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Unternehmensnachfolge : Hoch hinaus mit der Reetdachdeckerei

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Gerade im Handwerk setzen die Inhaber bei der Nachfolgeregelung auf den eigenen Nachwuchs - so auch bei der Reetdachdeckerei von Sönke Bartlefsen. Sohn Olde ist vergangenes Jahr in das Unternehmen eingestiegen.

Für einen kurzen Moment kann Sönke Bartlefsen schon mal erahnen, was in der Zukunft auf ihn zukommt. „Stell dir vor, ich sollte in den Hintergrund“, sagt der 58-Jährige lachend zu seiner Frau, als er nach dem Fototermin zurück ins Büro kommt, um dem Reporter zu berichten, wie die Familie die Zukunft der Firma plant.

Sönke Bartlefsen führt eine Reetdachdeckerei mit Reethandel in Risum-Lindholm (Kreis Nordfriesland). Die Zukunft der Firma ist zugleich auch die Zukunft der Familie. Noch steht Senior Sönke Bartlefsen an der Spitze, doch nach und nach rückt Sohn Olde nach. Im August des vergangenen Jahres hat der 26-Jährige ein Viertel der Anteile am Unternehmen übernommen. Stück für Stück wächst er in die Verantwortung, um in ein paar Jahren den Betrieb – voraussichtlich gemeinsam mit seinem Bruder Bende, der ab diesem Jahr als Zimmermann zur Meisterschule geht – fortzuführen.

Jeder Dritte Betrieb setzt auf eigene Kinder bei Nachfolge

Noch immer ist im Handwerk die familieninterne Nachfolge am beliebtesten. Bei einer Befragung der Handwerkskammer Lübeck und Flensburg, die alle fünf Jahre unter Unternehmern ab 55 Jahren durchgeführt wird, setzte 2013 der größte Teil (37,7 Prozent) auf die eigenen Kinder als Nachfolgelösung. 16,7 Prozent sprachen sich für enge Mitarbeiter aus, 16,2 Prozent denken an Betriebsfremde und sieben Prozent an eine Übernahme durch einen anderen Betrieb. Die übrigen Unternehmer hatten zu diesem Zeitpunkt noch keine klare Vorstellung.

„Der Vorteil bei einer Unternehmensübergabe innerhalb der Familie ist das gute Gefühl des Übergebers“, erklärt Stefan Seestädt, Leiter der Betriebsberatung bei der Handwerkskammer Lübeck. Die Verantwortung gegenüber den Mitarbeitern, den Kunden und den Betriebspartnern werde weiter fortgeführt. „Das liegt den Inhabern sehr am Herzen“, erklärt Seestädt.

Familien-Nachfolge hat auch Nachteile

Die Bestätigung kommt von Reetdachdecker Sönke Bartlefsen: „Ganz klar, da geht es auch um soziale Aspekte.“ Immerhin beschäftigt sein Unternehmen 17 Mitarbeiter, darunter zwei Auszubildende. Zudem ein Subunternehmen mit zwölf Mitarbeitern. „Meine Frau und ich haben uns immer gewünscht, dass Olde den Betrieb übernimmt“, berichtet Sönke Bartlefsen. Aber gedrängt hätten sie ihn nie. „Denn wir wissen, wie das Leben als Unternehmer ist, und was an Arbeit dahintersteckt.“

Doch es gibt auch eine Kehrseite der familieninternen Nachfolge: „Oftmals sind sehr starke Emotionen im Spiel“, erklärt Nachfolge-Experte Seestädt. „Das geht oft weg von der sachlichen Ebenen, was Probleme birgen kann.“ Auch die Bartlefsen mussten diese Erfahrung schon machen. „Am Anfang haben wir versucht, uns um die gleichen Sachen zu kümmern. Das hat nicht funktioniert“, erklärt der Junior-Chef.

Jetzt sind die Aufgaben klar verteilt. Der Senior kümmert sich um die Baustellen auf Sylt, der Sohn um diejenigen auf dem Festland. Die klare Absprache helfe.

Eigener Betrieb ist Gesprächsthema Nummer 1 in der Familie

Thema ist die Reetdachdeckerei sowieso rund um die Uhr. „So ist das in einem Familienbetrieb. Die Firma bestimmt schon das Leben“, sagt Mutter Gyde, die mit im Büro arbeitet. „Es fällt schwer, auch mal über andere Themen zu sprechen.“

Gleichzeitig sieht der Junior es aber als großen Vorteil an, jederzeit Rat bei seinem Vater holen zu können. „Bis ich ihn rauskicke, wird das auch so bleiben“, sagt Olde Bartlefsen. Es folgt ein lautes Lachen. Die Ansprache im Handwerk ist hart aber herzlich. Auch zwischen Vater und Sohn.

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erstellt am 10.Feb.2016 | 12:57 Uhr

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