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Unternehmensübergabe : Nils Thoralf Jarck: „Es ist ein sehr emotionales Thema“

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Nils Thoralf Jarck von der IHK über Erfolgsfaktoren und den Wunsch einer landesweiten Vernetzung.

shz.de von
erstellt am 28.Apr.2015 | 12:57 Uhr

Herr Jarck, was sind Erfolgsfaktoren für eine Unternehmensübergabe?

Der zentrale Punkt ist, dass man sich frühzeitig Gedanken über die Nachfolge macht. Das ist der Einstieg. Zudem sollte man über einen Notfallkoffer nachdenken. Dieser regelt, was geschieht, wenn einem Unternehmer etwas passiert. Außerdem sollte man sich gut beraten lassen und auf Spezialisten setzen, weil es ein sehr komplexes Thema ist.

Warum unterschätzen so viele Unternehmer das Thema?

Es ist sehr emotional. Die Unternehmerpersönlichkeiten haben zumeist über mehrere Jahrzehnte ihr Unternehmen geprägt. Es ist ihnen ans Herz gewachsen. Soll man etwas Liebgewonnenes abgeben, fällt das natürlich erstmal schwer. Das geht uns allen so. Wenn man dann nicht den Nachfolger umgehend vor Augen hat, fällt es umso schwerer.

Wie viel Hoffnung haben Sie, dass die Unternehmen im Norden, bei denen die Nachfolge noch nicht geregelt ist, erfolgreich weitergeführt werden?

Wie viele es nachher tatsächlich schaffen werden, kann ich so nicht beantworten. Wir wollen aber unseren Beitrag dazu tun, im Netzwerk mit Kammern und Förderinstituten zu helfen, möglichst jeden, der auf uns zukommt, zu beraten und idealerweise vielleicht sogar einen Nachfolger zu präsentieren. In den kommenden zehn Jahren geht es allein in Schleswig-Holstein um die Nachfolge von etwa 7000 Unternehmen mit 220  000 Arbeitsplätzen und Unternehmenswerten von insgesamt 22 Milliarden Euro. Das sind nur die Unternehmen mit einer Umsatzklasse zwischen einer und 200 Millionen Euro. Es kommen also noch viele kleine Unternehmen dazu.

Was muss getan werden, dass sich die Situation verbessert?

Mein Wunsch wäre eine landesweite Vernetzung zu dem Thema. Dass die unterschiedlichen Akteure – Steuerberater, Rechtsanwälte, Unternehmensberater, Kammern, Förderinstitute, Wirtschaftsförderer und Landesregierung – das Thema gemeinsam begleiten. Es klingt immer so profan, aber wenn alle landesweit wissen, wer beispielsweise im Nordwesten einen Nachfolger oder im Südosten ein Unternehmen sucht, wäre es optimal.


Nils Thoralf Jarck ist „Federführer Existenzgründung und Unternehmensförderung der IHK Schleswig-Holstein“

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