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Wie sage ich es den Mitarbeitern? : Betriebsübergabe: „Macht den Deal unter Euch aus“

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Wirtschaftsmentor Jörg Stolzenburg verrät, wie die Mitarbeiter über die Übergabe informiert werden sollen.

Kiel | Die Unternehmensnachfolge ist nicht nur eine Sache des Eigentümers, sondern auch der Mitarbeiter. Denn mit der Frage nach dem Fortbestand eines Unternehmens stehen auch schnell die Jobs im Betrieb zur Disposition. Allein in Schleswig-Holstein sind so derzeit tausende Jobs gefährdet, weil die Nachfolgefrage nicht geklärt ist. Wo die Betriebsübergabe auf gutem Weg ist, stellt sich jedoch vielen Chefs die Frage: Wie sage ich es den Mitarbeitern?

Jörg Stolzenburg kennt solche Fragen zu gut. Der Diplom-Soziologe war früher selbst Unternehmer, hat seinen Betrieb dann aber verkauft und sich in einer internationalen Management-Beratung um das Thema Unternehmensnachfolge gekümmert. Inzwischen berät er als Mitglied des Vereins Mentoren für Unternehmen in Schleswig-Holstein die Betriebe im Land. Für Stolzenburg beginnt die Antwort auf die Frage, wie die Übergabe der Belegschaft beigebracht wird, schon im Vorfeld.

Wer als Unternehmer eine Betriebsübergabe plant und sich entschließt, vorerst über die Absichten zu schweigen, der muss sich nach seiner Einschätzung fragen: „Stelle ich sicher, dass keine Informationen nach draußen gehen?“ Das zu garantieren, ist nach Stolzenburgs Erfahrung jedoch in dieser ersten Phase meist eher schwierig. Er plädiert daher für eine Alternative B: Diese sieht vor, dass die Übergabe-Absicht der Belegschaft mitgeteilt wird. „Ich kümmere mich um die Unternehmensnachfolge“, sollten Chefs ihren Mitarbeitern sagen und klar machen, dass es dabei auch um die Sicherung der Arbeitsplätze gehe. Im Gegenzug sollte der Arbeitgeber seine Angestellten aber auch bitten, ihn in der Folge nicht wiederholt mit Fragen zu dem Thema zu konfrontieren.

Mitarbeiter beruhigen

In die zweite Phase geht es nach Stolzenburg mit den konkreten Verhandlungen. Meist gingen diese damit einher, dass Bieter auch „etwas sehen wollen“. Ein Blick in die Bücher wäre dann üblich. Den Mitarbeitern sollte dies auch ruhig so kommuniziert werden – mit dem Hinweis, dass dies ein normaler Vorgang sei. Mit der Einigung, der Phase drei, muss er dann natürlich „hingehen und sagen, dass es einen Nachfolger gibt.“ Sofern die Tinte des Vertrags schon trocken sei, empfiehlt Stolzenburg, dass der alte und der neue Chef dies gemeinsam bei einer Betriebsversammlung tun.

Von besonderer Art ist die Herausforderung nach Stolzenburgs Ausführungen, wenn der Nachfolger selbst aus dem jeweiligen Unternehmen kommt, bislang ein Angestellter war. „Das müssen die schon sehr professionell machen“, sagt der Mentor. Seine Empfehlung: „Macht den Deal unter euch aus – und redet nicht drüber.“ Neid und falsche Erwartungen sollen so vermieden werden. Denn da ist Stolzenburg sicher: Nichts sei schlimmer, als das Dinge bekannt oder verkündet werden, die nicht beschlossene Tatsachen sind.


Infos unter: mentoren-sh.de

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erstellt am 04.Aug.2015 | 12:24 Uhr

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