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Arbeit : Traumberuf Tierpfleger: Nichts für menschenscheue Zeitgenossen

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Für viele Tierfreunde ist es ein Traumberuf: Tierpfleger. Der Job ist anspruchsvoll, sagt ein Leipziger Pfleger. Und er hat sich gewandelt. Heutzutage sind auch Entertainer-Qualitäten stark gefragt.

Marcel Alaze steht auf dem bepflanzten Dach der Lippenbären-Anlage im Zoo Leipzig und lässt es Rosinen regnen. Die Bären im Freigehege unten gucken neugierig, und auch die Zoo-Besucher richten erwartungsvolle Blicke auf den Mann in Grün. Tierpfleger, sagt Alaze, seien längst nicht mehr nur für die Tiere da. Auch die Besucher wollten in den modernen Erlebniszoos unterhalten werden, etwa mit Schau-Fütterungen. «Wenn ich heute eine Tierpflegerausbildung mache und gleichzeitig eine Scheu vor Menschen habe, wird's schwierig», sagt Alaze lachend.

Der 31-Jährige hat zehn Jahre lang im Naturzoo Rheine (NRW) gearbeitet, seit 2012 ist er Bereichsleiter Asien im Zoo Leipzig. Er trägt immer seine Tierpfleger-Kluft - Stahlkappen-Schuhe, derbe Hose, Fleece-Weste -, obwohl er als Bereichsleiter viel in seinem Büro über der Tierklinik zu tun hat. 18 Pfleger arbeiten im Asien-Teil des Zoos, da gibt es eine Menge zu koordinieren, zu planen, abzusprechen. Oft klingelt Alazes Telefon. Einem Kollegen mit einer Frage rät er: «Ruf doch bitte mal auf dem Tiger-Seebären-Handy an.»

Für ihn sei schon immer klar gewesen, dass er Tierpfleger werden wollte, sagt Alaze. «Die meisten machen das aus Leidenschaft.» Fische und Reptilien seien privat seine Liebhaberei. Im Asien-Teil des Zoos ist er von der Zwergmaus bis zum Elefant für alle möglichen Tiere verantwortlich. «Man muss jedes Tier pflegen können», sagt er. Ein Lieblingstier im Zoo habe er eigentlich nicht, obwohl: «Tiger und Lippenbären sind schon was schönes.»

Nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit sind bundesweit knapp 20 000 Menschen als Tierpfleger beschäftigt. Alaze sagt, es sei schwierig, einen Ausbildungsplatz zu finden und später eine feste Anstellung. Die Anforderungen seien hoch, die Anzahl der Jobs begrenzt.

Dass in den Zoos heutzutage der Event- und Erlebnischarakter zum Alltag gehört, stört den 31-Jährigen nicht. Im Gegenteil. «Die Leute wollen heute nicht mehr nur einfach durch den Zoo laufen und Tiere anschauen. Sie wollen etwas erfahren und erzählt bekommen», sagt Alaze. Fütterungen zu kommentieren sei in etwa so wie ein Fußballspiel zu besprechen. «Man sagt halt, was man gerade macht, was passiert. Einfach nur seine Fische bei den Robben reinzuwerfen, ohne was zu erzählen - das geht heute nicht mehr.»

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erstellt am 23.Okt.2013 | 12:16 Uhr

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