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Unternehmensnachfolge in SH : So gelingt die Übernahme

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Eigenkapital, Kredite, Bürgschaften: Die Antwort nach der passenden Unternehmensfinanzierung ist abhängig von verschiedenen Faktoren

shz.de von
erstellt am 09.Nov.2015 | 12:31 Uhr

Kiel | In Unternehmen stecken oft Jahre der Arbeit, und meist hat der Eigentümer erhebliche Summen in den Betrieb investiert. Bei einer Unternehmensnachfolge geht es daher auch immer um eines: das Geld. Nachfolger sind daher meist auf Kreditgeber und Investoren angewiesen, wenn die Übernahme des Betriebs gelingen soll.

In Schleswig-Holstein treten hier neben der jeweiligen Hausbank – also beispielsweise einer Sparkasse oder Volks- und Raiffeisenbank – vor allem die Investitionsbank Schleswig-Holstein (IB.SH), die Bürgschaftsbank sowie die Mittelständische Beteiligungsgesellschaft des Landes auf den Plan, um den angehenden Unternehmern unter die Arme zu greifen.

Eigenkapital

Ausgangspunkt ist immer die Frage nach der Höhe des Eigenkapitals, wie viel Geld der jeweilige Unternehmensnachfolger also eigentlich selbst mitbringt. Das Eigenkapital entscheidet mit über die Frage, ob und in welcher Höhe die jeweilige Hausbank bereit ist, die Finanzierung zu übernehmen.

Als Faustregel für das Eigenkapital gilt: je höher der Kapitalbedarf, desto mehr Eigenkapital ist in der Regel erforderlich, in der Praxis sind dies oft mindestens 15 bis 20 Prozent.

Allerdings liegt es auf der Hand, dass angehende Unternehmer diese Summe nicht immer ohne weiteres zur Hand haben – gerade wenn es sich um ein größeres Unternehmen handelt, das den Besitzer wechseln soll.

Doch es gibt Wege, das Eigenkapital aufzustocken. So kann die Förderbank KfW beispielsweise vorhandenes Eigenkapital um ein eigenkapitalähnliches Darlehen ergänzen, das von der Hausbank als Eigenkapital anerkannt wird, wie Susann Dreßler, Leiterin der Förderlotsen bei der Investitionsbank Schleswig-Holstein (IB.SH) erklärt.

Sie berät potenzielle Nachfolge zu der Frage, welche Fördermöglichkeiten bei ihnen jeweils in Frage kommen. Aus 15 Prozent Eigenkapital, das der Nachfolger mitbringt, lassen sich so beispielsweise mit Hilfe der KfW 45 Prozent machen. Doch auch die Mittelständische Beteiligungsgesellschaft Schleswig-Holstein (MBG) kann einspringen und fehlendes Eigenkapital beisteuern.

„Wir sehen uns als Partner der Gesamtfinanzierung“, erklärt Arne Kattemeyer von der MBG. „Wir stellen stille Beteiligungen zur Verfügung.“ Das bedeutet, dass es eine feste Verzinsung für das Beteiligungskapital gibt – „und es gibt eine gewinnabhängige Vergütung“, wie Kattemeyer erklärt.

Grundsätzlich wird das Kapital erst einmal für einen Zeitraum von zehn Jahren zur Verfügung gestellt. „In den ersten fünf Jahren ist keine Tilgung zu leisten“, so Kattemeyer. Es könne sonst auch eine Endfälligkeit vereinbart oder aber eine Verlängerung ausgehandelt werden.

Die Spannweite der Projekte, an denen sich die MBG beteiligt, ist groß. Entschieden wird nach dem Einzelfall. Summen von 10 000 Euro bis hin zu drei Millionen Euro kann die MBG mit Hilfe verschiedener Beteiligungsfonds stemmen.

Kredite

Zumindest in der Theorie sind die Zeiten für Unternehmensnachfolger gut. Schließlich sind Kredite aufgrund der Niedrigzinspolitik nicht nur für Häuslebauer derzeit günstig. Auch Unternehmensnachfolgen lassen sich derzeit vergleichsweise leicht stemmen. Potenzielle Nachfolger müssen laut IB.SH beispielsweise bei Gründungskrediten der KfW derzeit mit Zinssätzen von einem bis neun Prozent rechnen.

Die Zinsen werden von der Hausbank festgelegt. Bei der Festlegung berücksichtigt sie insbesondere die wirtschaftlichen Verhältnisse eines Unternehmens (Bonität) sowie die gestellten Sicherheiten (Werthaltigkeit der Besicherung).

Dabei gilt der Grundsatz: je besser die wirtschaftlichen Verhältnisse eines Unternehmens und je werthaltiger die gestellten Sicherheiten, desto niedriger der Zinssatz.

„Wer ein Unternehmen übernimmt und damit den Sprung in die berufliche Selbstständigkeit wagt, ist letztlich auch ein Existenzgründer“, sagt IB.SH-Expertin Dreßler. Entsprechend haben Nachfolger Zugriff auf ein ganzes Bündel an verschiedenen Kredit- und Fördermöglichkeiten.

Die IB.SH selbst tritt in Erscheinung, wenn die Hausbank die Risiken bei der Kreditvergabe teilen möchte. Daneben vergibt sie aber auch allein Mikrokredite von bis zu 25 000 Euro und kann mit einer Empfehlung der Hausbank bei Nachfolgen, die Gründungen gleichkommen, auch Kredite über bis zu 100 000 Euro bei der KfW beantragen und an den Existenzgründer weiterleiten – das sogenannte KfW-Startgeld.

Bürgschaften

Wo den Kreditgebern das Risiko dennoch zu groß erscheint, kann die Bürgschaftsbank weiterhelfen. Die Bürgschaftsbank Schleswig-Holstein übernimmt dabei sogenannte Ausfallbürgschaften.

Das Institut, hinter dem neben dem Land Schleswig-Holstein und dem Sparkassen- und Giroverband für Schleswig-Holstein auch diverse Privatbanken und genossenschaftliche Institute stehen, bürgt nach eigenen Angaben in der Regel für eine Summe von bis zu 1,25 Millionen Euro.
 

Beratung

Handwerkskammern, Industrie- und Handelskammern können angehenden Unternehmern beratend zur Seite stehen. Die Förderlotsen der Investitionsbank geben Hilfestellung, die besten Möglichkeiten zu Förderung zu finden. Daneben rät Dreßler aber auch: „Eine professionelle Unternehmensberatung ist unerlässlich bei großen Fällen.“

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