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Ausbildung : Ruheständler greifen Auszubildenden unter die Arme

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Streit mit dem Meister oder durch die Prüfung gefallen? Auszubildende, die Probleme haben, müssen nicht gleich das Handtuch werfen. Einige Fachkräfte im Ruhestand haben es sich zur Aufgabe gemacht, den Azubis unter die Arme zu greifen.

shz.de von
erstellt am 13.Sep.2013 | 16:16 Uhr

Im Notfall kann Auszubildenden ein Anruf beim Senior Experten Service (SES) helfen. Die ehrenamtlichen Mitarbeiter des SES sind normalerweise für Unternehmen und Projekte im Ausland tätig. Seit rund fünf Jahren kümmern sie sich mit der Initiative VerA, kurz für «Verhinderung von Ausbildungsabbrüchen», aber auch um den beruflichen Nachwuchs. «Wir bieten den jungen Leuten an, dass wir ihnen einen erfahrenen Begleiter zur Seite stellen», erklärt Walter Fischer von VerA. Diese Begleiter sind Fachkräfte im Ruhestand.

Meldet sich ein Auszubildender bei VerA, weil er zum Beispiel Ärger mit dem Meister hat oder mit dem Lernstoff hinterherhinkt, vermitteln Fischer und seine Kollegen ihm einen der ehrenamtlichen Mitarbeiter. Dabei gilt zunächst das Prinzip der Nähe: Der Senior Experte sollte nicht weiter als 20 Kilometer vom Azubi entfernt wohnen. Der zweite Punkt beim Matching ist die fachliche Qualifikation: Braucht der Azubi jemanden von der technischen oder kaufmännischen Schiene, oder lernt er einen Heilberuf?

Ist ein passender Senior Experte gefunden, versucht er gemeinsam mit dem Azubi, das Problem zu analysieren und eine Lösung zu finden. «Es geht nicht darum, dass die Mitarbeiter die Probleme der Jugendlichen lösen», sagt Fischer. Stattdessen helfen die Experten den Azubis, die Probleme selbst zu bewältigen.

 Dafür setzen sich Azubi und Mentor etwa einmal wöchentlich zusammen und reden darüber, was dem Jugendlichen bei der Ausbildung Schwierigkeiten bereitet. Hat er einen Streit mit dem Meister, macht der SES-Ehrenamtliche zum Beispiel ein Rollenspiel mit ihm, erklärt Fischer. «Überlegen Sie sich, was Sie ihrem Meister sagen würden, und ich sage dann, wie es wirkt.»

Ist der Azubi durch die Prüfung gefallen, bleibt es oft nicht aus, dass der Mentor ein bisschen zum Lehrenden wird. «Wir sagen immer, dass die Begleitung keine Nachhilfe ist», so Fischer. Ganz trennen könne man die beiden Bereiche aber nicht. Bestehen sehr große Lerndefizite, werde aber professionelle Hilfe eingebunden.

Seit die Initiative VerA gestartet ist, sind schon mehr als 4000 Anfragen bei den Senior Experten eingegangen. Besonders beliebt ist die Hilfe für kaufmännische Berufe, sagt Fischer. «Fachlich ist die Elektronik der Spitzenreiter, das unterschätzen viele junge Leute.» Und auch das Gastrogewerbe sei relativ oft vertreten: Hier gehe es allerdings weniger um Probleme mit Lerninhalten, sondern um Konflikte im Betrieb. Das Angebot von VerA ist für Auszubildende kostenlos.

Service:

Auszubildende können per E-Mail an vera@ses-bonn.de oder über die Rufnummer 0228/260 90 40 mit den Mitarbeitern von VerA Kontakt aufnehmen.

Webseite des Projekts VerA

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