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Unternehmensnachfolge : Was ist mein Betrieb wert?

vom
Aus der Onlineredaktion

Wie viel Geld können Inhaber für ihre Firma verlangen? Banken, Kammern und Berater kennen die Antwort.

Kiel | In der „Höhle der Löwen“ präsentieren angehende Unternehmer einer Jury aus erfolgreichen Geschäftsleuten – unter ihnen der Reiseunternehmer Vural Öger und die Bremer FDP-Frau Lencke Steiner – ihre Ideen.

Oftmals junge Leute, die meist nur wenig mehr vorweisen können, als eine Idee, erschaffen in der Sendung des Privatsenders „Vox“ millionenschwere Konzerne im Minutentakt – ganz gleich, ob es um Socken, Barbecue-Grills oder eine App für irgendeine Dienstleistung geht. Schnell gehen die Gründer die Unternehmensbewertungen von ein, zwei oder drei Millionen Euro über die Lippen, während die Kamera alles aufzeichnet.

Viele alteingesessene Mittelständler werden angesichts solcher Zahlen kräftig schlucken müssen. Nur sind die vermeintlichen Millionenbewertungen von der Mattscheibe eben nicht viel mehr als Phantasie-Gebilde der Gründer. Geht es aber bei einer Nachfolge um den Wert des Unternehmens, dann interessiert die Substanz – und wie hoch der Wert eines Betriebs in Wahrheit ist.

Auch Experten können nur schätzen

Für Förderbanken, Handwerkskammern und Wirtschaftsberater ist dies das tagtäglich Brot. „Wir schauen ganz stark auf den künftigen Ertragswert“, erklärt Thomas Ott von der Investitionsbank Schleswig-Holstein (IB.SH).

Dabei gibt er zu, dass auch die Experten natürlich nicht in die Glaskugel schauen können. „Die besondere Herausforderung ist ja die Einschätzung: Kann der Übernehmer das genau so gut machen wie der Übergeber“, so der Leiter des Bereichs Firmenkunden Finanzierung.

Übernimmt ein bestehendes Unternehmen eine andere Firma, könnten beispielsweise positive Effekte durch Synergien eine Rolle spielen. Umsätze werden begutachtet, das Geschäftsmodell geprüft.

Käme ein übernommener Betrieb in Schieflage, liege das oft daran, dass der Kaufpreis zu hoch angesetzt worden sei, so Otts Erfahrung. Der Grund dafür ist einfach: Ist der Kaufpreis im Verhältnis zum Ertrag zu hoch, werden Finanzierungen immer schwerer zu stemmen.

Kostenlose Unternehmensbewertung bei der Handwerkskammer

„Jeder sollte zusehen, dass der finanzierte Teil des Kaufpreises in den fünf Jahren nach der Übernahme beglichen wird“, rät Ott. Dabei unterstützt die IB.SH die Hausbanken bei der Kreditvergabe und ergänzt so das Hausbank-Darlehen. Verfügt der Übernehmer selbst über zu wenig Eigenkapital kann auch die Mittelständische Beteiligungsgesellschaft Schleswig-Holstein mit einsteigen, um das Eigenkapital zu stärken.

Generell könnten sich Käufer und Verkäufer auf einen Preis ihrer Wahl einigen. Doch meist geht eine Übernahme eben nicht ohne Finanzierung von statten.

Daher sei die Bewertung meist wichtig, so Annika Körlin von der Industrie- und Handelskammer zu Lübeck. „Das ist das große Thema.“ Die eingesetzten Methoden und Verfahren müssten am Ende auch bei den Banken Bestand haben.

Bei vielen Unternehmen aus dem Industrie- und Dienstleistungsbereich kümmern sich Wirtschaftsprüfer und Steuerberater um die Bewertung des Unternehmens. Bei Handwerksbetrieben übernehmen die Handwerkskammern diese Leistung – und zwar kostenlos.

Der Preis ist heiß - und entspricht nicht immer dem tatsächlichen Wert

Dort kommt ein eigener Standard zum Tragen, genannt AWH – entwickelt von der Arbeitsgemeinschaft der Wert ermittelnden Betriebsberater im Handwerk. Seit über 20 Jahren setzen die Handwerkskammern dieses Verfahren ein. „Wir betrachten immer die letzten vier Jahre der Ertragskraft“, erklärt Berater Sönke Wellhausen von der Handwerkskammer Flensburg.

Daneben wird der sogenannte Kapitalisierungszinssatz berechnet, der sich aus der Umlaufrendite der Deutschen Bundesbank sowie Risikozuschlägen ergibt. „Inhaberabhängigkeit wird berücksichtigt“, nennt Wellhausen als Beispiel für einen Risikofaktor. Dazu gehört, wenn der Inhaber eines Unternehmens beispielsweise eine besonders dominante Rolle einnimmt, er allein etwa über einen Großteil der Kundenkontakte verfügt.

Insgesamt fließen zehn verschiedene Faktoren mit ein. Das Vorgehen stellt dabei auch Transparenz über die eigentliche Ertragssituation her – etwa indem das Unternehmergehalt kalkuliert und dabei mit Gehältern für eingesetzte Geschäftsführer abgeglichen wird. Die HWK-Berater liefern mit ihren Werten am Ende ein Gutachten ab. Und so betonen sie auch: Der Preis sei das, was bezahlt werde. Sie könnten lediglich den Wert ermitteln.

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erstellt am 12.Okt.2015 | 10:24 Uhr

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