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Arbeitsrecht : Resturlaub aus dem Vorjahr: Wer ihn nicht bald nimmt, hat Pech

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Aus der Onlineredaktion

Der Jahresurlaub muss innerhalb des anfallenden Jahres auch genommen werden. Nur in Ausnahmefällen dürfen Arbeitnehmer ihn mit ins Folgejahr nehmen - und ihn möglichst bald abbummeln, denn sonst verfällt der Anspruch.

shz.de von
erstellt am 30.Jan.2016 | 06:15 Uhr

Den inneren Akku wieder aufladen, Kraft tanken für neue Aufgaben – dafür ist der Erholungsurlaub für Arbeitnehmer da. Diesen Effekt haben auch Arbeitgeber erkannt, denn viele von ihnen gewähren ihren Mitarbeitern 30 Tage Urlaub im Jahr – und damit zehn mehr als der Gesetzgeber verlangt. Unabhängig davon, wie viele Urlaubstage Arbeitnehmer im Jahr haben, gilt die Faustformel: Der Urlaub muss im laufenden Kalenderjahr gewährt und genommen werden.

Doch wie so oft bestätigen Ausnahmen die Regel: „Eine Übertragung des Urlaubs auf das nächste Kalenderjahr ist nur möglich, wenn dringende betriebliche Gründe oder in der Person des Arbeitnehmers liegende Gründe dies rechtfertigen“, sagt der Husumer Fachanwalt für Arbeitsrecht, Horst Blümel.

Doch was verbirgt sich hinter diesen juristischen Klauseln?

Dringende betriebliche Gründe können etwa erhebliche personelle Engpässe aufgrund eines hohen Krankenstandes in der Belegschaft oder Kündigungen anderer Arbeitnehmer sein.

„In der Person liegende Gründe sind gegeben, wenn es dem Arbeitnehmer im laufenden Kalenderjahr unmöglich oder nicht zumutbar ist, den Urlaub zu nehmen, beispielsweise wegen Krankheit“, erläutert Blümel. In solchen Fällen muss der übriggebliebene Resturlaub aus dem Vorjahr innerhalb der ersten drei Monate des Folgejahres gewährt und genommen werden. „Andernfalls verfällt er“, betont Blümel. Aber auch hier gilt: Ausnahmen bestätigen die Regel.

Unternehmens-Eintritt in zweiter Jahreshälfte

Wenn der Arbeitnehmer im laufenden Kalenderjahr noch keine sechs Monate beschäftigt war und somit keinen Anspruch auf den vollen Jahresurlaub erworben hatte, kann er beantragen, den ihm zustehenden Urlaubsanspruch auf das folgende Jahr zu übertragen. Sofern der Arbeitgeber dies gewährt, sind die übertragenen Urlaubstage bis zum 31. Dezember des Folgejahres zu nehmen.

Schwangerschaft und Elternzeit

Hat eine schwangere Frau ihren Urlaub vor Beginn der Mutterschutzfristen oder sonstigen Beschäftigungsverbote nicht oder nicht vollständig erhalten, so kann sie nach Ablauf der Mutterschutzfristen bzw. Beschäftigungsverbote den Resturlaub im laufenden oder nächsten Jahr beanspruchen. Dies gilt ebenfalls, wenn sie oder ihr Partner den Urlaub vor Beginn der Elternzeit nicht oder nicht vollständig erhalten hat.

Langfristige oder dauerhafte Erkrankung

Sofern ein Arbeitnehmer seinen Urlaubsanspruch aufgrund einer langfristigen oder dauerhaften Erkrankung nicht nehmen kann, bleibt er für maximal 15 Monate nach Jahresende bestehen. Betroffene im Jahr 2015 haben somit bis zum 31. März 2017 die Möglichkeit, ihren Resturlaub von damals zu nehmen.

Entsprechende Regelung im Arbeits- oder Tarifvertrag

So sieht beispielsweise der Tarifvertrag für den öffentlichen Dienst vor, dass es genügt, wenn der Erholungsurlaub aus dem Vorjahr bis zum 31. März des Folgejahres angetreten wird. Daraus ergibt sich, dass Angestellte des öffentlichen Dienstes ihren Resturlaub aus dem Vorjahr spätestens am 31. März des Folgejahres anfangen müssen, abzubummeln, ihn jedoch bis dahin nicht vollständig genommen zu haben. 

 

Die Option, sich Resturlaubstage des Vorjahres auszahlen zu lassen, besteht übrigens nicht. „Der Urlaub soll der Erholung dienen und somit auch genommen werden“, sagt Fachanwalt Horst Blümel. „Nur in dem Falle, dass der Urlaub wegen Beendigung des Arbeitsverhältnisses ganz oder teilweise nicht mehr gewährt werden kann, ist er abzugelten.“

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