Neuer Chef : Pferdenarr zieht es in die Provinz

Jürgen Schwier arbeitet seit Beginn des Semesters an der Uni Flensburg. Foto: Boecker
Jürgen Schwier arbeitet seit Beginn des Semesters an der Uni Flensburg. Foto: Boecker

Bewegung am Sportinstitut: Jürgen Schwier ist der neue Leiter des Sportinstituts der Uni Flensburg.

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19. Mai 2009, 11:26 Uhr

Flensburg | Jürgen Schwiers Lieblingssportart: Reiten. "Vor fünf Jahren bin ich zum Reiter mutiert. Heute kann ich ohne Pferd nicht mehr leben." Nur einer von zehn Pferdeliebhabern sei männlich, weiß der neue Leiter des IBUS (Institut für Bewegungswissenschaften und Sport) der Uni Flensburg, er damit eine Ausnahme und "das männliche Gegenstück zu Mädchen, die irgendwann zum Fußball kommen".

"Weibliche" und "männliche" Sportarten und: Warum Männer nicht Bauchtanzen und Frauen schlecht Rugby spielen - Fragen, denen sich der 49-Jährige in seinem Schwerpunkt sozialwissenschaftliche Grundlagen des Sports widmet. Und oft nach eigener Aussage "ganz klischeemäßig" beantwortet. "Bei Männern steht der Wettkampf im Vordergrund. Frauen gehen - nach empirischen Befragungen - lieber ins Fitnessstudio oder zum Aerobic, um die Figur zu formen."
Flensburg, klein aber fein

Nach neun Jahren Professur an der Uni Gießen ist der sportlich-kurzgeschorene Wissenschaftler - der gern und viel lächelt - zum Semesterbeginn einem Ruf nach Flensburg gefolgt. Aus dienstlichen und privaten Gründen. Seine Frau, eine Hamburgerin, wolle "nur im Norden" leben. Schwier selbst, der häufig an "Massenunis" gearbeitete habe - Marburg und Oldenburg, Jena und Berlin sind Stationen seiner langen Laufbahn - lockte die Flensburger Überschaubarkeit, "der persönlichere Kontakt zu Kollegen und Studenten".

Letztere bekommen mit dem Professor auch neue inhaltliche Aspekte im Seminarangebot. Spektakulärere Inszenierungen, imposantere Wettkampfstätten, neue, den Ansprüchen des Fernsehens und seiner Zuschauer geschuldete Regeln: Wie Medien den Sport verändern, interessiert Schwier besonders. "Größere Bälle haben das Tischtennis langsamer und damit besser filmbar gemacht, Volleyball zieht sich dank eines neuen Punktsystems nicht mehr endlos in die Länge." Telegener seien diese Sportarten zwar geworden - aber längst nicht häufiger im TV zu sehen.
Weniger Wettkampf, mehr Miteinander

König Fußball dagegen, "der kann machen, was er will und wird immer geguckt". Die Breitenwirkung - viele Vereinsmitglieder, viele Fans - mache ihn unschlagbar.

Wichtige Themen für angehende Sportlehrer - schließlich werde das Sportverhalten von Kindern und Jugendlichen wesentlich durch Medien geprägt. Und müsse von Lehrern "hinterfragt" werden. "Weniger Wettkampf, mehr Miteinander" und "Gesundheitsprävention": Kinder - auch im Hinblick auf die Ganztagsschule - für andere Formen des Sports zu begeistern, sieht der Schulsportexperte als ihre zentrale Aufgabe. Durch ein "extrem niederschwelliges, breites Spiel- und Bewegungsangebot" etwa, bei dem auch Spielelemente aus anderen Kulturen integriert würden.

Weitere Forschungsschwerpunkte des IBUS-Chefs sind E-Learning und Trendsportarten "von Skaten bis Le Parkour": artistische Hindernisläufe durch den urbanen Dschungel, über Mauern, Zäune und Baugerüste.

In der Praxis bevorzugt Schwier andere sportliche Betätigung: die auf dem Rücken seiner Isländerstute "Mysla", am Feierabend, "im Sommer am liebsten fünf, sechs Mal die Woche".

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