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E-Mail-Check im Urlaub : Psychologe rät: Handy zu Hause, Fotoapparat im Gepäck

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Aus der Onlineredaktion

Viele Arbeitnehmer können auch in den Ferien nicht auf ihr Smartphone verzichten und schauen täglich in ihre dienstlichen Mails. Der Flensburger Psychologe und Wissenschaftler Dr. Christian Dewanger hält davon nichts.

Flensburg | Die Verlockung ist groß, gerade im Smartphone-Alter: Zahlreiche deutsche Arbeitnehmer können im Urlaub nicht komplett von der Arbeit abschalten und rufen regelmäßig ihre dienstlichen E-Mails ab.

Aus arbeitsrechtlicher Sicht ist die Lage klar, denn Arbeitnehmer können nicht verpflichtet werden, in den Ferien Dienst-Mail zu lesen und gegebenfalls zu beantworten, wie Arbeitsrechtler Jean-Baptiste Abel vom Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB) bestätigt.

Auch aus psychologischer Perspektive ist das Lesen von Mails im Urlaub nicht sinnvoll. „Die technologische Entwicklung hat unser Verständnis von Arbeit radikal verändert, da wir durch Mobilgeräte permanent zeit- und ortsunabhängig erreichbar sind - aber das ist für das Gehirn purer Stress“, sagt Psychologe Dr. Christian Dewanger von der Universität Flensburg. „Der Urlaub ist gut, um sich bewusst zu machen, dass es auch ein Privatleben gibt und jeder ein Recht darauf hat.“

Was in der Theorie so einfach klingt, ist es in der Praxis aber oft nicht. Dewanger: „Nicht nur Führungskräfte, sondern auch viele Arbeitnehmer ohne Leitungsfunktion identifizieren sich oft mit dem Beruf und haben die Sorge, dass ohne sie das Unternehmen nicht funktionieren könne.“

Daher sei es für sie selbstverständlich, auch im Urlaub erreichbar zu sein. Davon hält Dewanger allerdings nichts: „Daher ist es umso wichtiger, Grenzen zu ziehen und sich zu hinterfragen, wie diese Einstellung zustande kommt.“ Auch dafür sei der Urlaub geeignet.

Von der Überlegung, in den Ferien Mails zu bearbeiten, um nach der Rückkehr ins Büro nicht eine Unmenge an unbeantworteten Mails vorzufinden, hält Dewanger nichts. „Unser Gehirn braucht klare Trennungen zwischen Beruflichem und Privatem.“

Sein Tipp: Das Handy für den Urlaub zu Hause lassen und stattdessen einen Fotoapparat mitnehmen. „In dringenden Fällen hat jedes Hotel auch ein Telefon und Internetcafés gibt es auch vielerorts.“

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erstellt am 27.Okt.2015 | 05:15 Uhr

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