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Wintersemester 2014/2015 : Studienbeginn: Ansturm auf die Unis in SH

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Die Hochschulen in Schleswig-Holstein vermelden Rekordzahlen. Die Auswirkungen der Lehrerbildungsreform sind noch nicht feststellbar.

shz.de von
erstellt am 21.Okt.2014 | 14:01 Uhr

Flensburg/Kiel/Lübeck | So viele wie diesmal waren es noch nie. In Kiel haben sich zum Wintersemester erstmals mehr als 25.000 Studenten eingeschrieben. Darunter sind 5009 „Neue“, die entweder ihr Studium an der Förde fortsetzen oder als Erstsemester in einen neuen Lebensabschnitt eintreten. (3751). Beliebtestes Fach: Rechtswissenschaft mit 425 Neueinschreibungen, gefolgt von Deutsch (400) und Agrarwissenschaften (330).

Einen neuen Rekord meldet auch Flensburg: Bei der Erstsemesterbegrüßung hieß Präsident Werner Reinhart 1650 Studienanfänger willkommen. „Sie sind an einem guten Ort und an einer guten Universität“, erklärte Reinhart den „Erstis“, von denen die meisten nicht aus Flensburg und viele nicht aus Schleswig-Holstein stammen.

Und wie könnte es anders sein: Auch in Lübeck wird es eng in den Hörsälen. 730 Neuankömmlinge starten dort ihr Studium, 95 oder 15,1 Prozent mehr als im Vorjahr. Das ist die höchste Zahl in der jetzt 50-jährigen Geschichte der Uni. Insgesamt hat sie jetzt 3704 Studierende. An allen drei Universitäten zusammen studieren aktuell 33.700 Menschen. Hinzu kommen rund 19.850 Studierende an den sechs Fachhochschulen des Landes.

Besonders die hohen Anmeldezahl für die Uni Flensburg gilt als Überraschung. Erst acht Tage vor Ablauf der Einschreibefrist am 8. Juli stand endgültig fest, wie es mit der Grenz-Uni weitergeht. Zuvor hatte die politisch hart geführte Diskussion über die Neuordnung des Lehramtsstudiums in Flensburg – 75 Prozent aller Studenten wollen dort Lehrer werden – für große Verunsicherung gesorgt. Vor allem die Frage, welche Fächer künftig auf Gymnasialniveau für die Oberstufen der Gemeinschaftsschulen studiert werden können, war bis zuletzt offen. „Zum Glück hat sich diese Verwirrung inzwischen gelöst“, erklärte gestern Unisprecherin Karin Fischer. Auf Sekundarstufen-I-Niveau werden weiterhin die Fächer Biologie, Chemie, Physik, Geographie, Musik, Philosophie, Evangelische sowie Katholische Religion und Technik angeboten werden, auf Sekundarstufen-II-Niveau ab Winter 2015/16 die Fächer Mathematik, Deutsch, Englisch, Dänisch, Geschichte, Wirtschaft/Politik und Spanisch. Im Jahr darauf werden zusätzlich Französisch, Kunst, Sport und womöglich das neu zu konzipierende Fach Gesundheit, Ernährung und Verbraucherbildung auf Sekundarstufen-II-Niveau angeboten. Inzwischen sind die Studienordnungen für 16 bereits bestehende Fächer von Experten gutgeheißen (akkreditiert) worden. „Die letzten vier Fächer folgen im Oktober“, sagt Fischer.

An der Uni Kiel lassen sich Auswirkungen der neuen Fächeraufteilung noch nicht konkret feststellen. Allerdings war die Landesregierung von den ursprünglichen Plänen, die der Uni schwer zugesetzt hätten, wegen des massiven Protestes abgerückt. Dennoch: Im Fach Spanisch, das künftig auch in Flensburg angeboten wird, hat sich die Zahl der Studienanfänger auf 43 halbiert. Erfreulich ist der starke Anstieg in Sport, Biologie und Physik, während die Zahl der Neuanfänger in Mathe und Chemie zurückgeht. „Perspektivisch werden wir besonders für das Studium in den Naturwissenschaften werben. Dort gibt es den größten Bedarf an den Schulen“, so Uni-Sprecher Boris Pawlowski.

Bei aller Freude über den hohen Beliebtheitsgrad der Hochschulen im Norden treibt die Professoren vor allem die Sorge um ausreichende Finanzierung um – zumal 2016 die Zahlungen aus dem Überlast-Programm des Bundes auslaufen. Für die Studentenvertretung (Asta) ist die Grenze der Belastbarkeit schon jetzt erreicht. Er fordert einen besseren Betreuungsschlüssel in der Lehre, eine langfristige Absicherung der Exzellenz-Forschung und mehr Geld für die Gebäudesanierung. „Die Landesregierung muss auch in schwierigen Zeiten zu ihren Hochschulen und Studierenden stehen!“, so Kiels Asta-Chefin Sophia Schiebe. Der „über die Schmerzgrenze belastete Grundhaushalt der CAU“ könne die immer weiter steigenden Studierendenzahlen nicht schultern. Wenn das Land kein Geld gibt, werde die „Situation für uns Studierende unzumutbar“.

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