Anspruch, Höhe und Steuern : Unterschied zum 13. Gehalt und Wissenswertes über Weihnachtsgeld

Wer Weihnachtsgeld bekommt, wie hoch die Sonderzahlung ist, wie sie versteuert wird und worin der Unterschied zum 13. Gehalt liegt.

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20. November 2018, 14:02 Uhr

Rechtlich gesehen ist das Weihnachtsgeld ein zusätzliches Entgelt, das der Arbeitgeber an den Arbeitnehmer auszahlt, meistens im November zusammen mit dem monatlichen Gehalt. Über die Summe des Weihnachtsgeldes, wann genau es gezahlt wird und ob man überhaupt Weihnachtsgeld erhält, entscheiden der Arbeitgeber oder die Tarifvertragsparteien.

Unterschied zum 13. Monatsgehalt

Oft wird das Weihnachtsgeld mit dem 13. Monatsgehalt verwechselt. Denn für viele Arbeitnehmer ist das Weihnachtsgeld eben auch ein 13. Monatsgehalt – aber aus rechtlicher Sicht gibt es Unterschiede. Das Weihnachtsgeld ist häufig eine freiwillige Sonderzahlung des Arbeitgebers. Das 13. Monatsgehalt ist dagegen regelmäßig ein vertraglich vereinbartes Entgelt für erbrachte Arbeitsleistung. Im Falle einer Kündigung vor Jahresende würde das 13. Gehalt anteilig auf das Kalenderjahr verteilt und ausgezahlt werden. Weihnachtsgeld hingegen muss man möglicherweise sogar zurückzahlen, wenn man das Unternehmen verlässt.

Wem Weihnachtsgeld zusteht

Ein allgemeines Recht auf Weihnachtsgeld gibt es nicht. „Der Anspruch auf Weihnachtsgeld ergibt sich häufig aus dem Arbeitsvertrag, einer Betriebsvereinbarung oder einem Tarifvertrag“, erklärt Alexander Bredereck, Fachanwalt für Arbeitsrecht in Berlin. Die gute Nachricht: Jeder Arbeitnehmer kann Weihnachtsgeld bekommen, egal ob er Vollzeit arbeitet, teilzeitbeschäftigt ist oder einen Minijob hat. Auch Azubis gehen nicht leer aus. Der Arbeitgeber darf aber bestimmte Gruppen von Arbeitnehmern vom Weihnachtsgeld ausschließen, wenn er dafür einen sachlichen Grund hat. Für Beamte gelten gesetzliche Regelungen, nach denen sie Weihnachtsgeld erhalten. Ein besonderer Fall ist die betriebliche Übung. Zahlt ein Arbeitgeber für mindestens drei Jahre in Folge allen seinen Beschäftigten ein 13. Gehalt, „habe ich im vierten Jahr ein Recht darauf und kann ihn notfalls verklagen“, so Bredereck. Das gelte aber nur, wenn der Arbeitgeber zuvor keinen Vorbehalt gegen diese rechtliche Folge erklärt hat. Außerdem spielt der Gleichbehandlungsgrundsatz eine Rolle. Zahlt ein Arbeitgeber willkürlich einem Teil der Angestellten Weihnachtsgeld, kann sich laut Bredereck auch daraus ein Anspruch auf die Auszahlung der Prämie für alle Beschäftigte ergeben.

Wie hoch fällt das Weihnachtsgeld aus?

Es gibt keine Pauschale oder einen Prozentsatz, um die Höhe des Weihnachtsgeldes zu berechnen. Schließlich entscheidet der Arbeitgeber oder die Tarifvertragsparteien darüber. Faktoren, die generell die Höhe des Weihnachtsgeldes beeinflussen können, sind die Branche das Unternehmen und die Dauer Ihrer Betriebszugehörigkeit.

So wird Weihnachtsgeld versteuert

Die Summe des Weihnachtsgeldes wird auf den Bruttomonatsverdienst aufgeschlagen. Auf das Weihnachtsgeld sind Steuern und im Rahmen der Beitragsbemessungsgrenze auch Sozialabgaben zu zahlen. 55 Prozent aller Beschäftigten in Deutschland bekommen Weihnachtsgeld. Das zeigt eine Online-Befragung des Tarifarchivs der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung mit mehr als 90.000 Teilnehmern. Dabei haben Tarifbeschäftigte die besseren Karten: 77 Prozent von ihnen haben auch zu diesem Jahresende einen rechtlichen Anspruch auf eine Jahressonderzahlung, wie das Tarifarchiv mitteilte. In Betrieben ohne Tarifvertrag erhalten hingegen nur 42 Prozent ein Weihnachtsgeld, lautet ein weiteres Ergebnis. Vor wenigen Tagen hatte das Statistische Bundesamt auf einer anderen Datengrundlage berichtet, dass 87 Prozent der Tarifbeschäftigten ein Weihnachtsgeld erhalten.
 

(Mit Arag-Presseservice und dpa)

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