Stellen-Special : Mechatronikerin: „Eine Beule ist gar keine Beule“

Jana Brinkmann bei der Arbeit.
Jana Brinkmann bei der Arbeit.

Jana Brinkmann macht eine Ausbildung in einer Männer-Domäne. Sie lernt KFZ-Mechatronik.

shz.de von
24. Januar 2015, 05:00 Uhr

Als erstes erklärt Jana, dass eine Beule gar keine Beule ist, sondern eine Delle. „Eine Beule bekommt man, wenn man sich den Kopf stößt“, lächelt Jana Brinkmann (20) KFZ-Mechatronikerin im 3. Lehrjahr und nach ihrer Abschlussprüfung im Januar 2016 dann eine Karosserie-Instandhaltungstechniker-Gesellin.

Jana ist eine junge Frau, der es einen Riesenspaß macht, Dellen aus Autoblechen wieder glatt zu bekommen oder gleich ganze Seitenteile auszutauschen. Häufig muss sie auch Stoßfänger und Lampen vor der Lackierung ausbauen und wenn alles schön glänzt, das Ganze wieder zusammenschrauben.

Der Beruf des KFZ-Mechatronikers oder Instandhaltungstechnikers ist eigentlich lange Jahrzehnte eine Männer-Domäne gewesen. Nur heute nicht mehr. Die Hamburger VW-, Audi- und Skoda-Vertretung Auto Wichert bildet jedes Jahr 210 Lehrlinge aus. 150 von ihnen lernen im technisch-kaufmännischen Bereich, die anderen70 schrauben in den Werkstätten. Und zwölf davon sind Mädchen in einem so genannten MINT-Beruf.

Jana Brinkmann hat sich schon als kleines Mädchen mehr für Autos als für Puppen interessiert. „Ich war schon immer mehr technisch orientiert, sammelte statt Plüschtieren lieber Spielzeugautos. Und wenn andere Mädchen einen Puppenwagen vor sich herschoben, bin ich im Gocart an ihnen vorbeigedüst.“ Da kam ihr ein Praktikum von der Schule bei einer KFZ-Werkstatt gerade recht: „Ich wusste sofort – das will ich lernen.“

Die Azubi-Stelle beim VW-Händler zu bekommen, war mit ihren guten Hauptschulnoten kein Problem. Anfangs hatte sie aber mit dem oft rauen Ton in der Werkstatt so ihre Probleme. „Ich war halt ein Sensibelchen, habe manche Träne vergossen. Aber inzwischen habe ich mir ein dickes Fell zugelegt.“

Auto Wichert ist sehr aktiv auf der Suche nach Nachwuchs. Ausbildungsleiter Martin Peetz (48): „Wir sind auf allen Ausbildungsmessen vertreten. Und wir gehen direkt in die Schulen. Dazu laden wir auch ganze Klassen zur Betriebsbesichtigung ein. So kommen wir an die jungen Leute und unser Stellenangebot gefüllt.“

Beim Hamburger VW-Händler lernen Abiturienten, bevor sie ein Ingenieurs-Studium anfangen, Jugendliche mit mittlerem Schulabschluss (meist im kaufmännischen Bereich) und Hauptschüler mit guten Noten in dreieinhalb Jahren das Schrauber- Handwerk in der Werkstatt. „Ein guter Mix“, so Martin Peetz. „Wir übernehmen in der Regel zwei Drittel unserer Azubis nach der Lehrzeit in unseren 16 Betriebsstätten.“

So auch Jana Brinkmann, die jetzt schon weiß, dass sie nach der Gesellen-Prüfung Dellen in glänzenden Autoblechen weiterhin glatt machen wird. „Oder ich entschließe mich, im Kundenbereich als Beraterin zu arbeiten.“ Das steht ihr derzeit noch offen. Jedenfalls sind ihre beruflichen Zukunftsperspektiven ausgezeichnet. Denn KFZMechatroniker, egal ob weiblich oder männlich, sind in ganz Deutschland gesucht.

Ausbildung zur Mechatronikerin

Anforderungen: guter mittlerer Schulabschluss, technisches Verständnis, handwerkliches Geschick oder ein Praktikum, das die Neigung betätigt.

Ausbildungsdauer: Dreieinhalb Jahre

Vergütung:

1. Lehrjahr: 615,- €

2. Lehrjahr: 700,- €

3. Lehrjahr: 760,- €

4. Lehrhalbjahr 800,-€

Ausbildungsinhalte: Ausbildung bei einem erfahrenen Gesellen; eigenständiges Arbeiten an Fahrzeugen nach Anleitung selbstständiges Reparieren von Fahrzeugen mit fortschreitender Ausbildung.

Interne Schulungen: Neun überbetriebliche Innungslehrgänge (1 bis 2 Wochen)

Berufsschule: Blockunterricht

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