Hochschulorchesters : Stehende Ovationen für Campus-Musiker

Dirigent mit Humor und Verve: Theo Saye leitet und moderiert die Auftritte  des  Hochschulorchesters  auf besondere Weise. Foto: Dewanger
Dirigent mit Humor und Verve: Theo Saye leitet und moderiert die Auftritte des Hochschulorchesters auf besondere Weise. Foto: Dewanger

Die Konzerte des Hochschulorchesters haben seit Jahren Kultcharakter: Viele kommen nicht nur, um die Musik zu hören, sondern auch Theo Sayes Moderationen.

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08. Februar 2011, 11:29 Uhr

Flensburg | "Edward Elgar ist der bedeutendste englische Komponist", sagte Theo Saye lehrreich - "wenn man Paul McCartney und Andrew Lloyd Webber außer Betracht lässt." Es soll auf dem Campus Menschen geben - vielleicht nicht besonders notenfeste -, die die Konzerte des Hochschulorchesters nicht so sehr wegen der Musik, sondern wegen der Moderationen des Dirigenten besuchen. So begann die Musik des jüngsten Konzertes auch erst 15 Minuten nach Konzertbeginn, bis dahin hatte Theo Saye, im Hauptberuf Studienleiter am Landestheater, die Akademische Festouvertüre op. 80 von Brahms erläutert, interpretiert und zum Teil auch vorgesungen.

Das Akademische an diesem Stück nahm Saye zum Anlass, noch einmal ein feierliches Bekenntnis zum Flensburger Campus abzulegen: "Es lebe die Universität, es lebe die Fachhochschule!" Im Geiste hörte man die Korken knallen, in realiter gab es am Ende des Brahms-Stückes viel Tschingderassabum und Schellenklang, davor populäre Melodien und eingängigen Orchesterklang - Klassik zum Warmwerden.

Elgars Cellokonzert bezeichnete Saye als "Eckstein des Cello-Repertoires", und zwar ab sofort auch für Hans-Christian Schwarz von den Lübecker Philharmonikern, der das Werk eigens für das Gastspiel im Flensburger Audimax einstudiert hat. Das Orchester brachte die elegische, getragene Stimmung des ersten Satzes wunderbar rüber, vor allem die opulent besetzte Streichersektion zeigte hier ihr Können. Federleicht und luftig trugen Geigen, Bratschen, Celli und Kontrabässe später Hans-Christian Schwarz und seinen Solopart durch den Allegro-Satz. Mit viel Applaus ging es in die Pause.

Alle acht slawischen Tänze von Dvorak gibt es selten am Stück zu hören, ließ Saye danach die Zuhörer wissen - wegen der physischen Beanspruchung der Musiker. Da hat er wohl etwas übertrieben, denn die meisterten die populären Kurzwerke bravourös und zeigten auch bei Tanz Nr. 8 keine Ermüdungserscheinungen. Wunderbar, wie die Oboe die Zuhörer und das Orchester in den siebten Satz hineinzog, fetzig-fulminant vor allem der achte Tanz. Anders als Brahms in seinen Ungarischen Tänzen hat Dvorak keine volkstümlichen Melodien verarbeitet, sondern alles selbst geschrieben - wie erneut Saye fachkundig mitteilte und ganz nebenbei noch eine kleine Spitze gegen Erika Steinbach unterbrachte.

Die Konzerte des Hochschulorchesters sind seit Jahren nicht nur auf dem Campus Kult, sondern zudem eine wunderbare Ergänzung des musikalischen Lebens in Flensburg. Unter Sayes Leitung ist das Orchester zu einem erstaunlich homogenen, ausdruckstarken Klangkörper gereift.

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