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Winterdepression : Unmotiviert und schlapp: Das hilft gegen den Winterblues

vom
Aus der Onlineredaktion

Die lange Dunkelheit im Winter macht vielen Menschen zu schaffen und wirkt sich auf die Stimmung aus. Doch schon mit wenigen und einfachen Tricks kann der „Winterdepression“ gegengesteuert werden.

shz.de von
erstellt am 13.Jan.2016 | 00:00 Uhr

Flensburg | Woher sie kommt, weiß keiner so genau, was sie auslöst, dafür umso mehr - die Winterdepression. Davon sind jährlich Millionen Menschen betroffen. „Rund ein Viertel der Menschen verspürt solche saisonalen Schwankungen", berichtet Dieter Kunz, Chefarzt an der Klinik für Schlaf- und Chronomedizin des Berliner St. Hedwig-Krankenhauses. Doch die Ursachen für den Winterblues sind bislang kaum bekannt.

„Es wird jedoch davon ausgegangen, dass Lichtmangel zu einer Störung des Melatonin-Serotonin-Gleichgewichtes führt“, sagt Psychologe Dr. Christian Dewanger von der Universität Flensburg. Das häufig trübe Wetter im Norden trägt sein Übriges dazu bei. Das Ergebnis: „Neben der gedrückten Stimmung äußern sich ,Winterdepressionen' durch ein vermehrtes Schlafbedürfnis und gesteigerten Appetit“, sagt Dewanger.

Am schlimmsten sind die Verstimmungen erfahrungsgemäß in den ersten drei Monaten des Jahres. Allerdings ist diese Winterlethargie nicht per se mit einer Depression gleichzusetzen. „Der eine ignoriert es, der andere trägt es stärker nach außen, pathologisch aber wird es nur dann, wenn ich meinen Alltag nicht mehr bewältigen kann", erklärt Thomas Kantermann, Chronobiologe an der Universität Groningen in den Niederlanden und der Ludwig-Maximilians-Universität München.

Video: Winterblues durch Lichtmangel – was nun?

„Wer aber von einer ernsthaften Depression betroffen ist oder glaubt, betroffen zu sein, sollte unbedingt einen Facharzt oder Therapeuten aufsuchen“, rät Psychologe Dewanger. „Depressionen lassen sich mittlerweile gut behandeln. Die Gefahr besteht eher darin, dass eine nicht behandelte Depression wiederkehrend also chronisch wird.“

Wer „lediglich“ am Winterblues leide, sollte sich möglichst viel Licht gönnen. Dewanger empfiehlt: „Am besten Tageslichtlampen verwenden und diese durchaus auch tagsüber einschalten.“ Der Grund: Das Gehirn benötigt eine Mindestmenge an Helligkeit, um den Melatonin-Spiegel zu senken und so dem Körper zu signalisieren, dass er wach sein soll.

Die beste Maßnahme gegen den Winterblues ist jedoch nur für wenige umsetzbar: „Wer kann, sollte in wärmere Gefilde fliehen", rät Chronobiologe Kantermann.

Alkohol ist keine Lösung

Pragmatischer ist dagegen ein weiterer Tipp von Dewanger: das Wetter genießen. „Gehen Sie spazieren, spüren Sie Wind und Regen, um sich anschließend eine warme Dusche und einen heißen Tee auf dem Sofa zu gönnen.“ Es sollte versucht werden, durch das Wetter positive statt negative Gedanken und Gefühle entstehen zu lassen. „Denkbar ist auch, vielleicht ab und an mal in ein Sonnenstudio zu gehen - aber aufgrund des Hautkrebsrisikos nicht zu häufig“, sagt Dewanger.

Keinesfalls sollte das Stimmungstief im Winter im Alkohol ertränkt werden. „Mal einen Punsch mit Freunden zu trinken, ist nicht schlimm, aber man sollte schon möglichst wenig Alkohol zu sich nehmen“, sagt Dewanger. „Er liefert zwar Effekte der Stimmungsaufhellung, bringt aber gerade deswegen auch ein hohes Suchtpotential mit sich und kann er sich negativ auf das Melatonin-Serotonin-Gleichgewicht auswirken.“

Besser ist dagegen, im Winter einfach einmal einen Gang herunterzuschalten. „Unsere Kultur hat einen Lebensrhythmus entwickelt, der unabhängig von den Jahreszeiten ist“, sagt Dewanger. „Für den menschlichen Organismus bringt dies Belastungen mit sich, da er mit den Jahreszeiten reagiert und interagiert.“ Das heißt konkret: Licht und Wärme wirken sich auf das Aktivitätspotential in uns aus. Entsprechend stelle sich der menschliche Organismus darauf ein, im Winter etwas kürzer zu treten. „Beruf und Schule lassen dieses aber normalerweise nicht zu“, sagt Dewanger. „Also machen viele auch im privaten Bereich genau so weiter wie im Sommer.“ Es könne jedoch durchaus sinnvoll sein, einmal einen Gang herunterzuschalten und sich mehr Zeit zur Erholung und Regeneration zu geben.

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