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Vorstellungsgespräch : Panik vermeiden – zu gesunder Nervosität stehen

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Bewerbungstrainerin Rita Zankl-Harbeck nennt Tipps zur richtigen Taktik, Einstellung und Vorbereitung bei Vorstellungsgesprächen.

shz.de von
erstellt am 21.09.2013 | 05:00 Uhr

Einfach nur locker bleiben, dann wird das schon!“ meinte Lisas Tante, als sie ihr von ihrer Panik vor dem Vorstellungsgespräch erzählte. Ihre Eltern und die vielen Bewerbungsratgeber dagegen erklärten ihr, worauf sie auf jeden Fall achten sollte: erst hinsetzen, wenn man aufgefordert wird, gerade sitzen, alle Beteiligten abwechselnd anschauen, lächeln, die richtigen Antworten geben, überzeugen…. und dann eben auch noch locker und natürlich sein! Lisa schwirrte der Kopf. Wie soll man da locker sein?

„Viele junge Bewerber empfinden das Vorstellungsgespräch als sehr belastende Situation und fühlen sich auf dem Prüfstand: das macht großen inneren Druck.“ sagt Bewerbungscoach Rita Zankl-Harbeck aus Hohenwestedt. Das Gefühl, den Druck in den Griff bekommen zu müssen, erzeuge häufig noch mehr Druck und Anspannung. Ein Annehmen des Gefühls sei – so paradox es klinge – häufig eine erste Hilfe, meint Zankl-Harbeck. „Wenn wir das erkennen und uns sagen: ’Okay, ich bin ganz schön aufgeregt! Das ist ja auch natürlich, weil ein Vorstellungsgespräch eine aufregende Situation ist’, kann uns das erdrückende Gefühl und die innere Erwartungshaltung nicht mehr so sehr dominieren.“

Hilfreich sei es, den positiven Aspekt der Aufregung zu bedenken: „Ein wenig Aufregung oder Lampenfieber macht uns wach und aufmerksam und hilft uns, sehr gute Leistungen zu erzielen“ erklärt die Karrieretrainerin. Gefährlich wird es erst, wenn die Aufregung zur Panik wird.

Einer Klientin habe eine gute Vorbereitung zum Unternehmen selbst und auf mögliche Arbeitgeberfragen sehr viel Sicherheit gegeben. „Der Bewerber sollte alle Möglichkeiten nutzen, seine Kenntnisse über das Unternehmen und das Berufsbild zu vertiefen. Bewerber und Bewerberinnen, die ihre eigenen Stärken und Kompetenzen in Bezug auf die angestrebte Ausbildung durchdenken und ausloten, sind von manchen Fragen wesentlich weniger überrascht“, rät Rita Zankl-Harbeck.

Jugendliche Bewerber, die ihre Stärken und Kenntnisse kennen und benennen können, stärken gleichzeitig ihr Selbstwertgefühl. „Im Vorstellungsgespräch ist es wichtig, die Stärken nicht nur aufzuzählen. Das überzeugt nicht.“ sagt Rita Zankl-Harbeck „Belegen sie die Stärken mit Beispielen, so werden Behauptungen zu Beweisen.“

Sportler nutzen Mentaltraining und konzentrieren sich auf positive Ziele. Dabei visualisieren sie ihre einzelnen Schritte und Handlungen bis zum „Siegertreppchen“. Übertragen auf die Bewerbungssituation kann das Vorstellungsgespräch vorher gedanklich simuliert werden. Mögliche Stolpersteine oder Wissenslücken werden deutlich. Der Bewerber kann dadurch noch einmal an einigen Punkten arbeiten und gewinnt immer mehr Sicherheit. Dann kann ein persönlicher innerer Erfolgsfilm „produziert“ und abgespielt werden, der den erfolgreichen Verlauf vorweg nimmt, sagt Zankl-Harbeck. Auf diese Weise werde eine positive innere Grundstimmung geschaffen, die die angstauslösenden Faktoren „im Zaum hält.“

Wer negative Sätze und eine ängstliche Grundhaltung durch ehrliche positive Überzeugungen und innerlich hilfreiche Sätze wie „Ich mache einen guten Eindruck!“, „Ich bin gut vorbereitet!“ oder „Ich werde das schaffen.“ ersetzen kann, gehe wesentlich gelassener und selbstbewusster in das Vorstellungsgespräch. Hilfe können dabei auch Mentalseminare oder ein Coaching liefern.

Manchen Bewerbern helfen Techniken wie Atemübungen, um die Fokussierung auf eine wache Gelassenheit zu lenken. Eine ruhige, bewusste Atmung wirkt entspannend und stärkt die Stress-resistenz. Anderen hilft Bewegung und Sport oder Entspannungsverfahren wie Yoga oder Progressive Muskelentspannung, um gelassener mit Prüfungssituationen umzugehen. Auch etwas so Einfaches wie ein Talisman, ein Ring oder ein anderer Glücksbringer „im Gepäck“ oder der Hosentasche kann für viele vor dem Vorstellungsgespräch eine beruhigende und entspannende Wirkung haben.

„Welche Methode und welcher Weg der Richtige ist, um locker und gelassener in das Vorstellungsgespräch zu gehen, ist individuell. Wichtig dabei ist, dass es sich für den Bewerber gut anfühlt und Wirkung zeigt“, sagt Bewerbungscoach Rita Zankl-Harbeck. So kann der Bewerber authentisch bleiben und gut vorbereitet im Vorstellungsgespräch punkten.

So hinterlässt man einen guten Eindruck:

 

Versuchen, etwas persönliche Aufregung als normal hinzunehmen und im Gespräch ruhig zugeben

 

Grundsätzlich auf ausreichende Distanz achten, ohne distanziert zu wirken

 

Erst nach Aufforderung hinsetzen

 

Gute Noten mit sicherem Auftreten verbinden

 

Das Bewerbungsgespräch schon mal zu Hause durchspielen

 

Überzeugend erklären, was einen an dem Beruf reizt und warum gerade dieser Betrieb gewählt wurde

 

Begründen können, warum man der oder die Richtige für den Job ist

 

Eigene Interessen und den Job in Verbindung bringen

 

Wissen, worum es in der Firma geht

 

Hände ruhig halten, wenn sie unbedingt bewegt werden müssen: Notizen machen (gleich zu Anfang fragen, ob das erlaubt ist!)

 

Auf das Sprechtempo achten – weder zu langsam, noch (was in der Aufregung eher passiert) zu schnell

 

Zigaretten und Alkohol sind komplett tabu, jedoch kann man ein angebotenes alkoholfreies Getränk annehmen


 

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