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Rückzahlung vom Finanzamt : Steuererklärung 2015 leicht gemacht: Mit diesen Tipps gibt's Geld zurück

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Aus der Onlineredaktion

Den Jahresbeginn nutzen viele Deutsche, um sich für das Vorjahr gegenüber dem Fiskus zu erklären. Wer sich für seine Steuererklärung Zeit nimmt und sie gewissenhaft macht, spart im Durchschnitt knapp 900 Euro.

shz.de von
erstellt am 29.Jan.2016 | 18:15 Uhr

Vorfreude kommt beim Gedanken an das Ausfüllen der Steuererklärung für 2015 wohl bei den wenigsten auf, es wird eher als lästige Pflicht empfunden. Dabei können sich die Deutschen die Hände reiben, denn in der Regel lohnt sich der Aufwand: Zwischen 800 und 900 Euro bekommen Arbeitnehmer im Durchschnitt vom Finanzamt zurückgezahlt. Doch nicht jeder Arbeitnehmer muss auch eine Steuererklärung abgeben. Die wichtigsten Fragen im Überblick:

Wer muss eine Steuererklärung abgeben?

Verpflichtet, sich vor dem Fiskus zu erklären, sind...

...Ehepaare mit der Steuerklasse III/V oder „IV + Faktor“

...Arbeitnehmer mit einer zweiten Lohnsteuerkarte (Klasse VI)

...alle Personen, die neben Ihrem Gehalt Lohnersatzleistungen, etwa Arbeitslosengeld, Krankengeld, Elterngeld oder Kurzarbeitergeld, in Höhe von mindestens 411 Euro im Jahr erhalten haben

...Personen, die geschieden wurden und im gleichen Jahr wieder geheiratet haben (gilt auch, wenn der Ex-Partner erneut geheiratet hat)

...alle Personen, die Einnahmen aus Vermietung oder Gewerbe erzielt haben.

....Ruheständler, die mehr als 1500 Euro Rente pro Monat bekommen und bisher keine Steuererklärung abgegeben haben.

Alle anderen können freiwillig eine Steuererklärung machen. So ist es beispielsweise für Singles in der Steuerklasse I ratsam, eine Steuererklärung zu machen, wenn sie nach Abzug bestimmter Ausgaben wie Werbungskosten mehr als 8472 Euro im Jahr 2015 verdient haben (für Ehepaare gilt der doppelte Wert, also 16944 Euro).

Wer sich nicht sicher ist, sollte sich im Zweifel an das zuständige Finanzamt, einen Steuerberater oder den Lohnhilfesteuerverein wenden.

Zu welcher Steuerklasse gehöre ich?

Steuerklasse I

Die Einteilung in die Steuerklasse hängt im Wesentlichen vom Beziehungsstatus ab:

- Ledige und geschiedene Arbeitnehmer

- verheiratete Arbeitnehmer, wenn Ehegatte im Ausland wohnt oder dauernd getrennt vom Ehegatten leben

- Verwitwete Arbeitnehmer, wenn Ehegatte vor dem 1. Januar 2014 verstarb;

- Arbeitnehmer, die beschränkt einkommensteuerpflichtig sind oder in eingetragener Lebenspartnerschaft leben.

Steuerklasse II

Zur Steuerklasse II gehören Arbeitnehmer, die eigentlich in Steuerklasse I fallen, ihnen aber zusätzlich der Entlastungsbetrag für Alleinerziehende zusteht. Dieser steht Single-Arbeitnehmern zu, in deren Haushalt mindestens ein Kind lebt, für das dem Arbeitnehmer ein Kinderfreibetrag oder Kindergeld zusteht. Zudem muss das Kind mit Haupt- oder Nebenwohnung bei dem Arbeitnehmer gemeldet sein.

Steuerklasse III

Sie gilt auf Antrag für verheiratete Arbeitnehmer, wenn beide Ehepartner in Deutschland wohnen, nicht dauernd getrennt leben und einer der beiden keinen Arbeitslohn bezieht und der Steuerklasse 5 angehört. Ebenfalls in die Steuerklasse III gehören verwitwete Arbeitnehmer, wenn ihr Ehegatte frühestens am 1. Januar 2012 verstorben ist, beide Ehepartner an dessen Todestag in Deutschland gewohnt und nicht dauernd voneinander getrennt gelebt haben.

Steuerklasse IV

Die Steuerklasse IV gilt für Ehepaare - und zwar dann, wenn beide Arbeitnehmer sind und Arbeitslohn beziehen, sie innerhalb Deutschlands wohnen und nicht dauernd getrennt leben.

Steuerklasse V

Jetzt wird es komplizierter: Die Steuerklasse V tritt für einen der Ehepartner an die Stelle der Steuerklasse 4, wenn der andere Ehegatte auf Antrag von beiden in die Steuerklasse 3 eingereiht wird.

Steuerklasse VI

Vielarbeiter fallen in diese Steuerklasse. Den Lohnsteuerabzug nach dieser Steuerklasse sollten Arbeitnehmer von dem Arbeitgeber vornehmen lassen, von dem der niedrigste Arbeitslohn bezogen wird.

Steuerklassenwahl bei Ehegatten

Ehepartner werden grundsätzlich gemeinsam besteuert, weil es für sie günstiger ist. Da beim Lohnsteuerabzug eines Arbeitnehmers nur dessen eigener Arbeitslohn zugrunde gelegt werden kann, können die Arbeitslöhne beider Ehepartner erst im darauffolgenden Jahr zusammengeführt werden - erst dann ergibt sich die Jahressteuer. Daher kann es passieren, dass Ehepartner im Laufe des Jahres zu viel oder zu wenig Lohnsteuer zahlen. Deshalb können sie sich in Steuerklassenkombinationen - 4/4 oder 3/5 - einteilen lassen.

Wo gibt es die Formulare für die Steuererklärung?

In gedruckter Form gibt es die Unterlagen bei den Finanzämtern sowie im Internet beim Bundeszentralamt für Steuern zum Ausdrucken. Das kostenlose Programm „ElsterFormular“ kann beim Bayerischen Landesamt für Steuern heruntergeladen werden, um die Steuererklärung anschließend am PC zu machen.

Bis wann muss die Steuererklärung eingereicht werden? Und welche Konsequenzen drohen andernfalls?

Die Abgabefrist für die Steuererklärung ist der 31. Mai. Bis dahin müssen alle Steuerpflichtigen ihre Formulare beim zuständigen Finanzamt eingereicht haben, wenn sie die Steuererklärung eigenständig machen. Wer seine Steuererklärung von einem Lohnhilfesteuerverein oder Steuerberater erstellen lässt, hat bis zum 31. Dezember Zeit. Arbeitnehmer müssen neben dem Mantelbogen mindestens die Anlagen „Vorsorgeaufwand“ und „N“ (nichtselbstständige Arbeit) abgeben.

Wer seine Steuererklärung nicht fristgerecht eingereicht hat, muss mit einer Mahnung seitens des zuständigen Finanzamts rechnen. Darin wird in der Regel eine Frist von vier bis sechs Wochen eingeräumt, um die Formulare nachträglich einzureichen. Wenn das immer noch nicht gefruchtet hat, kann das Finanzamt mit Zwangsgeld drohen und einen Verspätungszuschlag verlangen. Dieser kann bis zu 10 Prozent der fälligen Einkommenssteuer betragen, höchstens jedoch bei 25.000 Euro liegen.

Was kann ich bei der Steuererklärung alles absetzen? Und was lohnt sich besonders?

„Grundsätzlich können Arbeitnehmer alle mit der Arbeit in Verbindung stehenden Kosten, die nicht oder nur zum Teil vom Arbeitgeber erstattet werden, absetzen“, sagt Sebastian Großmann vom Lohnhilfesteuerverein Schleswig-Holstein. Konkret heißt das: Werbungskosten. Das sind alle Ausgaben, die Personen haben, um überhaupt Geld zu verdienen. Bei der Jobsuche sind dies also etwa Bewerbungsfotos und -unterlagen oder Reisekosten. Wer schon eine Anstellung hat, kann beispielsweise Fortbildungen, Reisekosten und Pendlerkosten absetzen. Aber auch das Arbeitszimmer zu Hause, die Zweitwohnung am Arbeitsort, Gewerkschaftsbeiträge oder private Laptops sowie Smartphones, die auch für dienstliche Zwecke genutzt werden, sollten angegeben werden.

Für Pendler gilt: Jeder Kilometer Entfernung von der Wohnung zum Arbeitsplatz wird mit 30 Cent erstattet. „Die Entfernung zwischen Wohnsitz und Arbeitsstätte sollten insbesondere Arbeitnehmer angeben, die mehr als 15 Kilometer pro Strecke zurücklegen müssen“, sagt Großmann. Belege dafür müssen Arbeitnehmer nicht mitliefern.

Unbedingt einreichen sollten Steuerpflichtige auch Handwerkerrechnungen. „Viele wissen nicht, dass die Lohnkosten der Handwerker absetzbar sind“, sagt Großmann. Wichtig ist, dass auf der Rechnung die Lohnkosten separat aufgeführt sind. „Das gilt auch für Mieter, wenn der Vermieter die Handwerkerkosten anteilmäßig an den Mieter weitergibt.“ Zudem müsse nachgewiesen werden - etwa per Kontoauszug - dass die Rechnung tatsächlich beglichen wurde.

Auch Sonderausgaben können geltend gemacht werden. Dazu zählen unter anderem Versicherungen, wie Haftplicht-, Unfall-, Arbeitslosigkeits- oder Berufsunfähigkeitsversicherung, aber auch Kirchensteuer, bis zu 4000 Euro für die erste Ausbildung und Spenden. „Bei Spenden von mehr als 200 Euro solle immer eine Spendenbescheinigung oder ein entsprechender Kontoauszug beigefügt sein“, rät Großmann. „Für Versicherungsausgaben muss nur ein Beleg eingereicht werden, wenn das Finanzamt es fordert.“

Zusätzlich können außergewöhnliche Belastungen abgesetzt werden, wozu unter anderem Ausgaben im Krankheitsfall zählen. „Ausgaben für Therapien oder Medikamente, die von der Krankenkasse nicht übernommen werden, gehören dazu“, erklärt Großmann. Auch Scheidungs- und Unterhaltskosten können abgesetzt werden.

Geld zurückbekommen können auch ehrenamtliche Übungsleiter, wie Sporttrainer. „Bis zu einer Summe von 2400 Euro im Jahr bleiben die Einnahmen steuerfrei“, sagt Großmann. Ausgaben für die Betreuung von Kindern bis zum 14. Lebensjahr sind ebenfalls steuerlich absetzbar.

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