Fachhochschule Flensburg : Sabine Christiansen beerbt den "ewigen Kanzler" Arnold

Fachhochschul-Präsident Herbert Zickfeld: "Es wird nie wieder eine Kanzler-Hochschule geben"

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01. Juni 2011, 03:59 Uhr

flensburg | Als Sabine Christiansen 1985 an der Fachhochschule auf dem Flensburger Sandberg anfing, weideten noch Schafe in der Umgebung, das Hauptgebäude war nur ein Skelett. Nachdem sie 26 Jahre als Abteilungsleiterin in der Hochschulverwaltung der FH tätig war, bezieht Christian sen das Büro der Kanzlerin in eben jenem Gebäude H.

Die Bewerbung um die Stelle ihres zunächst suspendierten und nun pensionierten Vorgängers Klaus Arnold war für die 52-Jährige ein logischer Schritt auf ihrer beruflichen Laufbahn: "Ich hatte immer den Wunsch, Kanzlerin zu werden." Als erfahrene Verwaltungsexpertin im Personalbereich und dem Gebäudemanagement kennt sie die FH aus dem Effeff. "Ich benötige wohl nicht so viel Zeit, um mich einzuarbeiten wie jemand von außen ", sagt die in Altenholz ausgebildete Diplom-Verwaltungswirtin. Neben ihrer Erfahrung wohl ein weiterer Vorteil, um die künftigen Herausforderungen der FH anzugehen. Als Beauftragte des Haushalts wird sie sich für höhere Landeszuschüsse einsetzen, denn: "Die FH ist unterfinanziert", stellt Christiansen knapp fest. Ein Patentrezept dagegen habe sie freilich nicht. Über den Hochschulpakt II müssten jedoch entsprechende Mittel von Bund und Land kommen. "Nur dann ist in Lehre und Forschung eine Basis gegeben, um Studenten eine gute Ausbildung zukommen zu lassen." Und was die Studenten bewegt, weiß sie. Jahrelang war sie Ansprechpartnerin für den Asta oder Studenten, die eine Fete auf dem Campus organisieren wollten.

Neben den Finanzen hat sich die für 80 Beschäftigte in Verwaltung und im nicht-wissenschaftlichen Bereich verantwortliche Christiansen Qualitätsmanagement und -sicherung für ihre sechsjährige Amtszeit ganz oben auf den Aufgabenzettel geschrieben. "Die Verwaltung und ihre Prozesse müssen optimiert werden. Und das gilt für alle Bereiche", stellt sie fest. Nur so könnten Kapazitäten freigesetzt werden, um in den vergangenen Jahren Liegengebliebenes anzupacken. Damit spielt sie auch auf ihren Vorgänger Arnold an, gegen den die Staatsanwaltschaft wegen Untreue ermittelt, und unter dem sie jahrelang arbeitete.

Doch für Christiansen ist ihre Rolle klar: "Ich setze die Hochschulpolitik um, die vom Präsidium und den Gremien vorgegeben wird." Und FH-Chef Herbert Zickfeld macht mit Blick auf die Machenschaften des Ex-Kanzlers deutlich: "Es wird nie wieder eine Kanzler-Hochschule geben." Von der Integrität seiner Kanzlerin ist Zickfeld überzeugt. Unterdessen teilte Arnolds Anwalt Dietrich Schenke gegenüber dem Tageblatt mit, dass die Personalie für den Vorgänger, Kanzler von 1985 bis 2011, wenig überraschend sei: "Denn die neue Kanzlerin hat sich intensiv darum bemüht, gegen Herrn Arnold Belastendes zusammenzutragen."

Seit 40 Jahren lebt und arbeitet die in Eutin geborene Sabine Christiansen in Flensburg, baute am Fördegymnasium ihr Abitur. Neben dem Beruf engagiert sie sich für den Handball. Der HFF Munkbrarup ist ihr Verein. Ihr Engagement, bedauert sie, werde sie aufgrund ihres neuen Jobs zurückfahren müssen. Bevor sie als Trainerin aktiv war, stand sie selbst auf dem Parkett: Rückraum Mitte. Das überrascht wenig: Sie ist eben ein guter Organisator.

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