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Familienbetriebe in SH : Der passende Kronprinz: Wenn der Sohn das Ruder übernimmt

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Die Nachfolgeregelung ist für Betriebsinhaber oft schwierig. Der Dithmarscher Stahl- und Metallbauer Boje Peters hatte damit keine Probleme – und schaffte es auch, von seinem Unternehmen loszulassen.

shz.de von
erstellt am 07.Sep.2015 | 19:08 Uhr

Bargenstedt | Dithmarschern werden so einige Charaktereigenschaften nachgesagt. Unter anderem sollen sie besonders ehrlich sein. Spricht Boje Peters über den Abschied aus seiner Firma, glaubt man ihm – im Unterschied zu vielen anderen ehemaligen Unternehmern – tatsächlich jedes Wort, wenn er sagt: „Das ist mir überhaupt nicht schwergefallen.“

Der Mann aus der 900-Einwohner-Gemeinde Bargenstedt in Dithmarschen ist heute 68 Jahre alt. Fast die Hälfte seines Lebens war er Chef des Unternehmens Peters Stahl- und Metallbau. Von klein auf hat er die Firma aufgebaut, gemeinsam mit seiner Frau, die bis heute die Finanzen führt.

„Als wir angefangen haben, haben meine Frau und ich auch nachts gearbeitet. Dabei war sie sogar schwanger. Wir hatten ja noch keine Mitarbeiter. Irgendwie musste es gehen.“ Peters spricht in kurzen Sätzen. Jeder einzelne wirkt wie ein Hammerschlag. Der Mann kann anpacken.

Schwanger war seine Frau Margret mit Sohn Florian. Der ist heute 36 Jahre alt und führt das Unternehmen, das vor allem im Objektgeschäft tätig ist. Unter anderem fertigt, montiert und wartet der Betrieb Stahlkonstruktionen für Supermärkte, Schulen und Autohäuser. Die Peters sind das, was Deutschland ausmacht: gesunder Mittelstand. Etwa 2 Millionen Euro Jahresumsatz, knapp unter 20 Mitarbeitern. Die Auftragslage ist gut.

Gut funktioniert hat auch der Übergang von Senior- zu Juniorchef Florian. Der machte schon seine Ausbildung im Familienunternehmen, mit 24 war er bereits Meister. In dem Moment war Vater Boje klar: Der Junior soll irgendwann der neue Chef werden. „Meine Frau hat auch gesagt: Das ist ein ordentlicher Junge.“

Das Unternehmen zu verkaufen, wäre ihm schwer gefallen. Die Übergabe war ein schleichender Prozess. Zehn Jahre arbeiteten Vater und Sohn als Doppelspitze. Von 2004 bis 2009 mit Vater Boje als Boss, von 2009 bis 2014 mit Sohn Florian als den entscheidenden Mann.

Sofortiger Rückzug oder schleichender Abgang? Daran scheiden sich die Geister. „Dafür gibt es kein allgemeingültiges Rezept. Das ist sehr typabhängig“, erklärt Prof. Dr. Kirsten Rohrlack, die an der Fachhochschule Flensburg Betriebswirtschaftslehre unterrichtet. „Wenn ich meine neue Rolle, die meist nicht mehr die Nummer Eins ist, annehmen kann, ist das toll. In den meisten Fällen ist das aber schwierig.“

Bei den Peters hat es funktioniert. Genauso wie sie bei den Preisverhandlungen keine Probleme hatten. Der Kaufpreis bleibt allerdings Familiengeheimnis. Wissenschaftlerin Rohrlack hat festgestellt: „Oftmals haben Unternehmensübergeber zu hohe Erwartungen, weil sie den ideellen Wert mitverkaufen wollen. Den hat der Nachfolger jedoch nicht – vor allem, wenn er von extern kommt.“

Mit seinem Nachfolger ist Boje Peters sehr zufrieden. „Der Antrieb der jungen Generation ist bestimmt manchmal größer“, sagt er. Die These teilt auch Holger Zervas, der den Bereich Firmenkunden bei der Investitionsbank Schleswig-Holstein leitet. „Unternehmenschefs ziehen sich mit steigendem Alter sowohl aus Investitionen als auch aus Innovationstätigkeit zurück.“

Laut der Förderbank KfW investieren von den Über-60-Jährigen nur noch 37 Prozent, lediglich 38 Prozent führen Innovationen ein. Zum Vergleich: Bei den unter 40-jährigen Unternehmenschefs liegt der Anteil bei 57 Prozent beziehungsweise 46 Prozent. Sohn Florian will weiter innovativ sein. Zur großen Freude des Seniors. Daraus macht er keinen Hehl. Ehrlich.

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