen zugehen, eine optimistische, positive Lebenseinstellung mitbringen und das Problemlösen für seine Kunden zum Ziel haben. Hierzu gehört natürlich auch ein vernetztes Denken, Motivation, Teamfähigkeit und ein hohes Maß an Selbständigkeit.“

Nun kann und will sicher nicht jeder Karriere  in großen Wirtschaftsunternehmen machen. Wie steht es um die Ausbildungschancen in kleineren Firmen, sehen Sie hier Alternativen?
„Auch im kaufmännischen Bereich gibt es selbstverständlich Nischen, in denen qualifiziert ausgebildet wird. Wir haben zum Beispiel Ausbildungsverhältnisse zum „Kaufmann für Büromanagement“ im Kosmetik- oder Tattoostudio. Die erwähnte breite kaufmännische Ausbildung im Bürobereich ermöglicht Perspektiven nicht nur in dieser Branche.“

Ist es möglich, später noch zwischen den Branchen zu wechseln? Oder sollte man sich möglichst frühzeitig festlegen?  Und gibt es auch ohne Studium attraktive Aufstiegsmöglichkeiten?
„Ja, selbstverständlich ist ein Wechsel möglich. Die Erstausbildung in allen kaufmännischen Berufen vermittelt entsprechende Kernkompetenzen, die das sicherstellen. Aus meiner langjährigen Berufserfahrung kenne ich viele Azubis, die etwa im Handwerk eine kaufmännische Ausbildung absolviert haben und es bis zur Vorstandsse-kretärin, zum Vertriebsleiter oder Hauptbuchhalter in größeren Unternehmen gebracht haben. Mit dem Willen zum Erfolg, der Bereitschaft, sich ständig weiterzuentwickeln und weiterzubilden stehen einem Absolventen mit einer kaufmännischen Ausbildung nahezu alle Türen offen.“ 

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen