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Handwerk : Mit ganzem Einsatz Punkte machen

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Die Berufsbilder in Handwerk sind ungeheuer vielschichtig, erstrecken sich über viele, oft recht unterschiedliche Branchen – vom Zimmerer über Zahntechniker bis zum Frisör. Wie sich handwerklich interessierte Schulabgänger, die noch nicht genau wissen, in welche Richtung es für sie gehen soll, am besten orientieren können, weiß Tara Schütte, Expertin für Berufsbildung der Handwerkskammer Flensburg, die unsere Fragen beantwortete.

shz.de von
erstellt am 25.Jan.2014 | 06:30 Uhr

Flensburg | Was raten Sie Schulabgängern, die einen Ausbildungsplatz suchen als Erstes, womit geht es los? 
„So früh wie möglich sollten sich Bewerber mit dem Thema Ausbildung beschäftigen.  Ein Praktikum in Eigeninitiative wird von vielen Betrieben gerne gesehen. Wir als Handwerkskammer haben auf unserer Homepage eine aktuelle Lehrstellenbörse eingerichtet.  Ab sofort können Jugendliche, die ein Smartphone besitzen, bei der Lehrstellensuche auf eine neue App zurückgreifen. Wir bieten den „Lehrstelleradar“ kostenfrei für iPhone- oder Android-Nutzer an. Die Suche nach einem Ausbildungsplatz im Handwerk ist damit jetzt noch einfacher. Rund 200 Lehrstellen für 2014 sind derzeit im Kammerbezirk Flensburg im Angebot.  Darüber hinaus sind wir als Handwerkskammer auch direkter Ansprechpartner in puncto passgenaue Vermittlung von Bewerbern an ausbildungswillige Unternehmen.“

Wie viele Ausbildungsgänge gibt es denn im Handwerk, kann man da überhaupt eine Zahl nennen?
„Mehr als 150 Berufe werden im Handwerk ausgeübt.“

Welche schulischen Voraussetzungen sollte ein Azubi in einem Handwerksberuf mitbringen und macht es überhaupt Sinn, sich auch mit schlechteren Zeugnissen zu bewerben?
„In vielen Handwerksberufen gibt es keine vorgeschriebenen Voraussetzungen für den Schulabschluss. Im Handwerk kommt es den Betrieben vorrangig darauf an, dass der Bewerber hinter seiner Ausbildung steht und hier volle Einsatzbereitschaft zeigt. Die Erfahrung macht deutlich, dass auch die Azubis mit nicht so guten Schulabschlussnoten  trotzdem sehr wohl  in der Lage sind, eine gute Gesellenprüfung abzulegen.“

Hat sich denn an den  Ausbildungen  in den letzten Jahren  etwas Grundsätzliches geändert?
„Technik und Innovation prägen selbstverständlich auch das Handwerk und wirken sich ebenso auf die Ausbildungsrahmenpläne aus. Bis auf wenige Berufe hat es in jüngster Vergangenheit in fast allen Bereichen des Handwerks inhaltliche Veränderungen gegeben. Zum Beispiel der Kfz-Mechatroniker: Dieser Beruf entstand im Jahr 2003 aus den Berufen Kfz-Mechaniker und Kfz-Elektriker. Somit ergaben sich vier  Schwerpunkte: Personenkraftwagentechnik, Nutzfahrzeugtechnik, Motorradtechnik und Fahrzeugkommunikationstechnik. Im Juni 2013 wurde der Schwerpunkt Karosserietechnik in die Verordnung integriert und aus Fahrzeugkommunikationstechnik entstand System- und Hochvolttechnik.“

Stichwort „Soziale Kompetenzen“ – was zählt dabei für Handwerker besonders?
„Zuverlässigkeit, Einsatz und Pünktlichkeit sind nach wie vor die wichtigsten kognitiven Fähigkeiten, die im Handwerk zählen.“

Gibt es Nischenbereiche, in denen es besonders erfolgversprechend oder lohnenswert ist, eine Ausbildung anzustreben?
„Hier sind auf jeden Fall die Gesundheitsberufe wie der Hörgeräteakustiker und der Augenoptiker erwähnenswert. Durch den vermehrten Umgang mit digitalen Medien ist ausgebildetes Fachpersonal in diesen Bereichen besonders gefragt. Wenn man als Geselle anstrebt, die Meisterprüfung zu erwerben, stehen einem viele erfolgsversprechende Möglichkeiten offen. Die Selbstständigkeit wäre da nur ein Beispiel.“

Ist es eigentlich möglich, später noch den Ausbildungsbetrieb zu wechseln?
„Ja. Allerdings kommt es hier immer auf den Einzelfall an. Treten Probleme in der Ausbildung auf, sollte man immer zuerst versuchen, diese aus dem Weg zu räumen. Hier helfen unsere Ausbildungsberater gerne  weiter. Sie sind kompetente Ansprechpartner für die Betriebe sowie für die Lehrlinge.“

Für Abiturienten oder Fachabiturienten könnte es im Handwerk auch interessante Alternativen geben, oder?
„Auf jeden Fall! Zum Beispiel den Studiengang „StudiLe“ – Studium mit integrierter Lehre. StudiLe verbindet eine praxisorientierte Ausbildung mit einem Hochschulstudium. Oder eine klassische Ausbildung, an die ein Studium angehängt wird. Gerne wird erst eine Ausbildung auf dem Bau absolviert und anschließend ein Architekturstudium angestrebt.“

…also, noch einmal kurz zum Mitschreiben: was muss ich jetzt tun, wenn ich mich informieren und dann bewerben will?
„App herunterladen und mit der Handwerkskammer in Verbindung setzen!“

www.hwk-flensburg.de
www.hwk-flensburg.de/ausbildung/lehrstellenboerse-lehrstellenradar
www.hwk-luebeck.de
Seit 2006 gibt es die Handwerkskammer Schleswig-Holstein, eine Kooperation der rechtlich selbständigen Kammern Flensburg und Lübeck.

Handwerksbetriebe in Deutschland

In Deutschland arbeiten rund eine Million Handwerksbetriebe mit mehr als fünf Millionen Beschäftigten. Die Mehrzahl der Betriebe hat weniger als fünf Mitarbeiter. 40.0000 junge Menschen machen gerade eine Ausbildung im Handwerk, 91000 von ihnen sind Frauen. Das geht aus der Datensammlung des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks (ZDH) hervor.

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