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Hochschulen : Linguist: «Unis müssen mehr fürs Schreiben tun»

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Für Studenten mit Schreibblockaden hat Professor Hans Peter Krings von der Uni Bremen einen Online-Ratgeber entwickelt. Wegen der hohen Klickzahlen fordert der Sprachwissenschaftler nun fächerübergreifende Schreibzentren an allen deutschen Unis.

shz.de von
erstellt am 20.Aug.2013 | 13:16 Uhr

Nach Ansicht des Sprachwissenschaftlers Hans Peter Krings tut sich mehr als jeder zweite Student mit dem Schreiben an der Hochschule schwer. An der Uni Bremen hat der Linguist deshalb den «Bremer Schreibcoach» entwickelt, einen Online-Ratgeber über wissenschaftliches Schreiben. «Die Unis müssen etwas dafür tun, dass diese Kompetenz auch vermittelt wird», fordert Krings im Interview.

Wieso haben Sie den Schreibcoach im Netz entwickelt?

Antwort: Unsere langjährige Erfahrung zeigt, dass viele Studenten mit dem Schreiben große Probleme haben. Das ist ein häufiger Grund für lange Studienzeiten. Schreibprobleme sind auch unter den fünf wichtigsten Gründen der Studenten für den Studienabbruch. Die wissenschaftliche Schreibkompetenz ist eine Schlüsselkompetenz, ohne die man im Grunde nicht erfolgreich studieren kann.

Wieso tun sich die Studenten so schwer mit der Schriftform?

Antwort: Durch die Verschulung der neuen Bachelor-Studiengänge hat es eine Verschiebung gegeben von den schriftlichen Arbeiten hin zu Klausuren. Unterm Strich werden vor allem in den unteren Stufen weniger Arbeiten geschrieben als früher. Ich habe in meinem Studium noch rund 20 Hausarbeiten geschrieben. Heute gibt es Bachelor-Studenten, für die die Abschlussarbeit die erste schriftliche Arbeit ist.

Was macht wissenschaftliches Schreiben so schwierig?

Antwort: Zum Beispiel der ständige Bezug auf das, was andere schon geschrieben haben. Wir haben 300 Studenten befragt, und 45 Prozent haben gesagt, sie seien unsicher, wie eng sie sich in ihrem Text an Quellen anlehnen dürfen.

Das Problem hatten die wegen Plagiatsaffären zurückgetretenen Bundesminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) und Annette Schavan (CDU) ja scheinbar auch.

Antwort: Die spektakulären Fälle der Politiker haben zu einem verstärkten Bewusstsein der Problematik geführt. Durch das Internet haben sich die Möglichkeiten, zu plagiieren, dramatisch vergrößert. Man kann sich ganze Arbeiten zu einem x-beliebigen Thema aus dem Netz ziehen. Ich glaube dadurch ist auch tatsächlich die Zahl der Leute gestiegen, die der Versuchung erliegen.

Welche Rolle spielen Smartphones, E-Mails und Facebook bei den Schreibfähigkeiten der Studenten?

Antwort: Natürlich benutzen die Leute bei den neuen Medien eine andere Sprache und halten bestimmte Regeln nicht so ein, wie wir das in einem gut gestalteten Text erwarten. Den meisten ist das aber durchaus noch bewusst. Sie werden aber ein bißchen unsicherer und wissen nicht mehr so ganz genau - wie bei Dativ oder Genitiv - was im Zweifelsfall die gängige Norm für Schriftsprache ist.

Was muss getan werden?

Antwort: Schreiben ist mittlerweile in allen Bereichen eine Schlüsselkompetenz. Nicht nur der Sprachwissenschaftler, auch der Maschinenbauingenieur kommuniziert einen Großteil schriftlich, in Mails, Projektberichten und Angeboten an Kunden. Die Unis müssen etwas dafür tun, dass diese Kompetenz auch vermittelt wird. In Amerika hat jede Uni ein Schreibzentrum, wo diese Fähigkeit gefördert wird. Sowas fordere ich für Deutschland auch.

Webseite des Bremer Schreibcoachs

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